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Interview: Praxisbezug des Studiums verbessern

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Interview

Praxisbezug des Studiums verbessern

Von Sven Siebenand

 

Seit Ende 2008 steht Hannes Müller von der Uni Münster an der Spitze des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD). Im Gespräch mit der PZ stellt er sich vor und informiert über Ziele und neue Projekte des Verbandes.

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PZ: Herr Müller seit November sind Sie Präsident des BPhD. Was sind überhaupt ihre Aufgaben in dieser Funktion und wie kommt man zu diesem Amt?

Müller: Die Aufgaben des Präsidenten des BPhD sind sehr vielfältig. Der BPhD ist das »Sprachrohr« der aktuell circa 13.000 Pharmaziestudierenden in Deutschland. Meine Aufgabe ist es demzufolge, für die Belange der Studierenden einzutreten und sie adäquat zu vertreten. Außerdem repräsentiere ich den BPhD gegenüber der Öffentlichkeit und den Organen der Apothekerschaft. Vor meiner Wahl zum Präsidenten hatte ich das Amt des Beauftragten für Studium und Lehre inne. Dieses Amt weckte mein Interesse, mich noch stärker zu engagieren und das Studium zu optimieren. Dafür eignet sich meiner Meinung nach das Amt des Präsidenten aufgrund seiner öffentlichen Präsenz am besten.

 

PZ: Was haben Sie sich für Ihre Präsidentschaft alles vorgenommen?

Müller: Mein primärer Fokus liegt, wie bereits erwähnt, auf der kontinuierlichen Verbesserung des Studiengangs, sowie einer engeren Verknüpfung von Hochschulwissen und pharmazeutischer Praxis. Des Weiteren möchte ich die Zusammenarbeit mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) ausbauen, um unseren Einfluss als angehende Gesundheitsberufler zu vergrößern. Außerdem werde ich mich für eine Beibehaltung des Abschlusses »Staatsexamen« einsetzen, falls es im Ministerium irgendwelche Bestrebungen für eine Umstellung des Studiums auf Bachelor/Master-System geben sollte. Hierzu hat der BPhD auch ein Meinungspapier verabschiedet. Nur das Staatsexamen sichert eine staatliche Kontrolle, welche unserer Meinung nach unabdingbar für Gesundheitsberufe ist, da nur so die ordnungsgemäße Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sichergestellt ist. Wir lehnen daher jede Änderung des Abschlusses der Pharmazie strikt ab.

 

PZ: Welche »Baustellen« haben Sie von Ihrer Vorgängerin Sina Heintz übernehmen dürfen?

Müller: Ich denke, die größte Baustelle stellt die Etablierung der Klinischen Pharmazie im Studium dar. Obwohl die aktuelle Approbationsordnung seit mittlerweile sieben Jahren gültig ist, haben immer noch viele Unis keine Professur für dieses Prüfungsfach des Zweiten Abschnitts der Pharmazeutischen Prüfung geschaffen. Meine Vorgängerin hat sich stark dafür eingesetzt, diesen Missstand zu beheben und die Klinische Pharmazie gleichberechtigt mit den anderen Prüfungsfächern zu etablieren. Dieses Ziel werde ich natürlich weiterverfolgen.

 

PZ: Wo gibt es beim Pharmaziestudium noch Nachbesserungsbedarf? Was muss dringend geändert werden ihrer Meinung nach?

Müller: Das Wichtigste ist die Verbesserung des Praxisbezugs. Im Studium, insbesondere im Grundstudium, wird heute zu viel Wert auf Auswendiggelerntes gelegt, der Transfer des Gelernten in die Praxis wird nicht in ausreichendem Maße abgefragt, respektive vermittelt. Dies ist folglich einer guten Beratung in der Apotheke nicht unbedingt zuträglich, da hier vor allen Dingen auf die individuellen Probleme der Patienten eingegangen werden muss. Mit der Einführung der Klinischen Pharmazie wurde eine gute Grundlage dafür geschaffen, die es nun auszubauen gilt.

 

PZ: Welche Projekte sind in Planung?

Müller: Das neueste Projekt ist die »Initiative zur Zusammenarbeit der angehenden Gesundheitsberufler«. Dies ist ein Zusammenschluss des BPhD mit der bvmd und Studierenden der Pflegewissenschaft. Ziel ist es vor allem, Grundlagen für eine gute spätere Zusammenarbeit rund um den Patienten zu legen, um die Versorgung zu optimieren. Zu diesem Zweck sind gemeinsame Kongresse in Planung, an denen die Studierenden der drei Fachrichtungen teilnehmen können.

 

PZ: Wie kann die Ausbildung im Praktischen Jahr verbessert werden?

Müller: Die Ausbildung in der Apotheke können wir als BPhD nicht verbessern. An dieser Stelle möchte ich vor allem an die Apothekerschaft appellieren, ihre Verantwortung gegenüber den Auszubildenden voll wahrzunehmen und den angehenden Apothekern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, da wir die Zukunft des Berufes und die späteren Kollegen sind. Um den Studierenden die »besten« Apotheken zu empfehlen, führen wir ein jährlich aktualisiertes Register der »empfehlenswerten Ausbildungsapotheken«, das im Internet veröffentlicht wird. Jeder fertige PJ´ler kann sich einen Bewertungsbogen von unserer Internetseite herunterladen und ihn dann ausgefüllt an den PJ-Beauftragten schicken. Diese Auswertung fließt dann in die Liste ein und trägt somit zu einer kontinuierlichen Evaluation der Apotheken bundesweit bei.

 

PZ: Die deutschen Apotheker erwarten mit Spannung das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zum Fremdbesitzverbot in Deutschland. Wenn es zuungunsten der inhabergeführten Apotheke ausfallen sollte, welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das Pharmaziestudium? Wird es dann weniger attraktiv?

Müller: Zuallererst hoffe ich natürlich, dass der EuGH sich dem Schlussantrag des Generalanwalts Yves Bot anschließt und die Rechtmäßigkeit des deutschen Fremdbesitzverbotes bestärkt. Sollte dies dennoch nicht geschehen und das Fremdbesitzverbot fallen, wird es für Apotheker sicherlich nicht leichter. Trotzdem denke ich, dass für eine gute Patientenversorgung immer hoch qualifizierte Apotheker gebraucht werden und möchte so allen Studierenden und auch zukünftigen Studierenden Mut machen, nicht aus Angst das Interesse an der Pharmazie zu verlieren. Außerdem ist doch das Schöne an der Pharmazie, dass die Arbeit, nachdem man das Studium absolviert hat, nicht auf die Apotheke beschränkt ist. Es gibt neben ihr noch viele weitere Arbeitsfelder, wie Industrie, Krankenhausapotheke et cetera. Diese werden von dem Urteil nicht berührt.

 

PZ: Angestellter Apotheker oder Pharmaziepraktikant bei einer Kapitalgesellschaft. Bereitet Ihnen diese Vorstellung Magenschmerzen?

Müller: Für mich persönlich wäre es undenkbar, für eine Kapitalgesellschaft zu arbeiten, da für mich in erster Linie das Wohl des Patienten zählt. Ich glaube nicht, dass die Unabhängigkeit des Apothekers gewahrt bliebe, da der Renditedruck von oben einer qualitativ hochwertigen pharmazeutischen Betreuung entgegensteht. Wer außerdem mit billigen Arzneimitteln wirbt und diese verramscht, statt Wert auf die Qualität des Services und der Beratung zu legen, kann für mich nicht ernsthaft als Arbeitgeber infrage kommen.

 

PZ: Welches Fach an der Uni macht Ihnen denn am meisten Spaß? Und bleibt neben dem Studium und dem BPhD-Amt noch Zeit für andere Hobbys? Wenn ja, für welche?

Müller: Am meisten Spaß machen mir Chemie und Pharmakologie. Ich gehe ab und zu als Ausgleich zur Uni noch ins Fitness-studio, da kann man dann abschalten und sich ganz auf sich konzentrieren, ohne dass sich die Gedanken um irgendwelche Reaktionsgleichungen oder auch den BPhD drehen.

 

PZ: Haben Sie schon Vorstellungen, in welche Richtung es nach dem Studium gehen soll? Eigene Apotheke, Unikarriere oder ein Job in der Industrie?

Müller: Genaue Zukunftspläne habe ich noch nicht. Ich bin froh darüber, dass man als Apotheker in viele verschiedene Richtungen gehen kann. Ich tendiere im Moment eher zur Industrie, aber auch eine eigene Apotheke später würde ich nicht ausschließen. Da ich erst im 5. Semester bin, hab ich ja zum Glück noch etwas Zeit, mich zu entscheiden.


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2009

 

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