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Kupfergabe bei Alzheimer

MEDIZIN

 
Kupfergabe bei Alzheimer

Von Sven Siebenand

 

Zwischen einem Kupfermangel im Gehirn und Alzheimer-typischen Symptomen könnte ein Zusammenhang bestehen. Darauf weisen Zellversuche, Untersuchungen mit Tiermodellen und erste Ergebnisse einer klinischen Studie mit Alzheimer-Patienten im Frühstadium von Medizinern des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg und der Freien Universität in Berlin hin.

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Das Amyloid-Vorläuferprotein (APP), das eine Schlüsselrolle bei Morbus Alzheimer spielt, ist am Kupferstoffwechsel beteiligt, sagte Professor Dr. Gerd Multhaup, Berlin, bei einem Expertengespräch des Pharmaunternehmens Ursapharm in Baden-Baden. Es besitze eine Kupferbindungsstelle, was auf eine Transportfunktion des APP für Kupfer hinweise. Bindet Kupfer an dieser Stelle, so wird weniger Beta-Amyloid (Aβ), Hauptbestandteil der schädlichen Alzheimer-Plaques, durch die Enzyme β- und γ-Secretase vom APP abgespalten.

 

Die Ergebnisse von Tierversuchen zeigen, dass in Gehirnen von Alzheimer-kranken Tieren ein Kupfermangel vorliegt, sagte Professor Dr. Thomas Bayer, Homburg. APP-transgene Mäuse wiesen eine 10 bis 15 Prozent niedrigere Kupferkonzentration im Gehirn auf als gesunde Mäuse. In einem weiteren Versuch hatte Bayers Team die sogenannten Alzheimer-Mäuse mit gesunden Tieren drei Monate lang miteinander verglichen. Die beiden Gruppen erhielten entweder eine kupferhaltige Trinklösung oder eine Zuckerlösung. Das Ergebnis: Während die Alzheimer-Mäuse ohne Kupferzufuhr größtenteils frühzeitig starben, überlebten die behandelten Tiere deutlich länger. Ihre Lebenserwartung entsprach schließlich der von gesunden Mäusen. Die Untersuchung der Gehirne hätte zudem gezeigt, dass die Kupfergabe nicht nur den Kupferspiegel anhob, sondern auch den Aβ-Spiegel absenkte.

 

Kupfer ist auch für die Funktion des Enzyms Superoxidismutase 1 (SOD1) von entscheidender Bedeutung, sagte Bayer. Dieses Enzym bekämpft oxidativen Stress. In den Gehirnen der APP-transgenen Tiere war weniger aktives SOD1 zu finden als bei gesunden Mäusen. Die Folge davon ist ein verstärkter oxidativer Stress und damit eine höhere Aβ-Konzentration. Der Kreislauf sei somit geschlossen, so Bayer.

 

Aufgrund dieser Erkenntnisse findet derzeit an der Universitätsklinik des Saarlandes eine placebokontrollierte Doppelblindstudie mit Alzheimer-Patienten im Frühstadium statt, die die Wirkung von Kupfer auf die Gedächtnisleistungen untersucht. Den Abschluss der Studie, in die insgesamt 73 Patienten eingeschlossen sind, erwartet Professor Dr. Frank-Gerald Pajonk, Homburg, noch im ersten Halbjahr 2007. Zusätzlich zur Standardmedikation nehmen die Patienten der Verumgruppe täglich 8 mg Kupferorotat ein. In regelmäßigen Abständen werden Hirnleistung wie Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit getestet. Die Ergebnisse sprächen dafür, dass ein Kupfermangel im Gehirn im Zusammenhang mit der Alzheimer-Demenz stehe, sagte Studienleiter Pajonk. Zudem sei die Verträglichkeit der verwendeten Präparate gut: Es wurden bisher keine unerwünschten Ereignisse beobachtet, die auf ein Studienpräparat zurückgeführt werden können.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2007

 

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