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Studienkredite: Studieren auf Pump

CAMPUS

 
Studienkredite

Studieren auf Pump

Von Sven Siebenand

 

Miete, Mensa, Mutschler: Ein Pharmaziestudium kostet Geld. In einigen Bundesländern kommen nun auch noch deftige Studiengebühren hinzu. Ob ein Studienkredit, mit dem viele Banken locken, sinnvoll ist, um die Finanzierungslücke zu schließen, sollten sich Studenten vor Abschluss gut überlegen.

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Mit 500 Euro pro Semester sind sie dabei: Studienanfänger in Niedersachsen werden kräftig zur Kasse gebeten. Schaffen sie das Pharmaziestudium in der Regelzeit von acht Semestern, haben sie somit insgesamt 4000 Euro bezahlt. Ab dem Sommersemester sollen dann nicht nur Erstsemester, sondern auch höhere Semester erstmals gebührenpflichtig werden. In den meisten anderen Bundesländern sieht das nicht viel anders aus. Vielerorts sind Studiengebühren bereits beschlossene Sache und das nicht nur für Langzeitstudenten oder ein Zweitstudium. So wird es für Studenten in Baden-Württemberg und Hamburg ab dem Sommersemester, für Hessens Studenten ab dem kommenden Wintersemester teuer werden.

 

Auch ohne diese Pauschalen ist ein Studium nicht gerade billig. Ausgaben für Unterkunft und Essen, aber auch Fahrtkosten, Bücherkosten und Glasbruch- sowie Chemikalienrechnungen fallen praktisch in jedem Semester an. Das Bundesbildungsministerium hat berechnet, dass ein Studium Absolventen in Deutschland durchschnittlich rund 40.000 Euro kostet. Laut der 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks werden 89 Prozent der Studenten von den Eltern finanziell unterstützt, 27 Prozent erhalten BAföG und fast zwei Drittel gehen nebenbei regelmäßig jobben. Spätestens mit der Einführung der Studiengebühren wird der den Studenten zur Verfügung stehende Durchschnittsbetrag von 786 Euro im Westen und 666 Euro in den ostdeutschen Bundesländern nicht mehr ausreichen.

 

Wer studieren will, braucht Geld

 

Glaubt man den Banken, so sind spezielle Kredite für Studenten die Lösung für die Geldsorgen. Den Anfang machte die Deutsche Bank. Dresdner Bank, Deutsche Kreditbank und viele andere Anbieter zogen schnell nach. »Diese Angebote sind Bestandteil einer umfassenden Offensive, mit der die Deutsche Bank ihre starke Position in der Zielgruppe der Studierenden weiter ausbauen will. In universitätsnahen Investment- und Finanz-Centern wird es künftig spezielle Beratung und Betreuung für angehende Akademiker und Berufseinsteiger geben«, teilt die Deutsche Bank im Internet mit. Über einen Zeitraum von bis zu 60 Monaten können in der Auszahlungsphase monatlich bis maximal 800 Euro aufgenommen werden. Die effektive Verzinsung der Kredite liege je nach Laufzeit voraussichtlich zwischen 5,9 Prozent und 9,9 Prozent pro Jahr. In regelmäßigen Abständen von maximal zwei Jahren verlangt die Bank Leistungsnachweise, zum Beispiel das bestandene erste Staatsexamen, um den Studienfortgang nachvollziehen zu können.

 

Ein Vergleich aller Angebote ist auf jeden Fall sinnvoll. Je nach Bankinstitut unterscheiden sich zum Beispiel Zinssatz, die flexible Rückzahlungsdauer und der tilgungsfreie Zeitraum nach Ende des Studiums. So verlockend sich die Angebote anhören: Die Kredite bescheren einem vor dem eigentlichen Berufsstart schnell einen Schuldenberg von mehreren Tausend Euro. Die Höhe kann sich jeder näherungsweise, etwa auf den Internetseiten der Deutschen Bank, ausrechnen lassen. Wer sich zum Beispiel während seines vierjährigen Pharmaziestudiums monatlich 200 Euro auszahlen lässt, kommt so auf einen Gesamtdarlehensbetrag von rund 11.450 Euro. Wählt man die Option, zwölf Monate nach Ende des Studiums mit der Rückzahlung zu beginnen und will man sich dafür zehn Jahre Zeit lassen, so kommt dabei eine monatliche Darlehensrate von knapp 143 Euro heraus. Das mit 120 Laufmonaten multipliziert ergibt 17.160 Euro. Die Bank weist darauf hin, dass die individuellen Darlehensverläufe davon abweichen können. Bei der Beispielrechnung wird unterstellt, dass der anfängliche Nominalzins während der Laufzeit unverändert bleibt. Der Zinssatz ist jedoch variabel. Für die Rückzahlung gilt der bei Rückzahlungsbeginn gültige Zinssatz.

 

Lieber jobben als Geld pumpen

 

»Ehrlich gesagt finde ich die Vorstellung etwas beunruhigend, als Berufsanfänger schon mehrere Tausend Euro Schulden zu haben. Was ist, wenn ich nach Abschluss des Studiums nicht in der Lage bin, den Kredit zurückzuzahlen? Für die Dauer des Studiums verzichtet man ohnehin schon auf jeglichen Luxus und gibt sich mit dem Notwendigsten zufrieden. Meiner Meinung nach ist die Motivation, diese lange Zeit voller Entbehrungen durchzustehen, die Freude auf das spätere Arbeitsleben mit der entsprechenden Vergütung und nicht etwa die Aussicht auf weitere Jahre des Verzichts, um den Kredit abzubezahlen«, sagt Schamim Haidari, Pharmaziestudentin an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Wie viele andere Studenten auch, geht Haidari neben ihrem Studium jobben. Sie erhofft sich dadurch einen unabhängigen Start ins Berufsleben - ohne Schulden. »Mir ist klar, dass die Nebentätigkeit die Gefahr birgt, dass das Studium etwas länger dauert, doch der Vorteil liegt klar auf der Hand«, so die Studentin.

 

Dem entgegnen Befürworter von Studienkrediten, dass man nicht nur den Schuldenberg anschauen sollte. Jedes Semester mehr an der Uni, weil wegen eines Nebenjobs nicht genug Zeit zum Lernen bleibt, bedeutet Verdienstausfall. Nach Gehaltstarif beträgt das Brutto-Monatsgehalt für Approbierte in der Apotheke im ersten Berufsjahr derzeit etwa 2740 Euro. Netto bleiben dabei selbst mit Steuerklasse I mehr als 1500 Euro übrig. Ein Semester zusätzlich heißt also im Klartext: fast 10.000 Euro nicht verdient.

 

Vor der Aufnahme eines Kredites sollten Studenten klären, ob und in welcher Höhe Anspruch auf BAföG besteht. Die Hälfte des monatlichen Förderungsbetrages ist ein zinsloses Darlehen, das gemäß Paragraph 17, Absatz 2 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG) höchstens bis zu einem Gesamtbetrag von 10.000 Euro zurückzuzahlen ist. Zudem können Absolventen mit besonders gutem Abschluss sowie bei Einhaltung der Regelstudienzeit beziehungsweise Förderungshöchstdauer einen Nachlass auf den Rückzahlbetrag beantragen. Ebenfalls einen Versuch wert ist die Bewerbung um ein Stipendium. Parteinahe Stiftungen, kirchennahe Institutionen sowie sonstige Einrichtungen fördern den akademischen Nachwuchs (Auswahl: siehe Kasten). Unter www.stipendiendatenbank.de finden sich rund 600 Förderprogramme von mehr als 400 Institutionen.


Stipendiengeber in Deutschland

Parteinahe Stiftungen

Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU-nah): www.kas.de

Hans-Seidel-Stiftung (CSU-nah): www.hss.de 

Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah): www.fes.de 

Heinrich-Böll-Stiftung (Bündnis 90/Die Grünen-nah): www.boell.de 

Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP-nah): www.fnst.de

Bundesstiftung Rosa Luxemburg (Die Linke-nah): www.rosalux.de

 

Konfessionelle Träger

Evangelisches Studienwerk: www.evstudienwerk.de

Cusanuswerk (katholische Kirche): www.cusanuswerk.de

 

Sonstige Organisationen (Auswahl)

Studienförderwerk Klaus Murmann: www.sdw.org

Studienstiftung des deutschen Volkes: www.studienstiftung.de 

Hans-Böckler-Stiftung (DGB): www.boeckler.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst (Ausland): www.daad.de

Stifterverband für die deutsche Wissenschaft: www.stifterverband.org


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2007

 

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