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Prostatitis: Hartnäckig und schwer zu behandeln

PHARMAZIE

 
Prostatitis

Hartnäckig und schwer zu behandeln

Von Brigitte M. Gensthaler, München

 

Die Prostatitis ist ein diffuses Krankheitsbild, das leicht chronisch wird. Oft leiden Männer an erheblichen Beschwerden, ohne dass eine organische Ursache gefunden wird. Die Therapiestrategie ist nur bei bakteriell bedingten Entzündungen eindeutig. Bei chronischen Beschwerden gibt es mehrere symptomatisch angreifende Optionen.

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Als »endlose Geschichte« oder »immerwährende Herausforderung« beschreiben Urologen mitunter die Prostataentzündung, die bevorzugt jüngere Männer zwischen 20 und 50 Jahren trifft. Das Prostatitissyndrom ist ein Sammelbegriff für Beschwerden im Bereich der Prostata und der benachbarten Regionen Damm, After, Enddarm, Hoden und Leistenbeuge, die sich nicht durch andere Ursachen wie Blasenentzündung oder benigne Prostatahyperplasie (BPH) erklären lassen. Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben an diesem Syndrom zu erkranken, liegt bei etwa 15 Prozent. Die Prävalenz wird in der Literatur mit 2 bis 16 Prozent angegeben. Bei etwa jedem dritten Prostatitis-Patienten dauert die Erkrankung länger als ein Jahr.

 

Unterschieden wird zwischen akuter Prostatitis und chronischen Formen. Die akute Form ist eine schwere Allgemeinerkrankung mit hohem Fieber, Brennen beim Wasserlassen, häufigem Harndrang, obstruktiven Beschwerden (Harnstottern) bis hin zum Harnverhalt, Schmerzen und Schüttelfrost. Bei der chronischen Prostatitis (CP) leiden die Männer an irritativen Problemen wie schmerzhaftes und erschwertes Wasserlassen, an Druckgefühl und Schmerzen im Unterbauch, an Damm und Genitalien, Schmerzen beim Samenerguss, Erektionsstörungen und Libidoverlust.

 

Angesichts der vielfältigen Symptome haben die National Institutes of Health (NIH) das chronische Beckenschmerzsyndrom (chronic pelvic pain syndrome, CPPS) als eigene Kategorie in ihre international anerkannte Klassifizierung aufgenommen (Tabelle). Von einer CP und dem CPPS sollen in den USA 5 bis 10 Prozent der Männer betroffen sein.


Tabelle: Klassifikation des Prostatitissyndroms nach NIH und Therapie im Überblick; mod. nach (1)

Kategorie Name Beschreibung Therapie 
akute bakterielle Prostatitis akute Infektion der Prostata Antibiotika 
II chronische bakterielle Prostatitis rezidivierende Infektion der Prostata Antibiotika, α-Blocker 
III chronische abakterielle Prostatitis, chronisches Schmerzsyndrom des Beckens (CPPS) keine Infektion nachweisbar α-Blocker, symptomatisch 
IIIa entzündliches CPPS Leukozyten in Ejakulat, Prostatasekret oder Urin nach Prostatamassage Antibiotika (Versuch), symptomatisch 
IIIb nicht-entzündliches CPPS keine Leukozyten nachweisbar symptomatisch 
IV asymptomatische entzündliche Prostatitis keine subjektiven Symptome, Zufallsbefund bei Diagnostik aus anderem Grund keine 

Antibiotika bei Bakterienbefall

 

Nur bei etwa 10 Prozent der Betroffenen ist ein Bakterienbefall des Prostatagewebes nachweisbar, meist mit Darmbakterien wie E. coli. Wie relevant Chlamydien oder Mykoplasmen sind, wird kontrovers diskutiert. Anaerobier findet man nur bei 1 Prozent der Patienten.

 

Die wirksamsten Antibiotika im Akutfall (Kategorie I) sind Fluorchinolone über zwei Wochen. Ausreichende Gewebekonzentrationen in der entzündeten Prostata erreichen auch Breitspektrum-Penicilline mit Betalaktamase-Hemmern oder Cephalosporine. Allgemeine Maßnahmen wie Bettruhe, vermehrte Flüssigkeitszufuhr, Verzicht auf Alkohol und sexuelle Abstinenz in der ersten Woche unterstützen den Heilungsprozess.

 

Chronifiziert die bakterielle Infektion (Kategorie II), werden Antibiotika - ausgewählt nach Erregernachweis - über zwei bis vier, teils auch sechs Wochen gegeben. Auch hier sind Fluorchinolone, zum Beispiel Ciprofloxacin oder Ofloxacin, die Mittel der Wahl. Aufgrund der längeren Therapiedauer (drei Monate) und der niedrigeren Erfolgsrate gilt Cotrimoxazol als Mittel zweiter Wahl. Manchmal werden auch Doxycyclin, Erythromycin oder Acithromycin verordnet. Die Kombination der Antibiotika mit α-Rezeptorenblockern soll die Erfolgsrate erhöhen.

 

Ursachen-Mix beim CPPS

 

Wesentlich komplizierter und langwieriger ist die Behandlung der chronischen abakteriellen Prostatitis und des chronischen Beckenschmerzsyndroms. Eine rein somatische Ursache findet sich mit etwa 20 Prozent ebenso häufig wie eine rein psychische. Meist liegen beide Komponenten nebeneinander vor. Als mögliche Ursachen werden eine mit konventionellen Methoden nicht nachweisbare Infektion ebenso diskutiert wie Blasenentleerungsstörungen und prostatischer Rückfluss. Dabei könnte Urin in die Prostatakanälchen fließen und dort zu Entzündungen und Prostatasteinen führen. Stress, Angst und Verspannung gelten ebenfalls als Verursacher.

 

Beim entzündlichen CPPS (Stadium IIIa) lohnt sich trotz des fehlenden Erregernachweises ein Versuch mit Antibiotika. Bei der nicht-entzündlichen Form (Stadium IIIb) wird dies nicht empfohlen.

 

Erfolge mit α-Blockern

 

Da das CPPS meist mit irritativen und obstruktiven Blasenentleerungsstörungen einhergeht, werden auch bei diesem Krankheitsbild α-Blocker eingesetzt. Wirkstoffe wie Terazosin, Alfuzosin und Tamsulosin scheinen am besten bei Patienten zu wirken, die noch keine Vortherapie mit α-Blockern hatten, an moderaten bis starken Beschwerden leiden und die Therapie konsequent über mehr als sechs Wochen einhalten. Einige Ärzte empfehlen eine sechsmonatige Einnahme. Manifeste Verengungen an Blasenhals oder in der Harnröhre müssen operiert werden.

 

Symptomatisch werden nicht steroidale Antirheumatika und COX-2-Hemmer zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung verordnet. Einige Patienten erfahren durch Spasmolytika, Anticholinergika, Antikonvulsiva oder Antidepressiva eine Linderung. Auch Pentosan, Finasterid, Allopurinol und die transurethrale Mikrowellentherapie wurden in Studien geprüft. Gute Erfolge erzielt man zudem mit einer langfristigen Phytotherapie, zum Beispiel mit Zubereitungen aus Kürbissamen, Brennnesselwurzel, Sägepalmenfrüchten und Roggenpollenextrakt.

 

Patienten mit Prostataentzündungen haben einen hohen Leidensdruck und fühlen sich in ihrer Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Zum Therapiekonzept gehört daher immer die psychosomatische Begleitung des Patienten. Manchmal kann eine Psychotherapie den Weg zu Linderung und Heilung ebnen. Wärmeanwendung, Balneo- und Physiotherapie, Entspannungsübungen und Biofeedback-Training sowie leichtes Jogging bringen oft Erleichterung.

 

Vorrangiges Ziel bei chronisch kranken Männern ist die schrittweise Reduktion der Beschwerden auf ein erträgliches Maß. Idealziel ist die Heilung, die ihnen Lebensqualität und volle Leistungsfähigkeit zurückgibt. Leider wird dies nicht immer erreicht.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 12/2007

 

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