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Urlaubsattacken auf das Immunsystem

TITEL

 
. Stress, Sonne, Sport

Urlaubsattacken auf das Immunsystem

von Anna Laven, Aachen

Nicht immer ist Urlaub eine Erholung für Körper und Seele. Die Top-Drei der im Urlaub auftretenden Infektionen sind laut WHO Reisediarrhö, Malaria und akute fieberhafte Atemwegsinfekte. Zugleich hinterlassen Sonnenbrände unvergessene Spuren. Die »schönsten Wochen des Jahres« setzen dem Immunsystem zu.

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Nach Studiendaten liegt jeder fünfte Urlauber mit einer Atemwegsinfektion im Hotelbett. Grund hierfür ist nicht nur der Kontakt zu unbekannten, aggressiven Erregern am Ferienort, sondern auch eine besonders zu Urlaubszeiten auftretende Immunsuppression. Sonnenlicht, Sport und Urlaubsstress tragen dazu bei, dass Menschen einen Teil der schönsten Zeit des Jahres manchmal sogar stationär in der Klinik verbringen müssen. Krank auf Reisen ­ ein wichtiger Ansatzpunkt der Beratung in der Apotheke.

Immunsystem im Dauerbetrieb

Kein leichter Job: Das Immunsystem erkennt Fremdkörper, Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze) und deren Toxine und setzt sie schachmatt. Darüber hinaus tötet es infizierte Zellen und entfernt entartete Zellen, zum Beispiel Krebszellen. Dabei arbeitet ein ganzes Netzwerk von eng aufeinander abgestimmten humoralen und zellulären Faktoren zusammen. Grob kann man diese dem unspezifischen (angeborenen) oder spezifischen (erworbenen) Immunsystem zuordnen. Zwischen diesen beiden gibt es eine Vielzahl komplexer Vernetzungen mit dem endokrinen System und dem Blutgerinnungssystem. Dadurch wird verständlich, dass sowohl Immunstärkung als auch -supprimierung viele Ansatzpunkte haben können. Das Immunsystem funktioniert auf mehreren Ebenen.

Primäre Schutzbarrieren: Die sofortige Abwehr von Schadstoffen ist die Aufgabe der Schutzbarriere des primären Immunsystems. Dazu zählen Haut und Schleimhäute sowie das lymphatische System.

Komplementkaskade und Phagozytose: Überwindet ein Erreger diese primären Barrieren, wird zunächst schnell das angeborene, unspezifische Immunsystem aktiviert. Zu seinen wichtigsten zellulären Komponenten gehören die zytotoxischen natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) sowie Monozyten/Makrophagen und Granulozyten. NK-Zellen besitzen spontane zellzerstörende Aktivität und sind vor allem für die frühe Infekt- und Tumorabwehr von Bedeutung. Durch die Bildung von Interferonen unterstützen sie die Immunabwehr durch Monozyten/Makrophagen. Auch die Komplementkaskade wird in Aktion versetzt. Hierbei handelt es sich um Schutzproteine, die von der Leber produziert werden und Bakterien zum Platzen bringen können. Das Komplementsystem unterstützt die Entzündungsreaktion. Die Schnittstelle zwischen der unspezifischen und der spezifischen Immunabwehr stellt dann die Zytokinantwort dar.

Nun beginnt die Phagozytose von Fremdmaterial durch neutrophile Granulozyten. Diese werden durch einen chemischen Reiz ins entzündete Gewebe gelockt, wandeln sich zu Fresszellen (Makrophagen) um, »verdauen« (phagozytieren) den Eindringling und machen ihn damit unschädlich. Gleichzeitig präsentieren Makrophagen Bestandteile des zerstörten Antigens auf ihrer Oberfläche und aktivieren damit andere immunkompetente Zellen, unter anderem T-Helfer-Zellen, ihre jeweilige Funktion auszuüben. Dabei schüttet die Fresszelle Interleukin-1 aus. Dieses Zytokin aktiviert die spezifische Immunabwehr zusätzlich und lockt weitere Immunzellen an. Man spricht von der Zytokinantwort. Zytokine sind Substanzen, mit denen die weißen Blutkörperchen untereinander kommunizieren können.

Auch Endothelzellen (Zellen der Gefäßinnenwand) und Leberzellen (Hepatozyten) sind zur Phagozytose befähigt. Die Hepatozyten produzieren darüber hinaus nicht nur die meisten Faktoren des Komplementsystems, sondern auch die Akutphaseproteine, zum Beispiel C-reaktives Protein (CRP).

Das spezifische Immunsystem ergänzt die Funktionen des angeborenen Immunsystems. Die Zytokinantwort aktiviert das spezifische Immunsystem. Zu dessen wichtigsten Zellen gehören Lymphozyten, insbesondere T- und B-Lymphozyten. T-Lymphozyten, bei denen man T-Helfer und T- Suppressor-Zellen unterscheidet, machen etwa 70 Prozent der zirkulierenden Lymphozyten aus; der Anteil der B-Lymphozyten beträgt 5 bis 15 Prozent. Nach Interaktion mit einem spezifischen Antigen entwickeln sie sich zu Immunglobulin (Antikörper) produzierenden Plasmazellen.

Stress schwächt Immunabwehr

Allein die Vorstellung, dass der Urlaub naht, kann den Menschen in eine massive Anspannung versetzen. Zu dem Stress, den die Urlaubsvorbereitung, zum Beispiel bei der Arbeitsplatzübergabe und privaten Vorbereitungen, mit sich bringt, kommt ein weiterer Faktor hinzu. Schließlich dient die Ferienzeit schon lange nicht mehr allein Regenerationszwecken, sondern wird auch für aufregende Erlebnisse, neue Kontakte und Sozialprestige genutzt. Viele Menschen setzen sich psychisch unter Druck, denn die gemeinsam mit anderen verbrachte Zeit muss auf jeden Fall »gelingen«. Dies schafft häufig mehr Belastung als Erholung.

Stress kann die Immunantwort modulieren. In verschiedenen Studien wurde beispielsweise eine Beeinträchtigung der Immunantwort bei Studenten unter Prüfungsstress, bei Angehörigen von Alzheimerkranken oder bei Opfern eines Raubüberfalls nachgewiesen. Daneben fand man bei Patienten mit Angsterkrankungen eine abnehmende Aktivität der natürlichen Killerzellen. Ferner wurde gezeigt, dass Stress sowohl die Antikörperbildung nach einer Impfung beeinflussen als auch die kontinuierliche Produktion von schleimhautständigen Antikörpern (IgA) deutlich abschwächen kann. So produzieren die Gaumenmandeln bei Stress verringert IgA, was die Infektanfälligkeit des Respirationstrakts steigert. Aus diesen Befunden kann man folgern, dass die Immunantwort nach Eindringen eines Krankheitserregers beim gestressten Menschen langsamer verläuft.

Mit dem Modell der Hypothalamus-Hypophysen-Achse kann die Immunsuppression durch Stress erklärt werden (Abbildung 1). Stressoren triggern die Sekretion von Corticotropin Releasing Hormon (CRH) aus dem Hypothalamus. In der Folge setzt die Hypophyse adrenocorticotropes Hormon (ACTH) frei, das an Rezeptoren der Nebennierenzellen bindet und die Synthese von Glucocorticoiden aktiviert. Gleichzeitig triggern Stressoren die Zunahme der zirkulierenden Catecholamine wie Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Dies wurde auch für männliche Sexualhormone nachgewiesen. Steigende Spiegel von Cortisol und Catecholaminen im Blut hemmen die Zytokinproduktion und beeinträchtigen das spezifische und unspezifische Immunsystem.

 

Abbildung 1: Die Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse durch Stress löst vielfältige Reaktionen im Körper aus, darunter auch eine Schwächung des Immunsystems.
(Zum Vergrößern bitte in das Bild klicken.)

 

Die stressbedingte Infektanfälligkeit entsteht sowohl in der Vorbereitungsphase als auch während der Anreise und am Urlaubsort. Bereits die Anreise mit Flugzeug oder Auto kann durch die trockene Kabinenluft und niedrige Temperaturen dazu führen, dass Schleimhäute schlecht befeuchtet und schlecht durchblutet und dadurch infektanfälliger werden. Räumliche Enge erleichtert darüber hinaus die schnelle Erregerübertragung. Hinzu kommen schlecht gewartete Klimaanlagen mit »Erregerreservoirs« als Infektionsquelle. Im fremden Land angekommen, sind die Urlauber mit für das Immunsystem unbekannten, zum Teil extrem aggressiven Erregern konfrontiert.

Immunsuppression durch Sonne

Die gute Nachricht zuerst: Sonnenlicht sorgt dafür, dass verstärkt Endorphine ausgeschüttet werden. Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

Bereits vor hundert Jahren entdeckte der Nobelpreisträger Niels Ryberg Finsen, dass UV-Strahlung die Narbenbildung nach einer Windpockeninfektion und den Verlauf einer Lungentuberkulose verschlechtert. Dies ist eine Folge der immunsuppressiven Effekte des UV-Lichts, die jeder Herpesvirusträger an sich selbst feststellen kann. Sobald die UV-Strahlung intensiver wird, entstehen nicht selten neue Herpeserosionen an den Lippen.

In den 1980er-Jahren wurde nachgewiesen, dass UVB-Strahlung die lokale und systemische Immunantwort nachhaltig stört. Immunsuppression und das Auftreten von Hautveränderungen wie Präkanzerosen, spinozelluläre Karzinome und Melanome hängen zusammen. Auch für die Hemmung der Kontaktsensibilisierung durch UVB-Strahlung gibt es eindeutige experimentelle Befunde, die belegen, dass die T-Zell-abhängige Immunantwort beeinträchtigt ist. Doch nicht nur die Entwicklung von Hautkrebs wird durch UV-Strahlung gefördert. Auch die Abwehr von Erregern wie Viren, Bakterien, Parasiten und Pilzen ist deutlich herabgesetzt. Nach einer experimentellen Infektion von Tieren mit Influenzaviren hielt die Erkrankung nach UV-Bestrahlung deutlich länger an. Auch parasitäre Erkrankungen wie Leishmaniose, Bilharziose oder Malaria verlaufen schwerer und länger nach UV-Exposition. Gleiches gilt für bakterielle (Tuberkulose, Borreliose) und mykologische Erkrankungen (untersucht wurde Candida albicans).

Als Photorezeptoren für die Immunmodulation werden verschiedene körpereigene Substanzen diskutiert, die in der Lage sind, Licht zu absorbieren (Chromophore), allen voran die DNA. Auch andere hauteigene Substanzen werden durch UV-Strahlung verändert. So isomerisiert Urocaninsäure von der natürlich vorkommenden trans- in die cis-Form. Die cis-Form löst eine Degranulation der Mastzellen mit Freisetzung von Histamin aus, das wiederum die Synthese weiterer Entzündungsmediatoren ankurbelt.

Oberflächliche Hautlipide, besonders Squalen, werden durch UV-Licht verändert. Durch Lipidperoxidation entstehen radikalische Verbindungen, die ihrerseits neuen oxidativen Stress bedeuten und die antioxidativen Abwehrsysteme beanspruchen.

 

Beispiel einer Basis-Reiseapotheke
  • Mittel gegen Diarrhö: Loperamid und orale Elektrolytlösungen. Für Familien mit kleinen Kindern haben sich pflanzliche Alternativen bewährt, die auch gegen Übelkeit und Krämpfe wirksam sind, zum Beispiel Medikamente aus Uzarawurzel-Extrakt. Als homöopathisches Mittel hat sich Okoubaka D3 bewährt.
  • Mückenschutz: Auch in warmen Ländern ohne Malariavorkommen darf ein Mückenmittel nicht fehlen, denn Insekten sind immer lästig und übertragen sowohl im tropischen als auch im mediterranen Raum Infektionskrankheiten. Ein mit einem Insektizid behandeltes Moskitonetz für die Nacht und die Verwendung eines Repellents, zum Beispiel mit Icaridin, in der Zeit von der Dämmerung bis zum Morgengrauen halten die Insekten fern.
  • Stärkung des Immunsystems und Behandlung von Atemwegsinfekten: Hier eignen sich am besten Mittel mit einer kombinierten Wirksamkeit, die sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch für die ganze Familie eingesetzt werden können, zum Beispiel Pelargonium-reniforme-Extrakte. Lindernd wirken Salzlösungen zum Schutz und zur Befeuchtung der Nasenschleimhaut.
  • Sonnenschutz: Dermatologischer Sonnenschutz mit belegter Breitspektrumwirksamkeit im UV-A- und UV-B-Bereich und Photolyase.

 

Bei der Auswahl von Sonnenschutzmitteln kann man seit spätestens 1997 einer öffentlichen Empfehlung folgen, wonach der doppelte UV-Index den benötigten Lichtschutzfaktor für UVB angibt (Veröffentlichung des UV-Index im Bundesanzeiger). Jedoch lässt sich nachweisen, dass die Absorption von UVB-Strahlen durch Sonnenfilter nicht linear verläuft und auch bei der Verwendung von höchsten im Markt verfügbaren Lichtschutzfaktoren Schutzlücken auftreten. Tatsächlich kann keine Sonnencreme 100 Prozent der Strahlung absorbieren; dies wäre nur mit hautabdeckenden Produkten möglich, die aber weder kosmetisch akzeptabel noch in der Hitze zu ertragen sind. Somit trifft UV-Strahlung selbst bei optimaler Verwendung des richtigen Sonnenschutzmittels immer zum Teil auf ungeschützte DNA. Der häufigste hierbei auftretende Schaden ist die unnatürliche Vernetzung von DNA-Basen, die die Integrität des Erbguts beeinträchtigt. Die entstehenden Photoprodukte sind in der Lage, die Immunabwehr zu unterdrücken. Umgekehrt sind topisch applizierte DNA-Reparaturenzyme, zum Beispiel Photolyase, in der Lage, die Immunsuppression zum Teil wieder aufzuheben.

VDie Immunsuppression durch UV-Strahlung hat weit reichende Folgen, da das Immunsystem die vermehrt auftretenden neoplastischen Zellen nicht mehr so gut erkennen und eliminieren kann. Diese können sich somit weitgehend ungehindert vermehren und ausbreiten. Die Veränderung der Erbsubstanz durch UV-Strahlung gilt heute als ein Hauptauslöser von Hautkrebs.

Intensivsport erhöht Infektrisiko

Für viele Menschen ist Urlaub gleichbedeutend mit verstärkter körperlicher Betätigung. Moderates Sporttreiben beeinflusst das spezifische und unspezifische Immunsystem positiv ­ allerdings nur, solange die Anstrengung nicht intensiviert wird. Jeder intensiv trainierende Sportler ist für eine gewisse Zeit infektgefährdeter als ein sportlich nicht aktiver Mensch. Mehrere epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Hochleistungssportler in Phasen erhöhter Trainingsintensität sowie 10 bis 14 Tage nach einem Ausdauerwettkampf ein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfekte haben. Wird die individuelle Trainingsschwelle jedoch nicht überschritten, bleibt die erhöhte Anfälligkeit aus.

Unter einer intensiven Belastung versteht man jede körperliche Anstrengung, die anaerob verläuft, also mit Luftnot einhergeht. Aber auch eine aerobe Belastung kann, sofern sie lange genug andauert, belastend sein. Bei einem Breitensportler kann man ab einer Stunde aerober Belastung davon ausgehen, dass es sich um eine intensive Belastung handelt, auch wenn keine Sauerstoffnot besteht.

 

Reise-Checkliste für Diabetiker
  • Gesundheitspass Diabetes aktualisieren
  • Stoffwechselqualität (HbA1c) und -stabilität diskutieren (Tagebuch)
  • Therapie besprechen, gegebenenfalls in Absprache mit dem Arzt anpassen; Blutzucker-Zielwerte für die Reise festlegen
  • Zeitverschiebung für die Medikamentenanwendung beachten
  • Besondere Aktivitäten geplant (Tauchen, Wüste, große Höhe)?
  • Insulin-Aufbewahrung besprechen
  • Fußprobleme klären
  • Auffrischungs- und Partnerschulung organisieren
  • Verschreibung klären: Insulin, Spritzen, Kanülen, orale Antidiabetika, Blutzucker- und Keton-Teststreifen, Lanzetten, HGT 20-800R (Hämo-Glukotest-Streifen), Glukagon, Reserverezepte, Antibiotikum, andere regelmäßig eingenommene Medikamente
  • Generika-Liste aushändigen
  • Zertifikat für Spritzen- und/oder Pumpengebrauch mitnehmen
  • Notfallausweis (mehrsprachig) besorgen
  • Letter of introduction für ausländischen Arzt
  • Auslandskranken- und Rückholversicherung abschließen
  • Patienten-Informationen aushändigen: Hypoglykämie, Ketoazidose, Fieber, Erbrechen, Kostaufbau bei Erbrechen und Durchfall
  • Ansprechpartner während der Reise notieren: Telefonnummern des heimatlichen Diabetesteams, Ärzte und Kliniken im Reiseland, Notfallnummern im Reiseland
  • Drei Sätze Landessprache aufschreiben und lernen: Ich habe Diabetes. Ich brauche Zucker. Ich brauche einen Arzt.

  

Eine längere intensive körperliche Belastung verschlechtert die Immunität. Nach der in Tierversuchen bestätigten «Open-window«-Theorie hält diese Phase, je nach Messmethode, drei bis 72 Stunden an (Abbildung 2). In dieser Zeit können Viren und Bakterien eindringen und das Risiko für klinische und subklinische Infektionen erhöhen. Wie erklärt man sich diesen Effekt?

 

Abbildung 2: Nach der Open-window-Theorie hält die Schwächung des Immunsystems drei bis 72 Stunden nach Trainingsende an. Somit ist die Infektionsgefahr unmittelbar nach körperlicher Belastung erhöht.
(Zum Vergrößern bitte in das Bild klicken.)

 

Unter körperlicher Betätigung nimmt die Konzentration an Catecholaminen und Cortisol zu. Dadurch sind weniger immunkompetente Zellen vorhanden. Die zelltoxische Aktivität der NK-Zellen, die Phagozytoseaktivität der Makrophagen in der nasalen Schleimhaut, die Antigenpräsentation und auch die Konzentration von IgA in Nasenschleimhaut und Speichel gehen stark zurück. Bei gleichzeitigem Flüssigkeitsverlust durch starkes Schwitzen nimmt auch die mukoziliäre Clearance ab. Bei mangelhafter Flüssigkeitszufuhr verschlechtern sich die Makro- und in der Folge die Mikrozirkulation. Die Atemwege werden nicht ausreichend befeuchtet, nicht ausreichend durchblutet und sind somit besonders infektanfällig.

Gezielt beraten in der Apotheke

Die Erfahrung zeigt es immer wieder: Apothekenkunden nehmen sich bei einer »normalen« Urlaubsreise selten die Zeit für eine ausführliche Beratung. Außerdem können viele oft nur ausdrücken, was nicht passieren soll. Daher erscheinen für die Reisekurzberatung in der Apotheke drei Fragen angebracht.

»Welche Art von Urlaub haben Sie geplant?«

Hier werden Informationen über Reiseort und -zeit, Dauer und Art der Reise erfragt. Spezielle Empfehlungen für den jeweiligen Reiseort kann der Apotheker der gängigen Literatur, dem Internet oder einem Computerprogramm entnehmen. Auch Impfstatus, Begleiterkrankungen, Dauermedikation und Allergien sollten angesprochen werden. Ist die Urlauberin schwanger, reist ein alter Mensch oder ein Säugling mit? Auch die Frage nach der Vollständigkeit des Autoverbandskastens darf nicht fehlen.

»Was ist früher schon einmal passiert, was sich auf keinen Fall wiederholen darf?«

Menschen sind auf Reisen häufig für die gleiche Art von Erkrankungen empfänglich. Manche leiden unter Reiseübelkeit, andere bekommen schon im Flugzeug eine Erkältung, die nächsten plagt eine Venenschwäche. Diese Frage bietet eine gute Möglichkeit, den Gesprächspartner für mögliche individuelle Beschwerden zu sensibilisieren, denen er jetzt noch vorbeugen kann.

»Worauf genau legen Sie Wert?« Damit erfährt der Berater, in welcher Interessenlage sich sein Kunde befindet und kann ihn im Gespräch sehr viel besser motivieren. Manchmal scheitert ein fachlich qualifiziertes Gespräch nicht an dem, was vermittelt wird, sondern wie es vermittelt wird. Manche Kunden bevorzugen bestimmte Marken, andere wollen das Produkt wieder bekommen, das sich schon einmal bewährt hat. Wieder andere legen besonderen Wert darauf, etwas ganz Besonderes oder Neues empfohlen zu bekommen.

Es hat sich eindeutig gezeigt, dass eine perfekt vorbereitete Beratung zu besser versorgten Kunden führt. Eine Reisekurzberatung kann auch ohne Software-Unterstützung strukturiert ablaufen. Praktischerweise bedeutet dies, eine »Basis-Reiseapotheke« bereitzuhalten. Damit kann man dem Kunden schnell und präzise Medikamente vorstellen, die präventiv oder therapeutisch gegen die Top-Drei der Reiseerkrankungen ­ Durchfall, Malaria und Atemwegserkrankungen ­ wirken. Diese Basisausstattung kann durch speziell auf den Kunden und sein Reiseziel abgestimmte Arzneimittel ergänzt werden.

Aufbau-Reiseapotheke

Ein chronisch kranker Mensch sollte alle Medikamente, die er üblicherweise einnimmt, in ausreichender Menge und auf Flugreisen im Handgepäck mitführen. Je nach Menge kann es sinnvoll sein, ein mehrsprachiges Attest mitzunehmen, aus dem hervorgeht, warum der Reisende diese Menge an Arzneimitteln benötigt. Darin sollten die Art der Erkrankung, die Namen der erforderlichen Medikamente (internationale Wirkstoffbezeichnung mit Dosisangaben), Notfallmaßnahmen sowie die Adresse des behandelnden Arztes mit Telefon- und Faxnummer verzeichnet sein. Die Reisevorbereitungen für chronisch Kranke, zum Beispiel Diabetiker, Transplantierte, Schwangere, Säuglinge und Hochbetagte sind komplex und sollten sorgfältig in Abhängigkeit vom Zielort bedacht und mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Schmerzpatienten, die mit Opioiden behandelt werden, müssen eine so genannte Schengenbescheinigung vorweisen, wenn sie an der Grenze kontrolliert werden (erhältlich beim BfArM unter www.bfarm.de/de/btm/form/schengener_3s.pdf).

Pauschale Empfehlungen für eine komplette Reiseapotheke chronisch kranker Menschen sind nicht möglich. Das Gleiche gilt für Reisende in Länder ohne medizinische Versorgung. Aber ­ und das ist eine starke Empfehlung: Die Basis-Reiseapotheke braucht jeder.

 

Literatur bei der Verfasserin

 

Die Autorin

Anna Laven studierte Pharmazie in Münster und erhielt 1990 die Approbation. Während ihrer Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke absolvierte sie die Regelweiterbildung Gesundheitserziehung und Ernährungsberatung der Apothekerkammer Nordrhein. Seit 2000 leitet sie als Geschäftsführerin die LavenSeminare GmbH. Kürzlich schloss sie die Weiterbildung Naturheilmittel und Homöopathie ab. Die Apotheker kennen Frau Laven als Referentin und Moderatorin bei Kongressen und Messen, in Weiterbildungsseminaren und Fortbildungsveranstaltungen, wobei ihr die Verknüpfung von medizinisch-pharmakologischem Fachwissen mit Kommunikationsaspekten und Praxisrelevanz ein besonderes Anliegen ist.

 

Anschrift der Verfasserin:
Anna Laven
LavenSeminare GmbH
Baumgartsweg 24
52076 Aachen
anna.laven@lavenseminare.de
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E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 24/2005

 

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