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Pioglitazon|Actos®|12|2000

NEUE ARZNEISTOFFE

 
Stoffgruppe12 Antidiabetika
WirkstoffPioglitazon
FertigarzneimittelActos®
Hersteller

Takeda Pharma

Markteinführung (D)11/2000
Darreichungsform

15 mg Tabletten

30 mg Tabletten

45 mg Tabletten

Indikationen

Actos ist zugelassen zur Zweit- oder Drittlinientherapie bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes. Als Monotherapie darf es eingesetzt werden bei erwachsenen Patienten, insbesondere bei Patienten mit Übergewicht, die durch Diät und Bewegung unzureichend eingestellt sind und die Metformin wegen Kontraindikationen oder Unverträglichkeit nicht anwenden dürfen.

 

Als orale Zweifach-Kombinationstherapie zusammen mit Metformin darf es eingesetzt werden bei erwachsenen Patienten, insbesondere bei Patienten mit Übergewicht, für die sich eine Metformin-Monotherapie als unzureichend erwiesen hat.

Als orale Zweifach-Kombinationstherapie zusammen mit einem Sulfonylharnstoff darf es nur bei erwachsenen Patienten anwendet werden, die Metformin wegen Kontraindikationen oder Unverträglichkeit nicht anwenden dürfen und bei denen die Monotherapie mit einem Sulfonylharnstoff nicht ausreicht.

 

Als orale Drei-Kombinationstherapie zusammen mit Metformin und einem Sulfonylharnstoff darf es eingesetzt werden bei erwachsenen Patienten, insbesondere bei Patienten mit Übergewicht, bei denen trotz Zweifach-Therapie keine zufriedenstellende Blutzuckereinstellung erreicht werden kann.

 

Außerdem darf Actos in Kombination mit Insulin bei Patienten mit Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, deren Blutzucker mit Insulin allein unzureichend eingestellt ist und die Metformin wegen Kontraindikationen oder Unverträglichkeit nicht anwenden dürfen.

Wirkmechanismus

Pioglitazon ist ein Insulinsensitizer. Es gehört wie Rosiglitazon zur Stoffklasse der Thiazolidindione. Ciglitazon, die Ursubstanz dieser Arzneistoffgruppe, entwickelten Grundlagenforscher bei Takeda bereits Anfang der 80er Jahre. Die einzelnen Glitazone unterscheiden sich in ihrer Wirkstärke, dem Metabolismus sowie Art und Ausmaß der Neben- und Wechselwirkungen.

 

Der Wirkmechanismus der Glitazone ist nicht restlos aufgeklärt. Sicher ist, dass die Substanzen als Agonisten an den in Zellkernen lokalisierten PPAR-Rezptoren (Peroxisome Proliferator activated Receptor) wirken. Dadurch wird die Transkription von Genen angekurbelt, die den Glucose- und Fettstoffwechsel beeinflussen.

 

Wissenschaftler konnten mit Zellversuchen und Tiermodellen zeigen, dass Pioglitazon an verschiedenen Stellen in die intrazelluläre Insulin-Signalkaskade eingreift und so einerseits den Glucose-Transport in die Muskel- und Fettzellen begünstigt und andererseits in Hepatozyten die Aufnahme und Verwertung des Zuckers steigert. Zudem werden wahrscheinlich verstärkt Präadipozyten zu Adipozyten differenziert. Dadurch gelangen mehr Lipide in die Fettzellen. Die Plasmalipidspiegel sinken.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Behandlung mit Pioglitazon kann mit 15 oder 30 mg begonnen und bei Bedarf stufenweise auf 45 mg einmal täglich erhöht werden. Die Tabletten können mit oder ohne Mahlzeit eingenommen werden.

 

Drei bis sechs Monate nach Beginn einer Therapie mit Pioglitazon sollte eine Therapiekontrolle erfolgen. Bei nicht ausreichendem Ansprechen sollte Pioglitazon absetzt werden.

 

Eine Anpassung der Dosierung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist nicht erforderlich. Dialysepflichtige Patienten dürfen mit Pioglitazon nicht behandelt werden, da es hierzu keine Daten gibt.

wichtige Wechselwirkungen

In-vitro-Studien ergaben keinerlei Hinweise auf eine Hemmung eines Subtyps von Cytochrom P450. Interaktionen auf diesem Wege werden nicht erwartet.

 

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Pioglitazon mit Gemfibrozil wurde eine deutliche Erhöhung der AUC von Pioglitazon beobachtet. Eine Reduzierung der Pioglitaon-Dosis kann erforderlich sein, um Nebenwirkungen durch Überdosierung zu vermeiden.

 

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Pioglitazon mit Rifampicin wurde eine deutliche Reduktion der AUC von Pioglitazon beobachtet. Eine Erhöhung der Dosis kann erforderlich sein, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

Nebenwirkungen

Als häufigste Nebenwirkungen traten in Studien zu Pioglitazon Stoffwechselstörungen sowie Gewichtszunahme und Veränderungen der roten Blutkörperchen auf. Daneben wurden sowohl in der Mono- als auch in den Kombinationstherapie häufig Infektionen der oberen Atemwege, Hypästhesien (Taubheitsgefühle der Haut) und Knochenbrüche beobachtet.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Pioglitazon ist kontraindiziert bei Patienten mit Herzinsuffizienz, Leberfunktionsstörungen und diabetischer Ketoazidose. Patienten mit Blasenkrebs (auch in der Vorgeschichte) und Patienten mit Makrohämaturie dürfen Pioglitazon ebenfalls nicht anwenden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Pioglitazon wurde in klinischen Studien als Monotherapie und in Kombination mit Sulfonylharnstoffen, Metformin oder Insulin untersucht. Prinzipiell senkte die Substanz in der Monotherapie dosisabhängig signifikant die HbA1c-Werte und Nüchtern-Blutzuckerspiegel. In Kombination mit den anderen Antidiabetika war der Blutzucker-senkende Effekt erwartungsgemäß stärker ausgeprägt.

 

Da unter Pioglitazon verstärkt Adipozyten ausdifferenzieren, müssen die Patienten mit einer Gewichtszunahme rechnen. Im Gegenzug sinken die Spiegel an freien Fettsäuren und Triglyceriden.

Hintergrundinfos

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Actos sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Actos ist verschreibungspflichtig.

Formeln



Pioglitazon

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

pioglitazon.wrl

Links

weitere Hinweise

In der Schwangerschaft und Stillzeit darf Pioglitazon nicht angewendet werden.

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Letzte Aktualisierung: 07.07.2017


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