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Pioglitazon|Actos®|12|2000

NEUE ARZNEISTOFFE

 
12 Antidiabetika


Pioglitazon (Actos® Tabletten ; Takeda Pharma)

 

 

Seit dem 1. November steht mit Pioglitazon in Deutschland der zweite Vertreter der Insulinsensitizer zur Verfügung. Die neue Substanz ist wie der erste Insulinsensitizer Rosiglitazon (Avandia® SmithKline Beecham) zugelassen zur Kombinationstherapie von Typ-2-Diabtikern, deren Blutzuckerspiegel sich trotz Monotherapie mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen nicht ausreichend kontrollieren lassen. Prinzipiell darf Pioglitazon nur entweder übergewichtigen Patienten zusammen mit Metformin gegeben werden oder gemeinsam mit einem Sulfonylharnstoff, falls der Betroffene Metformin nicht verträgt oder nicht einnehmen darf. Pioglitazon gehört wie Rosiglitazon zur Stoffklasse der Thiazolidindione. Ciglitazon, die Ursubstanz dieser Arzneistoffgruppe, entwickelten Grundlagenforscher bei Takeda bereits Anfang der 80er Jahre. Die einzelnen Glitazone unterscheiden sich nur in ihrer Wirkstärke, dem Metabolismus sowie Art und Ausmaß der Neben- und Wechselwirkungen. Bis heute ist der Wirkmechanismus der Glitazone nicht restlos aufgeklärt. Sicher ist, dass die Substanzen als Agonisten an den in Zellkernen lokalisierten PPAR-Rezptoren (Peroxisome Proliferator activated Receptor) vom Subtyp ? wirken. Dadurch wird die Transkription von Genen angekurbelt, die den Glukose- und Fettstoffwechsel beeinflusst.

 

Wissenschaftler konnten mit Zellversuchen und Tiermodellen zeigen, dass Pioglitazon an verschiedenen Stellen in die intrazelluläre Insulin-Signalkaskade eingreift und so einerseits den Glucose-Transport in die Muskel- und Fettzellen begünstigt und andererseits in Hepatozyten die Aufnahme und Verwertung des Zuckers steigert. Zudem werden wahrscheinlich verstärkt Präadipozyten zu Adipozyten differenziert. Dadurch gelangen mehr Lipide in die Fettzellen. Die Plasmalipidspiegel sinken. Pioglitazon wurde in klinischen Studien als Monotherapie und in Kombination mit Sulfonylharnstoffen, Metformin oder Insulin untersucht. Prinzipiell senkte die Substanz in der Monotherapie dosisabhängig signifikant die HbA1c-Werte und Nüchtern-Blutzuckerspiegel. In Kombination mit den anderen Antidiabetika war der Blutzucker senkende Effekt erwartungsgemäß stärker ausgeprägt.

 

Da unter Pioglitazon verstärkt Adipozyten ausdifferenzieren, müssen die Patienten mit einer Gewichtszunahme rechnen. Im Gegenzug sinken die Spiegel an freien Fettsäuren und Triglyceriden. Ob sich Pioglitazon auch langfristig günstig auf den Glucose- und Fettstoffwechsel auswirkt, konnte noch nicht belegt werden. Zudem gibt es bis dato keine Studien, die die Wirksamkeit von Pioglitazon in Verbindung mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff mit einer Kombitherapie bestehend aus Metformin und Sulfonylharnstoff vergleichen.

 

Pioglitazon wird nach peroraler Gabe rasch resorbiert und hauptsächlich in der Leber metabolisiert. In-vitro-Studien ergaben keinerlei Hinweise auf eine Hemmung eines Subtyps von Cytochrom P450. Interaktionen mit anderen Arzneistoffen wurden bislang nicht nachgewiesen. Als häufigste Nebenwirkungen traten in Studien Stoffwechselstörungen wie Gewichtszunahme und Veränderungen der roten Blutkörperchen auf. Wie Rosiglitazon sollten Diabetiker mit Herzinsuffizienz oder Leberfunktionsstörungen Pioglitazon nicht einnehmen.




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