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Omalizumab bei allergischem Asthma

PHARMAZIE

 
Neu auf dem Markt

Omalizumab bei allergischem Asthma

von Kerstin A. Gräfe, Köln

 

Seit Anfang November steht mit Omalizumab (Xolair®, Novartis Pharma) eine neuartige Therapieoption für Patienten mit schwerem allergischen persistierenden Asthma zur Verfügung.

 

Der Anti-IgE-Antikörper wird als Zusatztherapie zur verbesserten Asthmakontrolle bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren angewendet, die einen positiven Hauttest oder eine In-vitro-Reaktion auf ein ganzjährig auftretendes Aeroallergen zeigen und trotz täglicher Therapie mit hoch dosierten inhalativen Corticosteroiden und einem lang wirksamen Beta-2-Agonisten schwere Anfälle haben.

 

Der Arzneistoff wirkt, indem er selektiv an das Schlüsselmolekül der allergischen Reaktion, Immunglobulin E (IgE), bindet. Dadurch unterbricht er die Kettenreaktion bereits kurz nach dem Start, sodass die Allergie- und Asthmasymptome ausbleiben oder deutlich gemindert werden. Zudem reduziert Omalizumab die Aktivität und Anzahl der IgE-Rezeptoren auf der Oberfläche der Basophilen, sodass weniger freies IgE binden kann. Infolge werden weniger Entzündungsmediatoren wie Histamin und Leukotrienen freigesetzt.

 

Omalizumab wird alle zwei bis drei Wochen subkutan injiziert, wobei sich die Dosis am Körpergewicht und IgE-Serumspiegel des Patienten orientiert. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt 62 Prozent, maximale Serumkonzentrationen werden nach sieben bis acht Tagen erreicht. Da die Mastzellen bereits vor der Antikörpergabe mit IgE besetzt sind, setzt die klinische Wirkung nicht sofort ein. In der Regel lässt sich nach 16 Wochen eine Wirkung beobachten.

 

Die Zulassung beruht auf sechs Studien, in denen Omalizumab die Asthmaanfälle und den Bedarf an inhalativen Glucocorticoiden deutlich reduzierte. An der randomisierten placebokontrollierten INNOVATE-Studie (Investigation of Omalizumab in severe Asthma Treatment) nahmen 419 Patienten mit schwerem allergischen Asthma bronchiale teil, die trotz maximaler Behandlung eine eingeschränkte Lungenfunktion und häufige Exazerbationen aufwiesen. Verglichen mit Standardtherapie plus Placebo lag bei der Behandlung mit zusätzlich Omalizumab die Rate klinisch relevanter Anfälle, die eine Notaufnahme nötig machten, um signifikante 26 Prozent niedriger. Schwere Exazerbationen traten in der Omalizumab-Gruppe sogar nur halb so häufig auf. Zudem besserte sich die Lebensqualität der Betroffenen signifikant.

 

Eine Metaanalyse aus sieben Studien untermauert diese Resultate. Insgesamt ließ sich durch den Antikörper die Asthmaanfallsrate um 38 Prozent, die Anzahl der notfallmäßigen Behandlungen um 47 Prozent und die Rate an Krankenhauseinweisungen um 51 Prozent verringern. Der Erfolg war unabhängig von Alter oder Geschlecht, jedoch um so ausgeprägter, je schwerer das Asthma des Patienten war.

 

Die Therapie wurde in den klinischen Studien generell gut vertragen, unerwünschte Wirkungen traten in den mit Omalizumab behandelten und den Kontrollgruppen gleich häufig auf. Häufigste Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schwellungen, Rötungen und Juckreiz.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 48/2005

 

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