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Dem Knirschen auf der Spur

MEDIZIN

 
CMD

Dem Knirschen auf der Spur

von Christiane Berg, Hamburg

Der sich hinter dem Kürzel CMD verbergende Symptomenkomplex macht zahlreichen Menschen zu schaffen, ohne dass sie sich der Ursache ihrer Beschwerden bewusst sind. CMD steht für cranio-mandibuläre Dysfunktionen, also für die krankmachenden Auswirkungen von Fehlstellungen zwischen Schädel und Unterkiefer.

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Unter behandlungsbedürftigen CMD-Symptomen, die vom Knirschen der Zähne über Apnoe, Tinnitus und Schwindel bis hin zu Migräne, Schlafstörungen und Rückenschmerzen reichen, leiden 20 Prozent der Bevölkerung. Oft haben die Patienten eine Odyssee von Arzt zu Arzt in den verschiedensten Fachrichtungen hinter sich, sagte Professor Dr. Georg Meyer, Greifswald, bei der Eröffnung einer privaten CMD-Klinik in der Hansestadt. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde - DGZMK betonte, dass die Therapie der durch „falschen Biss“ hervorgerufenen Beschwerden Sache der Zahnmedizin ist. Doch seien sich viele Zahnärzte dieser Verantwortung nicht bewusst. Nicht nur das: „Ein großer Teil der Probleme ist durch Zahnmediziner mit verursacht. 70 Prozent aller Fehlstellungen sind iatrogen durch eine falsche zahnärztliche Behandlung induziert“, kritisierte er.

Erschreckende Zustände

Meyer warnte vor der „Schmalspur“, auf die sich die moderne Zahnmedizin begeben hat, indem sie sich vorrangig auf ästhetische und kosmetische Aspekte konzentriert. Bedauerlicherweise sei nicht allen Zahnärzten die Wechselbeziehung zwischen Kaufunktionsstörungen und neuromuskulärer Symptomatik bekannt. Die Arbeit mancher Kieferorthopäden nannte der DGZMK-Präsident „erschreckend“. Es sei fatal, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der Zahnmediziner zu einer professionellen Funktionsdiagnostik und -therapie in der Lage ist. Umso mehr, so Meyer, begrüße er die Eröffnung spezieller CMD-Praxen und die verstärkte Bekanntmachung des Krankheitsbildes nach amerikanischem Vorbild.

„Ein umfangreiches Patientengespräch und die computergestützte Anamnese bilden die Grundlage für eine zielgerichtete CMD-Diagnostik“, so Dr. Bodo S. von Gadomski, neben Dr. Jürgen Reitz Gründer der Hamburger Klinik, die sich die Behebung der beschriebenen Defizite und die Versorgung von CMD-Patienten nach wissenschaftlichem Standard zur Aufgabe gemacht hat. Kern der Behandlung sind speziell angefertigte Aufbissschienen zum Ausgleich des Fehlbisses, die auf Daten elektronischer Gelenkvermessung unter Einbezug der Statik des ganzen Körpers basieren. Eigene Untersuchungen von Gadomski und Reitz belegen, dass die Kieferstellung sowohl positiven als auch negativen Einfluss nicht nur auf die Kopf-, sondern auf die gesamte Körperhaltung hat.

Mangelnde Leistungen

Gadomski verwies auf weitere Studien, die zeigen, dass unter anderem Trigeminusneuralgien in bis zu 50 Prozent der Fälle auf falschen oder mangelnden Zahnersatz zurückzuführen sind. Auch wisse man heute, dass schon Abweichungen von wenigen Millimetern im Gebiss zu schmerzhaften Haltungsschäden infolge Beckenschiefstandes führen können. Der CMD-Kliniker hält die interdisziplinäre Zusammenarbeit von HNO-Ärzten, Neurologen, Orthopäden, Allgemein- und Zahnmedizinern für unumgänglich.

Falsche Zahnkronen und -brücken, misslungene Implantate, schlecht sitzende Prothesen: Gadomski hob hervor, dass die mit Kaufunktionsstörungen einhergehenden körperlichen Beschwerden gerade durch fehlerhafte Gebissrestaurationen im höheren Alter verursacht werden können, so dass sich die vorbeugende Konsultation eines Funktionsdiagnostikers und -therapeutens bei Planung der „dritten Zähne“ als sinnvoll erweisen kann. Top

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Beitrag erschienen in Ausgabe 37/2003

 

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