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Raucherentwöhnung in der Apotheke

TITEL

 

Tabakabhängigkeit

Raucherentwöhnung in der Apotheke

von Juliane Kresser, Starnberg

Der Slogan des diesjährigen Weltnichtrauchertages der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 31. Mai 2003 lautete: »Raucher werden immer jünger, Nichtraucher werden älter«. Wie und warum gerade Apotheker die verheerende Kaskade von Konsum, Tabakabhängigkeit, Gesundheitsfolgen und Gesundheitskosten unterbrechen können, zeigt das Konzept der »Schwerpunktapotheke Nikotinentwöhnung«.

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Apotheken sind für die meisten Menschen nach wie vor die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen, da sie wohnortnah, vertraut und auch ohne Terminvereinbarung jederzeit erreichbar sind. Gerade beim Thema Tabakabhängigkeit sind öffentliche Apotheken gefordert, dieses Potenzial zu nutzen und als Gesundheitsberater, aber auch Schnittstelle zwischen Patient und Gesundheitsinstitutionen zu fungieren. Der Bedarf ist groß.

Täglich 300 bis 400 Tote

Laut Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren sowie der WHO sterben allein in Deutschland jedes Jahr 110.000 bis 140.000 Menschen, sprich: 300 bis 400 Bundesbürger täglich an den Folgen des Rauchens. Weltweit sind es fünf Millionen Tote im Jahr, das heißt, alle zehn Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen des Nikotinkonsums. Diese tabakbedingten Todesfälle treten überwiegend zwischen dem 35. und 69. Lebensjahr auf. Ein Großteil der Personen, die zwischen dem 13. und 19. Lebensjahr mit dem Rauchen beginnt (90 Prozent aller Raucher) und das über zwei Jahrzehnte fortsetzt, stirbt 20 bis 25 Jahre früher als konsequente Nichtraucher. Das durchschnittliche Einstiegsalter ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken und liegt nun bei 13,5 Jahren, also deutlich unter der gesetzlich zugelassenen Altersgrenze für das Rauchen von 16 Jahren. Von den 20 Millionen Tabakkonsumenten in Deutschland rauchen 5,9 Millionen Frauen und 9 Millionen Männer stark bis regelmäßig. Den deutschen Krankenkassen entstehen durch das Rauchen und seine gesundheitlichen Folgen Kosten von 34 Milliarden Euro pro Jahr.

Der im Zigarettenrauch enthaltene Teer besteht aus 4000 Substanzen, von denen 400 giftig und 40 krebsauslösend sind. Das Institut für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung (INR), Erfurt, nennt eine lange Reihe von Raucherschäden. So erhöht sich das Lungenkrebsrisiko schon beim Konsum von einer bis 14 Zigaretten täglich auf das 8fache und ab 25 Zigaretten pro Tag auf das 25fache. Der Qualm in Mund und Speiseröhre führt vermehrt zu Mundhöhlen-, Speiseröhren-, Rachen- und Kehlkopfkrebs; gerade bei Pfeifenrauchern häufen sich Lippen- und Zungenkarzinome. Als Folge der Schwächung des Immunsystems treten vermehrt auch Bauchspeicheldrüsenkrebs, Gebärmutterkarzinome und Hautkrebs auf. Es kommt darüber hinaus gehäuft zu Magengeschwüren, Psoriasis, Allergien, Asthma, Atemwegsinfekten, Husten und Bronchitis, Osteoporose, Fruchtbarkeitsproblemen, Fehlgeburten und Fehlbildungen des Fötus, aber auch zu Karies und Grauem Star. Übermäßiger Nikotinkonsum kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Arteriosklerose führen. Der Teer der Zigaretten sammelt sich zudem in Zähnen, Fingern und Nägeln und ruft dort die für Raucher typische Gelbfärbung hervor. Starker Tabakkonsum gefährdet nicht nur die Gesundheit des Rauchers, sondern auch die der nicht rauchenden Familienmitglieder oder Kollegen. Passivraucher neigen schneller zu Atemwegsinfektionen, Asthma, Karies und Allergien. Auch ihr Krebsrisiko ist erhöht.

Deutlich wird, dass es mehr bedarf als der üblichen Basisversorgung in der Apotheke, um dem Thema Nikotinentwöhnung gerecht zu werden. Es gilt, den Patienten nicht nur zu gewinnen und zu halten (1), sondern auch professionell zu führen. Dazu müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein.

Teamarbeit

Die Apotheke sollte die ihr vom Gesetzgeber zugedachte Rolle als letzte Einfluss- und Kontrollinstanz der Gesundheitsversorgung sowie Stütze der Gesundheitsaufklärung und Prophylaxe als Verpflichtung, aber auch als Herausforderung ansehen. Die Einstellung des Apothekenleiters entscheidet über die Motivation seiner Mitarbeiter, in der Nikotinentwöhnung verstärkt tätig zu werden. Dazu zählt auch, dass gerade Apothekenmitarbeiter, die selbst rauchen, entsprechend auf diese Aufgabe vorbereitet werden.

Dem Apothekenteam wird eine gewisse Offenheit, Lernbereitschaft, Sensibilität und psychische Belastbarkeit abverlangt, denn auch die Begleitung bei einer Nikotinentwöhnung durchläuft schwierige Phasen. Durch regelmäßige Fortbildung, Gesprächsschulung und gegebenenfalls auch Teilnahme an der Arbeit von Selbsthilfegruppen beziehungsweise durch die Inanspruchnahme psychologischer Begleittherapien bereiten sich der Apothekenleiter und sein Team optimal auf diesen speziellen Patientenkreis vor. Bundesweit werden zum Beispiel von Tabakabhängigkeits- beziehungsweise Nikotintherapiezentren, aber auch von Apotheker- und Ärztekammern regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen und Schulungen angeboten, über die sich zum Teil auch entsprechende Zertifikate erlangen lassen.

Erforderlich für die erfolgreiche Arbeit in der Nikotinentwöhnung sind exzellente Kenntnisse über

  • Nikotin und seine Wirkung im Körper und hier in erster Linie an den choliner-gen Rezeptoren (Nikotinrezeptoren) der Ganglien im peripheren und zentralen Nervensystem,
  • die sich durch den Nikotinkonsum ergebenden gesundheitsgefährdenden Folgen,
  • die durch Nikotin hervorgerufene Steigerung der Cytochrom P 450 1A2-Isoenzym-Aktivität und die damit verbundene Zunahme der Wechselwirkungen mit Arzneimitteln,
  • die medikamentösen und alternativen Therapiemöglichkeiten sowie über Charakter und Applikationsart der auf dem Markt befindlichen Präparate,
  • die Prinzipien der Entzugstherapiebegleitung sowie über den Umgang mit kritischen Therapiephasen, Therapieabbruch, Rückfall und Rückfallprophylaxe.

Das Erlernen spezieller Gesprächstechniken kann dem Apothekenteam Sicherheit im Umgang mit Nikotinpatienten geben. Derart geschult beherrscht das Apothekenpersonal professionell die drei wesentlichen Grundsituationen. Fall 1: Prophylaxe, unverbindliche Aufklärung und Information, zum Beispiel von Schülern, Eltern, jungen Frauen. Fall 2: Intervention bei erkannten Rauchern durch »Motivational Interviewing« (1) zur Erhöhung der Änderungsbereitschaft des Patienten und Steigerung seines Problembewusstseins. Fall 3: Betreuung von Therapieentschlossenen unter Nutzung von Compliancestrategien (fortlaufende Kommunikation, Vereinbarung von Wiedervorstellungsterminen, Thematisierung der Lebensgewohnheiten, Feedback zur Steigerung des Selbstbewusstseins des Patienten).

Ob Zigarette, Zigarre, Zigarillo oder Pfeife: Unterschieden werden unter anderem Gelegenheits-, Genuss-, Stress- und Gewohnheitsraucher. Gelegenheitsraucher können ihren Nikotinkonsum relativ leicht beenden. Genuss- und Gewohnheitsraucher haben Rauchrituale und Angewohnheiten, denen in der Betreuung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Bei Stressrauchern ist die Wahl des richtigen Zeitpunktes zur Beendigung des Tabakkonsums besonders wichtig. Die meisten Raucher haben, wenn sie in die Apotheke kommen, bereits Gesundheitsprobleme (Husten, Bronchitis, KHK), die Anlass sind, mit oder ohne ein ärztliches Rezept »vorstellig« zu werden und die sie als »Zielgruppe« kenntlich machen. Zu dieser Zielgruppe zählen auch Schwangere und Stillende sowie Frauen über 35 Jahre, die Kontrazeptiva einnehmen, beziehungsweise Hypertoniker und Jugendliche gerade aus »high risk families« (2, 3), bei denen ersichtlich ist, dass sie rauchen. Charakteristische Hinweise kann das äußere Erscheinungsbild (Geruch, Zähne, Haut, Gelbfärbung der Finger, übermäßige Ungeduld und Nervosität) geben. Der Apotheker darf dem Kunden durchaus kund tun, dass und woran er ihn als Raucher erkannt hat, um ihm durch gezieltes Fragen den Weg zur etwaigen Nikotinentwöhnung aufweisen zu können.

Der Grad der Nikotinabhängigkeit lässt sich mittels Kohlenmonoxid-Messung über die Atemluft zur Bestimmung der CO-Konzentration im Blut in ppm (parts per million) beziehungsweise mittels Fagerström-Test ermitteln und visualisieren. Während für die CO-Bestimmung spezielle Messgeräte wie zum Beispiel der Nicotinell-Smokelizer® zur Verfügung stehen, setzt sich der Fagerström-Test for Nicotine Dependance (FTND) (4) zur Ermittlung des Schweregrads der Abhängigkeit auch bei der Eingangsanamnese aus sechs Fragen zusammen, denen gemäß ihrer jeweiligen Antwort eine bestimmte Punktzahl zugeordnet wird (siehe Tabelle).

 

Fagerström-Test for Nicotine Dependance (FTND)

Fragen Antworten Punkte Wie schnell nach dem Aufwachen rauchen Sie Ihre erste Zigarette? innerhalb von 5 Minuten 3 innerhalb von 6 bis 30 Minuten 2 innerhalb von 31 bis 60 Minuten 1 nach 60 Minuten 0 Finden Sie es schwierig, bei Verbot auf Rauchen zu verzichten? Ja 1 Nein 0 Auf welche Zigarette können Sie besonders schwer verzichten? Die erste Zigarette am Morgen 1 Jede andere Zigarette 0 Wie viele Zigaretten rauchen Sie am Tag? 0 bis 10 0 11 bis 20 1 21 bis 30 2 31 und mehr 3 Rauchen Sie in den ersten Stunden nach dem Aufstehen mehr Zigaretten als am Rest des Tages? Ja 1 Nein 0 Rauchen Sie auch, wenn Sie krank sind und das Bett hüten müssen? Ja 1 Nein 0   Gesamtpunktzahl:  

Grad der Abhängigkeit gemäß Gesamtpunktzahl:
Stufe 1: gering = 1 bis 2 Punkte, Zigaretten: 5 bis 10/Tag, CO: 10 bis 15 ppm
Stufe 2: mäßig = 3 bis 4 Punkte, Zigaretten: weniger als 15/Tag, CO: 10 bis 20 ppm
Stufe 3: stark = 5 bis 6 Punkte, Zigaretten: 15 bis 25/Tag, CO: 15 bis 35 ppm
Stufe 4: sehr stark = ab 7 Punkten, Zigaretten: mehr als 25/Tag, CO: 30 bis 45 ppm

 

Konstruktives Feedback

Das richtige Vorgehen und die Kommunikation zwischen Patient und Apotheker sind erfolgsentscheidend für die Therapie. Ständige Fortbildung, Lernbereitschaft und konstruktives Feedback unter den Apothekenmitarbeitern sind dazu unerlässlich. Aus Zeit- und Kostengründen ist es zu empfehlen, Teilverantwortungen zu vergeben, die dann im Teamgespräch wieder zusammengeführt werden. Durch die funktionierende interne Kommunikation werden Arbeitsabläufe koordiniert und verbessert. In schwierigen Situationen kann die spezialisierte Apotheke auch extern mit fachspezifischen Supervisoren Rücksprache halten oder sie zu Beratungsterminen mit Patienten in die Apotheke zu bitten. Supervision ist die übergeordnete Reflektion und Bewertung durch psychologisch speziell geschulte Fachleute. Supervisoren werden von Kammern, Suchtberatungsstellen und Therapieeinrichtungen vermittelt.

Auch die Qualitätssicherung mit Hilfe computergestützter Datenpflege ist wesentlicher Bestandteil der professionellen Nikotinentwöhnung. Nikotinentwöhnung und -prophylaxe werden sowohl unter technischen als auch unter zeitlichen Aspekten optimiert (5). Die Pflege und Auswertung der Patientendateien ist Sache derer, die auch in der individuellen Beratung und Betreuung der Patienten tätig sind. Zur Erstellung einer Patientendatei bedarf es aus datenschutzrechtlichen Gründen des schriftlichen und freiwilligen Einverständnisses des Kunden. Der Apotheker muss diesen über Nutzen und Möglichkeiten einer Patientendatei und Kundenkarte aufklären. Bereits bei der Anamnese sind neben der Zahl der täglichen Zigaretten, neben Alter und Geschlecht, neben dem aktuellen Gesundheitszustand sowie relevanten Gewohn- und Besonderheiten des Patienten die Therapiewahl sowie die Ergebnisse des entsprechenden Kontraindikations- und Interaktionschecks festzuhalten. Bei allen wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Wiedervorstellungsterminen ist der Therapieverlauf nicht zuletzt auch mit Hilfe des Fagerström-Tests zu überprüfen und der Erfolg sowie die etwaige Verbesserung des Gesundheitszustandes zu dokumentieren. Die Patientendatei fungiert quasi als »Frühwarnsystem«, sie dient aber auch der Qualitätskontrolle, indem sich zum Beispiel registrieren lässt, ob alle Wiedervorstellungstermine eingehalten wurden.

Der Computer ermöglicht nicht nur die Datenpflege, sondern auch die Vorstellung der Schwerpunktapotheke »Nikotinentwöhnung« auf einer eigenen Apotheken-Website. Diese Website gibt Informationen über Leistungen und Angebote der Apotheke, Sonderaktionen, Kooperationspartner, Beratungszeiten. Last but not least ermöglicht sie die Kommunikation mit dem Patienten, zum Beispiel über einen »Fragepostkasten«.

Wie die Prüfung und Pflege des Warenlagers erfährt auch die Organisation von Raucher-Entwöhnungsaktionen auf diese Weise wertvolle Unterstützung. Um es jedoch noch einmal zu betonen: Von vorrangiger Bedeutung bei allen Tätigkeiten in der Schwerpunktapotheke »Nikotinentwöhnung« ist immer die interne Kommunikation.

Unterstützung durch Literatur

Der Patient und Kunde lässt sich auf vielfache Weise erreichen. So erhalten Interessierte in einer auf Nikotinentwöhnung spezialisierten Schwerpunktapotheke nicht zuletzt auch Handzettel und Faltblätter, zum Beispiel das der WHO mit Tipps zur Raucherentwöhnung (siehe Kasten), sowie Merkblätter, Broschüren, Adresslisten von Therapieeinrichtungen und Listen mit Raucherberatungstelefonnummern beziehungsweise weiterführenden Internetadressen oder weiterführender Literatur (siehe unten). In speziellen Beratungsecken der Apotheke werden themenbezogene Fernsehsendungen oder Veranstaltungen von Selbsthilfegruppen, Volkshochschulen, Kammern oder Suchtzentralen angekündigt. Es versteht sich von selbst, dass eine Schwerpunktapotheke auch über eine eigene spezialisierte Handbibliothek für den Patienten zum Nachschlagen oder Vertiefen erworbener Kenntnisse verfügt beziehungsweise entsprechende Literatur zum Verkauf anbietet.

 

WHO: 10 Tipps zur Raucherentwöhnung Alles kann man lernen – auch Nichtrauchen

Wichtig! Machen Sie sich Ihre persönlichen Beweggründe für den Rauchstopp bewusst und halten Sie diese fest, bevor Sie mit dem Rauchen aufhören. Dann sollten Sie

  1. das Datum für den Rauchstopp festlegen;
  2. Familie, Freunden und Kollegen sagen, dass Sie aufhören wollen und diese um Unterstützung bitten;
  3. den Arzt oder Apotheker nach medikamentösen Hilfen fragen;
  4. positiv denken. Jeder Tag ohne Zigarette ist ein Erfolg;
  5. keine Angst vor einer etwaigen Gewichtszunahme haben und dennoch bewusst und vorrangig Obst, Gemüse und Salat essen;
  6. viel Trinken ( Wasser, verdünnte Säfte);
  7. Sport treiben;
  8. Orte, an denen geraucht wird, meiden und Alternativen zu Rauchritualen finden;
  9. auch nicht »ausnahmsweise mal nur eine« Zigarette rauchen. Es besteht Rückfallgefahr;
  10. sich selbst für den Erfolg belohnen, indem Sie sich zum Beispiel Extrawünsche erfüllen oder durch das ersparte Geld eine Urlaubsreise finanzieren.

Halten Sie sich stets vor Augen: Auch bei einem Rückfall gibt es eine neue Chance.

 

Bei der Information und Beratung entwöhnungswilliger Raucherinnen und Raucher kommt es darauf an, gänzlich ohne moralischen Druck zu arbeiten. Den Betroffenen muss jederzeit das Gefühl der freien Entscheidung und Selbstbestimmung bleiben. Idealerweise ist jeder Beratungsplatz mit einem Computer ausgestattet. Auch das Apothekenschaufenster informiert über das Angebot »Nikotinentwöhnung« sowie über die mit dem Rauchen verbundenen gesundheitlichen Probleme. Die plakative Umsetzung der Zusammenhänge von Ursachen und Folgen des Rauchens beziehungsweise bewusst emotional aufrüttelnde Poster und Plakate haben schon manchen Raucher und manche Raucherin zum Aufhören veranlasst.

 

Raucher-Beratungstelefone (02 28) 98 72 70; Bundesvereinigung für Gesundheit e.V., Heilsbachstraße 30, 53123 Bonn

(03 61) 6 45 08 16; Institut für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung, Johannesstraße 85, 99084 Erfurt

(0 62 21) 42 42 00; Deutsches Krebsforschungszentrum, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg

(02 21) 89 20 31; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Postfach 91 01 52, 51071 Köln

Abenteuer »Nicht Rauchen« – Hilfe über das Internet

www.arzneimittelscout.de: Hinweise des BAH – Bundesverband der Arzneimittelhersteller, Bonn, zur Raucherentwöhnung

www.gesundheit.de: Unter den Stichworten »Gesund leben«, »Prävention« und »Krebsvorsorge« finden sich Informationen zum »Abenteuer Nicht Rauchen«, zur Schlusspunktmethode und zum Nikotinersatz. Spezialtipp: Rauchertagebuch

www.rauchen.de: Aufklärung und Information über die Gifte im Tabak, Krankheiten, Schwangerschaft, Kosten, Passivrauchen, Entwöhnung und vieles mehr

www.bips.uni-bremen.de/rauchen: Hier gibt es detaillierte Fakten zu den Gefahren für das ungeborene Kind beim Rauchen in der Schwangerschaft

Leben ohne Zigaretten
Weiterführende Literatur (zu beziehen über den Govi-Verlag)

Endlich Nichtraucher; Carr, A., Goldmann Verlag, München 2001, ISBN:3-442-16381-1, 20 Euro

Der Weg aus dem Qualm; Gaudefroy, N., Logophon Verlag, Mainz-Bretzenheim 2000, ISBN: 3922514-03-0, 15,30 Euro

Tabakabhängigkeit - Überblick über die gesundheitlichen Auswirkungen des Tabakkonsums; Haustein, K. O., Deutscher Ärzte Verlag, Köln 2001, ISBN: 3-7691-0390-4, 39,95 Euro

Emotionales Nichtrauchertraining; 2 CDs, Herzog, D., Nymphenburger Verlag, München 2003, ISBN 3-485-09906-0

Kippen – Leben ohne Zigaretten; Wüsthof, A. Böning, V., Urban und Fischer Verlag, München 2003, ISBN:3-437-47460-X, 14,95 Euro

 

Schaufenstergestaltung

Bei der Gestaltung des Schaufensters empfiehlt es sich, Fakten zu liefern. Dazu zählt die Information über die Tatsachen:

  • Viele der 20 Millionen Raucher in Deutschland versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören, jedoch davon ohne professionelle Unterstützung nur weniger als 10 Prozent ihr Ziel erreichen. Informieren Sie die Kunden und Patienten, dass durch intensive fachliche Beratung und Begleitung sowie Nikotinsubstitutionstherapie die Chance, die Raucherkarriere dauerhaft zu beenden, auf das drei- bis vierfache steigt.
  • Raucher werden immer jünger. Informieren Sie, dass Rauchen die Hemmschwelle zum Konsum von Alkohol oder Drogen mindert und dass das Rauchverhalten durch Einflüsse wie Cliquenzwang, Schule, Werbung, Mode (»Rauchen ist cool«), Konsumsitten (die Zigarette nach dem Essen), Heredität (Raucher in der Familie), Reizüberflutung, Stress, Frustration, Überforderung, schwache Ich-Funktion und Kontaktstörungen geprägt und gefördert wird (3).
  • Aufhören lohnt sich, da die damit einhergehenden Gefahren für die eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer abnehmen. Einfach und somit plakativ deutlich zu machen ist, dass bereits 20 Minuten nach Rauchstopp der Puls sinkt und die Durchblutung verbessert wird, nach acht Stunden mehr Sauerstoff im Blut verfügbar ist, nach 24 Stunden das Risiko eines Herzinfarktes zurückgeht, nach 48 Stunden Geschmacks- und Geruchssinn wieder einwandfrei funktionieren, nach ein bis neun Monaten das Immunsystem gestärkt, nach einem Jahr das Risiko für Herzkranzgefäßverengungen um 50 Prozent, nach fünf Jahren das Krebsrisiko um 50 Prozent vermindert ist. Erläutern Sie dem Patienten, dass sein Herzinfarktrisiko nunmehr dem eines Nichtrauchers entspricht.
  • Nicht nur die Gesundheit sondern auch das Wohlbefinden werden gestärkt, sprich: die Zähne werden weißer, die Haut schöner, der Alterungsprozess langsamer, der Atem reiner, die Infektanfälligkeit geringer, das Selbstvertrauen besser und der Geldbeutel dicker wird.

Bereits das Schaufenster sollte über

  • rezeptfreie und -pflichtige Nikotinersatztherapiemöglichkeiten mit Pflaster, Kaugummi, Nasenspray und/oder Lutschtablette informieren;
  • Hinweise zu unterstützenden und alternativen Therapien, zum Beispiel im Rahmen der Homöopathie und der Phytotherapie, geben;
  • Suggestivtherapien (4) wie autogenes Training, Hypnose, Akupunktur, Akupressur oder Verhaltenstherapie nennen.

Schwerpunktaktionen (Jugend- und Elternberatung, Beratung von Schulklassen, Telefonaktionen) können je nach Raumverhältnissen in der Apotheke selbst, aber auch extern stattfinden. Sie sollten jedoch immer circa einen Monat vorher nicht nur im Gespräch oder über Faltblätter, sondern auch im Schaufenster angekündigt werden. Etwaige Sponsoren (Referentenhonorare, Raumgebühren, Werbekosten) und Mitveranstalter wie pharmazeutische Unternehmen, Verbände, Kammern, Kliniken, Raucher- und Suchtzentren, Selbsthilfegruppen, Schulen und Elterninitiativen sollten bereits ein halbes Jahr vorher angesprochen werden.

Die Arbeit einer Schwerpunktapotheke »Nikotinentwöhnung« lässt sich durch entsprechende Vernetzung noch effizienter gestalten. Dabei zählen zu den unbedingten Ansprechpartnern die Bundesvereinigung für Gesundheit e. V. in Bonn, die nationale und internationale Projekte wie »Rauchfrei am Arbeitsplatz« und den jährlichen »Weltnichtrauchertag« der WHO am 31. Mai unterstützt, sowie das Institut für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung in Erfurt, das alle zwei bis drei Wochen Diskussionsrunden und Vorträge zum Thema »Rauchen«, aber auch Crash-Kurse und Zertifikatsfortbildungen für Ärzte und Apotheker anbietet (Adressen siehe Kasten "Raucher-Beratungstelefone"). Vernetzung verbindet, verbündet und stärkt.

Das Warenlager

Ob Pflaster (zum Beispiel Nicotinell®, Nicorette®, NiQuitin®, Nikrofrenon®) oder Kaugummi (zum Beispiel Nicorette®, Nicotinell®): Das Warenlager beinhaltet alle apothekenpflichtigen Nikotinersatzpräparate sowie eine Auswahl an Alternativmedikamenten aus dem Bereich der Homöopathie und der Phytotherapie in stets ausreichender, der Patientenzahl angemessener Menge. Unter Berücksichtigung der Lebensgewohnheiten, des Rauchertyps und der Lebenssituationen der Patienten wählt der Apotheker die individuelle Nikotinersatztherapie in passender Darreichungsform, Dosierung und Stärke. Detailliert informiert er den Patienten, die Patientin über Anwendungszeiten und Anwendungsdauer und gibt dabei einfache, eindeutige Therapieanweisungen unter Vermeidung von Überforderung. Er regt den Patienten zur Selbstüberwachung an und stärkt damit sein Selbstbewusstsein.

Nikotin-Depotpflaster bieten sich vor allem bei regelmäßigen Rauchern an, wobei man unterscheidet zwischen starken Rauchern mit mehr als 20 Zigaretten, mittelstarken Rauchern mit bis zu 20 Zigaretten und so genannten Ultraleichtrauchern mit weniger als 10 Zigaretten pro Tag. Der Patient, die Patientin muss nicht nur über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Applikationsformen, sondern auch über die Möglichkeit des Auftretens etwaiger Nebenwirkungen, die von Angstzuständen bis hin zu Geschmacksanomalien zum Beispiel bei Kaugummis reichen können, informiert werden.

Bei starken Rauchern deckt das Pflaster allein oftmals den Nikotinbedarf nicht ab. Das anfallsartige Verlangen nach einer Zigarette wird daher zusätzlich häufig durch Kombination mit schnell anflutenden und flexibel dosierbaren Kaugummis behandelt. Das Kaugummi hat sich zudem besonders in der Rückfallprophylaxe bewährt. Für stark rauchende Gebissträger empfiehlt es sich, dazu auf rezeptpflichtige Lutschtabletten und/oder Nasenspray zurückzugreifen.

Stets ist in der Nikotinersatztherapie gerade bei starken Rauchern die Konsultation eines Arztes anzuraten, der ergänzend zur Substitutionstherapie oftmals auch mit Bupropion (Zyban®) ein in der Raucher-Entwöhnung genutztes Antidepressivum verschreibt. Arzneimittel wie Kontrazeptiva, Insuline, Theophyllin, Coffein, Tacrin, Fluvoxamin, Pentazocin, Heparin, Propranolol, Benzodiazepine, Neuroleptika, tricyclische Antidepressiva und Vitamin C, die auf Grund von Interaktionen mit Nikotin veränderte Bioverfügbarkeiten oder Halbwertszeiten zeigen, sind zur Erleichterung der Beratungsgespräche mit einem »Cave Nikotin«-Symbol zu kennzeichnen.

Wegweisendes Konzept

Schwerpunktapotheken sind in fachlicher und marktwirtschaftlicher Hinsicht ein wegweisendes Konzept der Zukunft, da sie sich gleichermaßen den Problemen der Kunden und des Patienten sowie denen des Gesundheitssystems stellen. Das Rauchen und seine gesundheitlichen Folgen belasten unsere Gesellschaft und die Krankenkassen zunehmend. Die Schwerpunktapotheke »Nikotinentwöhnung« trägt durch Spezialisierung und Rationalisierung maßgeblich zur Suchtprävention, Aufklärung, Therapiebegleitung und somit auch Kostenminimierung bei.

 

Literatur

  1. Framm, J., Schaefer, M., Patientenbetreuung in der Apotheke, interne Publikation der Humboldt-Universität, limitierte Auflage für Mitglieder des Arbeitskreises Pharmakoepidemiologie/Sozialpharmazie von Professor Dr. Marion Schäfer, Humboldt-Universität, Berlin 1995.
  2. Agarwal, D., et. al., Abhängigkeit und Sucht, Springer Verlag, Berlin 1987, 54 - 63
  3. Knapp, R., Ursachen und Merkmale der Entstehung von Sucht, Fachverband Praktische Sozialarbeit (Hrsg.), Heidelberg 1989
  4. Solutio, Handbuch der Deutschen Apotheker, Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart 2002
  5. Kresser, J., Analyse und Klassifizierung arzneimittelbezogener Probleme als Beitrag der Apotheker zur Reduzierung arzneimittelbedingter Morbidität und Mortalität, Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2000

 

Die Autorin

Juliane Kresser studierte Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Nach ihrer Approbation wurde sie 1994 Mitglied der Arbeitsgruppe Pharmakoepidemiologie/Sozialpharmazie von Professor Dr. Marion Schaefer, Humboldt-Universität, ebenfalls Berlin. In Zusammenarbeit mit Professor Dr. Nikolas Tüller, Bern, Schweiz, widmete sich Kresser von 1994 bis 1996 der Arbeit an und mit Methadon- und Dehydrocodein-Patienten zur Erkundung der Möglichkeiten der Betreuung und Kontrolle dieser Patienten in Apotheken in der Schweiz und in Deutschland. Im Jahr 2000 wurde Kresser mit der Dissertation »Analyse und Klassifizierung arzneimittelbezoger Probleme als Beitrag der Apotheker zur Reduzierung arzneimittelbedingter Morbidität und Mortalität« an der Humboldt-Universität, Berlin, promoviert. Die Pharmazeutin ist seit 1999 Mitglied der FIP-Administrative Pharmacists Section. Gleichermaßen arbeitet sie seit 2000 in Starnberg als Offizinapothekerin.

 

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Juliane Kresser
 Josef-Fischhaber-Straße 1E
82319 Starnberg
Kresser@t-online.de

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E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 28/2003

 

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