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Baldrian versus Benzo

PHARMAZIE

 

Baldrian versus Benzo

von Kerstin A. Gräfe, Frankfurt am Main

Zwar stellen Schlafstörungen keine vitale Bedrohung dar, können aber zu massiven psychischen und physischen Beeinträchtigungen führen. Die Insomnie (Ein- und Durchschlafstörung) ist mit sechs Prozent die häufigste Schlafstörung. Benzodiazepine gelten neben Antidepressiva und Neuroleptika bei kurzfristiger Anwendung als Mittel der Wahl. Ihre nahezu unkritische Beliebtheit hat diese Substanzgruppe jedoch inzwischen eingebüßt, da unerwünschte Wirkungen der Daueranwendung in den Blickpunkt gerückt sind.

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So unterdrücken Benzodiazepine die REM-Phasen (Rapid Eye Movements), was die Hauptursache für einen mangelnden Erholungseffekt trotz ausreichender Schlafdauer ist. Die Unterdrückung der REM-Phasen ist außerdem für verstärkte Schlafstörungen nach Absetzen des Mittels verantwortlich, dem so genannten REM-Rebound. Der erneute Griff zum Präparat löst häufig den Circulus vitiosus der Benzodiazepin-Abhängigkeit aus. Im neu erschienenen „Jahrbuch Sucht 2003“ wird die Zahl der Benzodiazepin-Abhängigen in der Bundesrepublik mit 1,2 Millionen angegeben. Von einem unkritischen Einsatz dieser Substanzgruppe, die bei akuten Angst- und Spannungszuständen wertvolle Dienste leistet, ist daher bei chronischen Schlafstörungen abzuraten.

Wieder normales Schlafprofil

Bei leichten Ein- und Durchschlafstörungen stellen pflanzliche Schlafmittel, in erster Linie Baldrian und Hopfenpräparate, auf Grund des günstigeren Nebenwirkungsprofils die vorrangige Behandlung dar. „Wir konnten zeigen, dass eine Baldrian-Hopfen Kombination sogar eine Normalisierung des Schlafverhaltens von Patienten bewirkt, deren Schlafarchitektur stark beeinträchtigt war“, sagte Dr. Natalie Ullrich von der Forschungsabteilung Abtei auf einem von dem Unternehmen und der Forschergruppe Klostermedizin unterstützten Veranstaltung.

In einer geriatrischen Klinik wurde eine Beobachtungsstudie über die Schlafqualität nach Einnahme des Baldrian-Hopfen-Extraktes Ze 91019 (Alluna®) durchgeführt. 140 überwiegend mit koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall oder hüftgelenksnahen Frakturen neu aufgenommene Patienten wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bildeten Patienten, die nie zuvor Hypnotika eingenommen hatten. Gruppe zwei und drei waren Patienten, die zuvor Benzodiazepine eingenommen hatten, aber zu einem Auslassversuch und zur Substitution mit dem Extrakt bereit waren. Dabei wurde zwischen Kurz- (Einnahme nur über wenige Tage) und Langzeitanwendern (Einnahme über 3 Monate bis 20 Jahre) unterschieden.

Jeweils zu Behandlungsbeginn und nach zwei beziehungsweise vier Wochen wurden die Hypnogramme aufgezeichnet. Während sich das EEG-Spektrum bei Patienten, die nie Benzodiazepine genommen hatten, wenig veränderte, zeigten die Hypnogramme der Kurz- und Langzeitanwender eine deutliche Normalisierung des Schlafprofils. Bei dem Auslassversuch traten keine ernsthaften Entzugserscheinungen auf. Top

© 2003 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 27/2003

 

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