Govi-Verlag
Mylan dura

NEUE ARZNEISTOFFE

86 Zytostatika


Dexrazoxan, Savene® Pulver (TopoTarget A/S)

 

Bereits seit den 1990er-Jahren wird Dexrazoxan bei Krebspatienten zur Vorbeugung und Minderung der kardiotoxischen Effekte von Anthrazyklinen eingesetzt. Seit Oktober 2006 ist der Wirkstoff für die Behandlung einer Extravasation durch Anthrazykline EU-weit zugelassen. Das Orphan drug wird nur an krankenhausversorgende Apotheken abgegeben.

 

Von einer Extravasation (Paravasation) spricht man, wenn ein Zytostatikum, das normalerweise in die Vene injiziert wird, aus dem Blutgefäß austritt oder versehentlich in das Gewebe gespritzt wird. Dies ist besonders gefährlich bei Anthrazyklinen, die schwere Gewebeschäden mit Geschwüren und Nekrosen verursachen können. Da sich Nekrosen über längere Zeit hinweg weiter ausbreiten, muss man geschädigtes Gewebe radikal chirurgisch entfernen.

 

In zwei offenen Studien mit insgesamt 80 Patienten, bei denen eine Extravasation mit Anthrazyklinen (bei 56 Prozent Epirubicin) aufgetreten war, verhinderte die Dexrazoxan-Infusion die Ausbildung einer Nekrose, verringerte Folgekrankheiten und ermöglichte meistens eine Fortsetzung der Krebsbehandlung. Nahezu kein Patient musste sich operieren lassen. Dazu wird Dexrazoxan an drei Tagen intravenös infundiert (nicht an der betroffenen Extremität). Die erste Infusion mit 1000 mg/m² Körperoberfläche muss innerhalb der ersten sechs Stunden nach dem Vorfall beginnen. Die gleiche Menge wird am zweiten Tag und die halbe Dosis am dritten Tag gegeben.

 

Wie Dexrazoxan die Nekrosen verhindert, ist nicht völlig geklärt, obwohl zwei Wirkmechanismen der Substanz bereits bekannt sind. So binden vor allem die nach intrazellulärer Hydrolyse ringoffenen Metaboliten Eisen und reduzieren damit die Eisen-abhängige oxidative Belastung durch freie Radikale. Zudem wirkt der Arzneistoff antineoplastisch, da er die Topoisomerase II hemmt. In welchem Ausmaß diese Mechanismen zum Schutz des Gewebes beitragen, ist allerdings nicht bekannt.

 

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen und Infektionen an der Injektionsstelle. Aufgrund einer Knochenmarksuppression kann es zu Neutro- und Thrombozytopenie kommen; außerdem können die Leberwerte steigen. Frauen sollen während der Behandlung zuverlässig verhüten und Männer bis zu drei Monate danach keine Kinder zeugen.


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