86 Zytostatika

 Sunitinib, Sutent® Hartkapseln (Pfizer)

Rund einen Monat nach Sorafenib ist mit Sunitinib ein weiterer Multi-Kinase-Inhibitor auf den Markt gekommen. Auch er ist zur Behandlung des fortgeschrittenen oder metastasierten Nierenzellkarzinoms zugelassen, wenn eine Interferon-α- oder Interleukin-2-Therapie versagt hat. Anders als sein Konkurrent wird Sunitinib zudem in der Therapie nicht resezierbarer und/oder metastatisch maligner gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) eingesetzt, sofern eine Imatinib-Therapie nicht vertragen wurde oder Resistenzen aufgetreten sind.
In der Regel nehmen die Patienten vier Wochen lang einmal täglich 50 mg Sunitinib ein, worauf eine zweiwöchige Therapiepause folgt (4/2-Schema). Je nach Verträglichkeit und der individuellen Si-cherheit kann die Dosis in 12,5-mg-Schritten variiert werden (mögliche Dosierung: 37,5 bis 87,5 mg täglich). Dies kann auch bei gleichzeitiger Gabe stark wirksamer CYP3A4-Induktoren oder –Hemmern notwendig sein, da Sunitinib über dieses Cytochrom-Isoenzym metabolisiert wird. Die Patienten können den Arzneistoff mit oder ohne Nahrung einnehmen.
Wie Sorafenib blockiert Sunitinib mehrere Tyrosinkinasen, wodurch sich zwei wesentliche Wirkmechanismen ergeben: Zum einen verhindert es die nötige Blutversorgung des Tumors, indem es die Rezeptoren für VEGF (vascular endothe-lial growth factor) und PDGF (platelet derived growth factor) an Endothelzellen und Perizyten der Blutgefäße hemmt. Diese Wachstumsfaktoren können nun die für den Tumor essenzielle vermehrte Angiogenese nicht mehr anregen. Zum anderen bringt Sunitinib das Tumorwachstum zum Erliegen, da es auch PDGF- und KIT-Rezeptoren im Tumor selbst blockiert. So unterdrückt es eine Signalkaskade, die zur verstärkten Zellteilung im Tumor führt.
Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Sunitinib wurde in Studien zwar untersucht, zum Zeitpunkt der Zulassung lagen aber noch nicht alle Ergebnisse zu den gewählten Endpunkten vor. Die europäische Arzneimittelagentur hatte den Arzneistoff unter besonderen Bedingungen zugelassen und wird neue Informationen jährlich neu bewerten. Grund für dieses Vorgehen waren die guten Behandlungsergebnisse. So konnte Sunitinib in einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie mit GIST-Patienten die Anzahl der Todesfälle in den ersten fünf Jahren nahezu halbieren, weshalb die Studie vorzeitig entblindet wurde. Zuvor erhielten 312 Patienten, die Imatinib nicht vertrugen oder eine Progression aufwiesen, im Verhältnis 2:1 entweder 50 mg Sunitinib oder Placebo im 4/2-Schema. Unter Verum war die mittlere Zeit bis zur Progression mit 28,9 Wochen signifikant länger als unter Placebo (5,1 Wochen). Das Gesamtüberleben betrug 86 Prozent im Sunitinib-Arm gegenüber 75 Prozent im Placebo-Arm.
Zum Einsatz bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom liefen bislang zwei open-label Phase-II-Studien, in denen insgesamt 168 Patienten den Wirkstoff im 4/2-Schema erhielten, nachdem eine Zytokin-basierte Immuntherapie versagt oder schwere Nebenwirkungen verursacht hatte. Primärer Endpunkt war jeweils das objektive Ansprechen, das sich aus kompletter und partieller Remission zu-sammensetzt. Diese Zielmarke erreichten in der ersten Studie 40 Prozent von 63 Patienten, in der zweiten 34 Prozent von 105 Studienteilnehmern. Die mittlere Zeit bis zur Progression betrug 8,7 beziehungsweise 8,3 Monate. Das mittlere Gesamtüberleben wurde noch nicht erreicht.
Als unerwünschte Arzneimittelwirkungen trat bei jedem zweiten Patienten eine Fatigue auf, jeder dritte litt an Diarrhö. Neben anderen gastrointestinalen Beschwerden kam es häufig auch zu Fuß-Hand-Syndrom. Zudem sollten Patienten darauf hingewiesen werden, dass sich die Haut gelblich verfärben kann und eine Depigmentierung der Haare möglich ist. Als seltene schwere Nebenwirkungen gelten eine schwere Hypertonie oder eine Thrombozytopenie mit erhöhter Blutungsneigung (häufig: Nasenbluten). 
|
 |
|