51 Immunmodulatoren

 Natalizumab, TysabriTM Infusion (Biogen Idec)

Natalizumab hat die Zulassung zur Monotherapie der hochaktiven schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose (MS) erhalten. Dabei ist der Arzneistoff indiziert bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität trotz Behandlung mit einem Interferon beta oder bei Patienten mit rasch fortschreitender schubförmig remittierend verlaufender MS.
Der Hersteller musste das Präparat 2005 in den USA vom Markt nehmen, nachdem zwei Patienten an einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) erkrankten und starben. Die PML ist eine schwerwiegende Entmarkungskrankheit des zentralen Nervensystems. Die Infektion wird durch das JC-Virus (JCV) ausgelöst. Es tritt vorwiegend bei immungeschwächten Patienten auf. In der Folgezeit hatte der Hersteller mehr als 3000 Patienten untersucht, und versichert, dass es keinen weiteren Fall einer Infektion oder PML-Erkrankung gegeben hatte. Auf Basis dieser Daten ist Tysabri nach den USA jetzt auch in der EU seit Mitte August 2006 zugelassen.
Natalizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der gegen Oberflächen-Rezeptoren auf Leukozyten (Integrine) gerichtet ist. Mit Hilfe der Integrine können die Zellen an Adhäsionsmoleküle auf den Endothelien der Gefäßwand „andocken“. Erst dadurch können die Entzündungszellen die Gefäßwand beziehungsweise die Blut-Hirn-Schranke durchwandern und in das Parenchym des Gehirns eindringen. Dort schädigen sie dann die Myelinschicht der Axone. Es kommt zu den typischen Läsionen der MS und dem Untergang der Axone.
Der selektive Adhäsionsmolekül-Inhibitor Natalizumab bindet spezifisch an das a4b1-Integrin und verhindert dadurch die Interaktion zwischen Adhäsionsmolekülen auf Entzündungszellen und Rezeptoren auf den Endothelzellen der Gefäßwand. Durch die Blockade wird die bei MS im Gehirn vorhandene Entzündungsaktivität reduziert und die weitere Rekrutierung von Immunzellen in ent-zündliches Gewebe gehemmt.
Natalizumab 300 mg wird einmal pro Monat als intravenöse Infusion verabreicht. Eine direkte Umstellung von Interferon beta oder Galtirameracetat ist in der Regel problemlos möglich. Wegen der Gefahr einer PML darf der Arzneistoff keinesfalls mit anderen Immunsuppressiva kombiniert werden.
Die Zulassung wurde auf Basis der 2-Jahres-Daten aus den klinischen Phase-III-Studien erteilt. In der randomisierten, doppelblinden placebokontrollierten AFFIRM-Studie wurden Patienten mit schubförmig remittierender MS Sklerose untersucht, die mindestens einen klinischen Schub während des Jahres vor Aufnahme in die Studie hatten. 627 Patienten erhielten einmal pro Monat 300 mg Natalizumab, 315 Placebo. Neurologische Untersuchungen wurden alle 12 Wochen und bei Verdacht auf einen Schub durchgeführt. In der Verum-Gruppe hatten nach zwei Jahren 67 Prozent keinen weiteren Schub erlitten, in der Placebogruppe waren dies 41 Prozent. In der SENTINEL-Studie wurden 1171 Patienten wöchentlich mit 30 µg Interferon beta 1a behandelt. Davon erhielten 589 Probanden zusätzlich 300 mg Natalizumab, 582 bekamen Placebo. In der Kombinationsgruppe erlitten 54 Prozent keinen weiteren Schub, während dies in der Placebogruppe 32 Prozent waren.
Häufige Nebenwirkungen waren Harnwegsinfektionen, Nasopharyngitis (Nasen-Rachen-Raum-Entzündung), Urtikaria, Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Übelkeit, Gelenkschmerzen, Rigor, Fieber und Abgeschlagenheit. Infusionsbedingte Reaktionen traten bei 23,1 Prozent der mit Natalizumab behandelten MS-Patienten auf (Placebo 18,7 Prozent). 
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