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Haut im Alter: Den Spuren der Zeit begegnen

TITEL

 
Haut im Alter

Den Spuren der Zeit begegnen

Von Gudrun Heyn

 

Untrügerisch lässt sich an der Haut, besonders im Gesicht eines Menschen, das Alter ablesen. Mit den Jahren ersetzen Runzeln, Falten und unliebsame Flecken die pfirsichglatte Haut der Jugend. Auch die Abwehrfähigkeit des Organs lässt deutlich nach.

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Eine gute Pflege und die Prophylaxe von Lichtschäden können bestimmte Alterungsprozesse hinauszögern und in ihrer Intensität mildern. Zudem hilft eine Vielzahl von Pflegeprodukten, mit den sichtbaren Begleiterscheinungen des Älterwerdens fertig zu werden.

 

Während sich Babys im Mutterleib nach einem genetisch programmierten Plan entwickeln, sind Alterungsvorgänge beim Menschen nicht vorhersagbar (1). Nur bis zu 30 Prozent der individuellen Lebenserwartung soll von den Genen abhängen. Die Hautalterung selbst soll sogar nur zu 10 Prozent natürlich bedingt sein (2). Entsprechend unterschiedlich machen sich auch die Spuren des Älterwerdens bemerkbar.

 

Die reife Haut präsentiert sich dünner und trockener als die jugendliche. Ihre Elastizität schwindet und die mimischen Fähigkeiten der Gesichtszüge nehmen ab. Dafür werden immer mehr Falten sichtbar. Mediziner sprechen von der senilen Atrophie der Haut. Ebenfalls typisch sind das Nachlassen des Hautturgors und die Abnahme der Talg- und Schweißsekretion. Zudem sinken die Sensibilität der Altershaut gegenüber Umweltreizen sowie ihre Fähigkeit zur Wundheilung. Ist das Hautrelief besonders grob, bezeichnet man dies als aktinische oder solare Elastose. Davon sind vor allem die lichtexponierten Areale von Gesicht und Nacken betroffen. Typisch ist zudem das Auftreten einer unregelmäßigen, fleckigen Pigmentierung, die man als Altersflecken kennt (Lentigo senilis, Lentigo solaris).

 

UV-Licht fördert das Altern

 

Niedrigschwellige Entzündungsprozesse, bei denen noch keine Krankheitszeichen auftreten, zählen heute zu den wichtigsten Ursachen und Motoren für Alterungsvorgänge (1). So kann mithilfe von Genchips nachgewiesen werden, dass im Alter die Aktivität derjenigen Gene zunimmt, die in Entzündungsprozesse involviert sind. Einen erheblichen Einfluss haben Umweltreize wie ultraviolettes Licht und Noxen wie Zigarettenrauch und Alkohol, die die Entstehung freier Radikale (ROS) in Gewebe und Zellen fördern. ROS oxidieren Proteine, Zucker und Lipide. In der Folge kommt es zu DNA-Schäden, Enzyminaktivierung und Membranschäden. Auch die für die Immunabwehr wichtigen Langerhans-Zellen in der Epidermis können in Mitleidenschaft gezogen werden.

 

Außerdem beeinflusst UV-Strahlung direkt die Abläufe in den Zellen. Sie kann sowohl die Synthese von Kollagen unterdrücken als auch den enzymatischen Abbau von Kollagen induzieren. Insbesondere bei chronischen Sonnenanbetern, Freizeitsportlern und im Freien arbeitenden Menschen schwindet das Depot an Bindegewebsfasern dadurch deutlich.

 

Bei der extern bedingten, extrinsischen Hautalterung kommt es vorzeitig zur Bildung tiefer Falten, Erschlaffung des Gewebes und fleckiger Pigmentierung. Bereits 45 Prozent der 41- bis 50-Jährigen und 62 Prozent der 51- bis 60-Jährigen sind davon betroffen (3). Da vor allem UV-Licht die Vorgänge des Alterns beschleunigt, wird die extrinsische Hautalterung häufig auch als Photoaging bezeichnet.

 

Zu den intrinsischen Motoren der Alterung zählen Veränderungen der DNA, des Hormonspiegels und der spezifischen Immunabwehr. Durch den steten Verlust von Telomerasesequenzen während des Zellteilungszyklus verlieren Zellen im Lauf des Lebens immer mehr die Fähigkeit, sich zu erneuern. Auswirkungen hat dieser als Hayflick-Phänomen bekannte Prozess beispielsweise auf die Fibroblasten der Haut. In Kulturen kann nachgewiesen werden, dass die für die Kollagenproduktion wichtigen Zellen nur eine begrenzte Lebensspanne haben.

 

Auch die Hormonproduktion lässt mit zunehmendem Alter nach. So sinkt der Testosteronspiegel bei Männern ab dem 40. Lebensjahr langsam und stetig. Dies macht sich aber erst relativ spät durch trockene Haut bemerkbar. Im Gegensatz dazu fallen die Hormonspiegel bei Frauen im Klimakterium relativ rasch ab. Vier von fünf Frauen zwischen 51 und 60 Jahren zeigen deutliche Anzeichen einer hormonellen Alterung (3). Vor allem in den ersten fünf postmenopausalen Jahren reduziert sich der Kollagengehalt der weiblichen Haut um bis zu 30 Prozent. Die zunehmende Trockenheit durch die geringere Hyaluronsäureproduktion ist schon wenige Wochen nach der Menopause sichtbar. In den folgenden Monaten erschlafft die Haut, verliert an Festigkeit und klarer Kontur.

 

Altersbedingt verändert sich auch das Immunsystem. Durch die Alterung von Knochenmark und Organen wie dem Thymus werden beispielsweise viel weniger naive T-Lymphozyten gebildet und Effektor- und Gedächtnis-T-Zellen produziert. Viele ältere Menschen haben daher Probleme, wenn sie mit bisher unbekannten Antigenen konfrontiert werden. Aber auch die Schönheit leidet unter der sinkenden Immunkompetenz. Beispielsweise treten bei Patienten unter Immunsuppression vermehrt Zeichen der aktinischen Elastose auf (4).

 

Physiologische Veränderungen

 

Ein dünner Hydrolipidfilm (Säureschutzmantel) und dachziegelartig angeordnete Hornzellen (Hornzellschicht) bilden die äußere Barriere der intakten Haut. Als weitgehend undurchlässiges Hindernis schützt diese sowohl vor eindringenden Noxen als auch vor der unkontrollierten Abgabe von gespeichertem Wasser.

 

In der unteren Basalzellschicht sorgen Keratinozyten ständig für Nachschub, um die verhornten abgestorbenen Zellen an der Oberfläche der Epidermis zu ersetzen. Außerdem liefern die Keratinozyten zwei Drittel der Lipide für den Hydrolipidfilm nach. So kann die epitheliale Barriere auch nach einem intensiven Bad oder einer auslaugenden Reinigung ihre Funktion recht schnell wieder aufnehmen.

 

Am Aufbau der epidermalen Hydrolipidschicht sind zudem die Talg- und Schweißdrüsen der Haut beteiligt. Wenn deren Aktivität zurückgeht und die Zell- und Lipidproduktion der Keratinozyten nachlässt, verliert die epidermale Schutzschicht nach und nach ihre Barrierefunktion. Die Hornschicht wird zu einem lockeren unstrukturierten Verband und der Fettgehalt (Triglyceride, Wachsester und Squalene in der Hydrolipidschicht; Ceramide, freie Fettsäuren und Cholesterol in den Zellzwischenräumen der Hornschicht) reicht nicht mehr aus, um das Speichervermögen für Wasser aufrechtzuerhalten. Die Haut sieht nicht nur trockener und rissiger aus, sondern spannt, juckt und reagiert sehr viel intensiver auf chemische und physikalische Noxen.

 

Für die Pigmentierung sind die Melanozyten in der Basalzellschicht der Epidermis zuständig. Sie produzieren die wichtigsten UV-absorbierenden Substanzen der Haut, die Melanine. Unter UV-Strahlung oxidiert das Melanin-Pigment: Es kommt zur Bräunung. Gleichzeitig werden die Pigmentzellen dazu angeregt, sich zu vermehren. Besonders bei älterer Haut und dauernder Exposition geschieht dies jedoch nicht gleichmäßig. Altersflecken an lichtexponierten Stellen, zum Beispiel an den Händen oder im Gesicht, sind die Folge.

 

Auch in der darunter liegenden Dermis wirkt sich das Altern deutlich aus. Die gerüstartig miteinander vernetzten Bindegewebszellen (Fibroblasten) und vor allem die extrazelluläre Matrix mit ihren kräftigen verfilzten Kollagenfaserbündeln geben der Haut Halt und Elastizität. Dazu tragen auch Elastin und Hyaluronsäure in der extrazellulären Matrix bei. So wirkt beispielsweise die Hyaluronsäure mit ihrem starken Wasserbindevermögen als spannkrafterhaltendes Pufferkissen. Mit den Jahren schwindet der Kollagengehalt der Haut. So sinkt die Syntheseaktivität der Fibroblasten für Procollagen Typ I um 60 Prozent (5). Doch es wird nicht nur weniger Kollagen produziert, auch das vorhandene wird stärker abgebaut.

 

Die Dermis zeigt jetzt häufiger Fehlstellen und eine unregelmäßigere Struktur. Auch die verzahnenden Papillen an der Grenzfläche zur Epidermis gehen zurück. In der Folge verliert die Haut immer mehr an mechanischer Stabilität.

 

Sonnenschutz ist Hautschutz

 

Bis zu 80 Prozent der Hautalterung gehen auf ultraviolettes Licht zurück. Mit einem guten UV-Schutz kann man diesem Prozess, aber auch einem Hautkrebs vorbeugen. »Jede hochwertige Tageskosmetik sollte einen nennenswerten Schutz sowohl gegen UV-A als auch gegen UV-B mit Lichtschutzfilter 12 bis 15 enthalten«, sagte Dr. Alexandra Ogilvie von der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen bei einem Workshop (1).

 

Während die UVB-Strahlung nicht so tief eindringt und überwiegend für eine anhaltende Pigmentierung, Sonnenbrände und Tumore verantwortlich ist, erreicht UVA auch tiefere Schichten der Haut. Dort kumulieren die Schäden. Chronische Lichtexposition macht sich daher mit vermehrter Faltenbildung und vorzeitiger Hautalterung sowie im schlimmsten Fall mit aktinischer Keratose und Tumoren bemerkbar.

 

Eine hohe Schutzleistung haben Sonnenschutzmittel, bei denen chemische und physikalische UV-Filter miteinander kombiniert sind (8). Bei Monopräparaten sollten physikalische Lichtfilter, zum Beispiel mikrosomales Titandioxid oder Zinkoxid, chemischen Filtersubstanzen vorgezogen werden, da sie ein breiteres Wirkspektrum im UV-A- und UV-B-Bereich abdecken (4).

 

Einen natürlichen Lichtschutz erzeugen, in begrenztem Ausmaß, Antioxidantien in Nahrungsmitteln. Effektiv sind die Vitamine A, E und C, Carotinoide und ungesättigte Fettsäuren. Auch topisch sind die Vitamine wirksam. So schützt beispielsweise Vitamin C vor Altersflecken, indem es die enzymatische Bildung von Melanin bremst.

 

Zu den in klinischen Studien am besten untersuchten Substanzen gehört Tretinoin (Vitamin-A-Säure). Das sogenannte Anti-sunshine-Vitamin hemmt die UV-induzierte Synthese kollagenabbauender Enzyme und regt zudem die Produktion von Kollagen an. Damit kann Tretinoin sowohl die Folgen von UV-Strahlung minimieren als auch bestehende Lichtschäden bessern (6). Als verschreibungspflichtiger Wirkstoff darf es allerdings seit Jahren nicht mehr in kosmetischen Mitteln eingesetzt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch für Vitamin A (Retinol) eine ähnlich günstige Wirkung. Dagegen wirkt Betacarotin bei Hautgesunden nur in oraler Form photoprotektiv (9). Jedoch kann kein Vitamin in der Nahrung oder in Pflegeprodukten die topische Anwendung von Präparaten mit Sonnenschutzfilter ersetzen.

 

Immunschwächung mit Folgen

 

Während sich die Haut mit zunehmendem Alter physiologischerweise verändert, werden auch medizinisch relevante Hauterkrankungen häufiger. Zudem schwächt UV-Licht selbst die Immunabwehr. Insbesondere infektiöse Erkrankungen wie Erysipel (Wundrose), Tinea pedum, Candida-Intertrigo und Herpes zoster treten vermehrt als Zeichen der nachlassenden Immunkompetenz auf. So steigt beispielsweise die Inzidenz für Herpes zoster von 3/1000 Menschen in den ersten vier Lebensjahrzehnten auf 10/1000 Menschen bei den über 80-Jährigen an (6).

 

Das Varizella-Zoster-Virus kann sich jahrzehntelang in den sensorischen Ganglien eines Menschen nach einer primären Infektion verbergen, um bei nachlassendem Immunstatus wieder mit der Replikation zu beginnen. Entlang der sensorischen Nerven wandert es in die Haut und verursacht dort die charakteristischen schmerzhaften Bläschen. Zur oralen Behandlung des Herpes zoster stehen Aciclovir, Valaciclovir, Penciclovir, Famciclovir, Brivudin und Foscarnet zur Verfügung (7). Dabei sind Valaciclovir und Famciclovir weltweit die favorisierten Arzneistoffe zur oralen Therapie des unkomplizierten Zoster. Sie sind einfacher zu applizieren als Aciclovir und haben eine bessere Pharmakokinetik und Bioverfügbarkeit. In ihrer Wirkung sind die über sieben Tage zu applizierenden Substanzen vergleichbar. Dagegen ist Brivudin aufgrund seiner größeren antiviralen Potenz der Aciclovirtherapie überlegen.

 

Beim Erysipel dringen Erreger über kleine Wunden in die Haut ein. Meist sind es Streptokokken der Gruppe A, die die flächenhafte Entzündung hervorrufen. Innerhalb von Stunden kommt es zu brennenden, flammend roten und geschwollenen Gesichtszügen. Aber auch andere Hautpartien, etwa die Unterschenkel, können betroffen sein. Typisch sind hohes Fieber und die scharfe Begrenzung des Erythems.

 

Die klassische Therapie des Erysipels besteht aus der systemischen, dreimal täglichen Gabe von Penicillin G intravenös über zehn Tage. Bettruhe ist angesagt. Um eine drohende Sepsis oder einen Befall des Zentralnervensystems sofort zu erfassen, überwacht man zudem Temperatur, Haut und Kreislauf. Multimorbide Patienten sollten aufgrund der erhöhten Komplikationsrate stationär behandelt werden. Wenn eine Penicillinallergie vorliegt, sind Clindamycin oder Makrolide wie Erythromycin und Clarithromycin Mittel der Wahl.

 

Sorgsam reinigen und nachpflegen

 

Die Haut muss täglich von Verschmutzung, Hautschüppchen, Schweiß, Talg und Make-up befreit werden. Besonders gut eignen sich neutrale bis leicht saure Syndets für die Reinigung reifer Haut. Im Gegensatz zu Seifen greifen die waschaktiven Substanzen den Säureschutzmantel der Haut nicht an und fällen keine Kalkseifen aus. Allerdings wird die Haut stärker entfettet, sodass immer eine Nachpflege notwendig ist (10). Auch sollten ältere Personen beim Waschen die Wassertemperatur so kühl wie möglich wählen und langen Wasserkontakt vermeiden, damit der Haut keine Feuchthaltesubstanzen (NMF, natural moisturizing factors) entzogen werden.

 

Zu den in der Hydrolipidschicht und den Zellzwischenräumen der Hornschicht natürlich vorhandenen NMF gehören Harnstoff (Urea), Kohlenhydrate, Ionen und Salze organischer Säuren. Sie binden transepidermal abgegebenes Wasser und Schweiß und halten den Wassergehalt der äußeren Hautschicht auf 10 bis 20 Prozent. Umso wichtiger ist es daher, durch Trinken für den Wassernachschub von innen zu sorgen und so ein Austrocknen der Haut zu verhindern. »Schon allein dadurch können die Spannkraft und Elastizität der Haut optisch erhöht werden«, sagt Ogilvie (1).

 

Die Versorgung mit Feuchtigkeit von außen ist sehr viel schwieriger. So erzielt man beispielsweise mit topisch aufgetragener Hyaluronsäure keinen lang anhaltenden Speichereffekt. Gut wirken dagegen lipidhaltige Pflegeprodukte, da sie der Haut helfen, Feuchtigkeit besser zu halten.

 

Alle Kosmetika werden am besten in kleinen Mengen mit leichtem Druck und kreisenden Bewegungen auf die Haut gebracht. Einmal in der Woche sollten die Wirkstoffe in Form einer Maske angewendet werden, rät die Dermatologin. Die längere Einwirkzeit fördert die Penetration in die Haut und erzielt ein sichtbar besseres Ergebnis. Noch aufnahmefähiger wird die Haut, wenn man sie vor der pflegenden Maske nicht nur reinigt, sondern auch die Poren mithilfe von Dampf öffnet. Hierzu reicht bereits ein in heißem Wasser getränktes Frotteetuch oder ein Vollbad.

 

Gegen Fältchen und Falten

 

Schon ab 30 entwickeln sich die ersten Fältchen. Um sie abzumildern, braucht die Haut vor allem Feuchtigkeit. Dazu eignen sich Pflegeprodukte, die Feuchthaltesubstanzen oder feuchtigkeitsspendende Komponenten enthalten wie Glycerin, Propylenglycol, Harnstoff, Aloe vera, Alge und Gurke. Liposomen und Ceramide in nanodispersen Systemen und Nanoemulsionen sollen die Feuchtigkeit tief in die Haut einschleusen können.

 

Vorsicht ist dagegen bei hoch mineralöl- und silikonhaltigen Präparaten, zum Beispiel mit Vaseline oder Melkfett, geboten. Bei längerer Anwendung lassen sie nur noch einen äußerst niedrigen transepidermalen Wasserverlust zu (11). Die Haut gewöhnt sich an die Hilfe und reguliert die DNA-Synthese und andere Aktivitäten nach unten. So wird Trockenheit programmiert.

 

Spätestens mit Beginn des Klimakteriums sollten Frauen gezielt auf Pflegeprodukte zurückgreifen, die ihren Hautzustand aufrechterhalten und Falten positiv beeinflussen. Zu den Substanzen mit erwiesener Wirkung gehören die Vitamine A, C und E, Betacarotin, Coenzym Q, Liponsäure und Polyphenole (1). Sie regen den Zellstoffwechsel, die Zellneubildung und Kollagenproduktion an und bremsen den alters- und UV-bedingten Kollagen- und Elastinabbau.

 

Besonders effektiv sind Phytohormone, die im Gegensatz zu Estrogen und Progesteron in Kosmetika eingesetzt werden dürfen. Unter Phytohormonen versteht man Substanzen pflanzlicher Herkunft wie Isoflavone, Cumestane und Lignane, die zum Beispiel in Soja und Sojaprodukten, Grüntee und Ginseng zu finden sind (12). Mit ihrer Polyphenol-Struktur haben beispielsweise Isoflavone eine ähnliche Raumerfüllung wie Estrogene und können daher an die Estradiol-Rezeptoren der Haut binden. Ihre hautverschönernde Wirkung soll bereits nach acht Wochen sichtbar werden.

 

Für die Augenpartie gibt es spezielle Antifaltencremes mit einer Extraportion Feuchtigkeit und Fett. Sie ergänzen das normale Pflegeprogramm, denn die Haut ist in diesem Bereich äußerst dünn und enthält nur wenige Talgdrüsen. Daher treten Fältchen dort als Erstes auf und auch ein Defizit im Wasserhaushalt macht sich optisch sofort bemerkbar. Vorsicht: Nicht jede Hautcreme ist für den Augenbereich geeignet. Produkte mit kriechenden Ölen, die das Spreiten von Emulsionen verbessern (Beispiel Isopropylmyristat), sind nicht empfehlenswert. Wenig geeignet sind auch hautneutrale Gesichtspflegeprodukte (zu sauer) und Zubereitungen mit ätherischen Ölen oder Konservierungsstoffen, da sie die empfindliche Augenschleimhaut reizen können.

 

Bei milden aktinischen Fältchen und Hyperpigmentierung kann ein oberflächliches Peeling helfen. In der ärztlichen Praxis werden dazu am häufigsten Alpha-Hydroxysäuren (Alphahydroxyacids, AHA) wie Glykol-, Milch-, Zitronen- oder Apfelsäure eingesetzt. Je höher die Säurekonzentration, desto stärker die Wirkung. Man kann damit sowohl die Epidermis als auch die obere Dermis schälen. Peelings mit tieferer Wirkung führen zu einer Neuausrichtung von kollagenen und elastischen Fasern. Aufgrund ihrer potenziell hautschädigenden Wirkung gehören sie unbedingt in fachkundige Hände.

 

Doch auch für den Eigengebrauch gibt es Produkte, die AHA in geringer Konzentration enthalten. Leichtes Peeling entfernt alte Hautschüppchen, beschleunigt die Zellteilung und regt die Durchblutung an. Die Haut wird glatter und feinporiger. Mechanisches Peeling mit Rubbelpartikeln wirkt wie feines Schmirgelpapier. Zu bevorzugen sind Produkte, die aus synthetischen abgerundeten Kügelchen bestehen und Jojoba, Wachs oder Polyethylen enthalten. Dies verringert die Gefahr, dass die Haut durch kleine Schnitte verletzt wird, wie es bei zerstoßenen Aprikosenkernen oder Sand passieren kann.

 

Peelingprodukte sollte man nicht zu oft anwenden, denn die Haut wird dadurch gereizt, trockener und anfälliger für Entzündungen. Trockene und empfindliche Haut sollte nur alle vier Wochen behandelt werden. Bei grobporiger Mischhaut ist alle zwei, bei feinporiger Mischhaut alle drei Wochen ein Peeling sinnvoll.

 

Während Kosmetika bei weniger ausgeprägten Falten angesagt sind, gelten bei extremeren Hautbildern Unterspritzungen etwa mit Hyaluronsäure, Kollagen oder Botox sowie chirurgische Eingriffe, zum Beispiel mit dem Laser, als Mittel der Wahl. Doch die Kosmetikindustrie hat auch dieser Domäne der Dermatologen den Kampf angesagt. So gibt es bereits Produkte, die über das Glucosid Saponin die körpereigene Hyaluronsäureproduktion in der Dermis stimulieren sollen. 

 

Ein anderer Ansatz ist, die verkrampfte Haut über dem auslösenden Muskel zu entspannen. Mit der Wirkstoffkombination Adenosin und Magnesium soll beispielsweise die Kontraktion der Fibroblasten positiv beeinflusst werden. Dabei bremst Magnesium den Eintritt von Calcium in die Hautzellen und verhindert die Mikroanspannung, Adenosin induziert einen Anstieg von cAMP (cyclisches Adenosinphosphat) und deaktiviert so das Enzym, das für die Kontraktion der Fibroblasten verantwortlich ist.

 

Trockene Haut gut pflegen

 

Rau, schuppig, glanzlos und wenig elastisch: So sieht die typische trockene Haut aus. Die Betroffenen empfinden häufig ein Spannungsgefühl oder sogar Juckreiz, besonders nach dem Waschen. Zu den am häufigsten diskutierten Ursachen der senilen Xerose gehören die verminderte Lipidsynthese im Alter und die damit verbundene Abnahme der Wasserbindekapazität in der epithelialen Barriere. Vor allem dort fehlen Feuchtigkeit und Fett. Äußere Einflüsse wie der übermäßige Gebrauch von Seifen oder trockene Luft während der Heizperiode können eine weitere Austrocknung begünstigen.

 

Da eine Xerodermie regelrecht »angewaschen« werden kann, sollte bei Badezusätzen oder Duschgelen Natriumlaurethsulfat (Sodium Laureth Sulfat) frühestens an dritter Stelle in der Auflistung der Inhaltsstoffe stehen, denn ein Übermaß des aggressiven Tensids entzieht der Haut zu viel Fett und Feuchtigkeit. Für Menschen mit trockener Haut sind rückfettende Duschbäder und Badezusätze besonders günstig. Zu den Fettkomponenten zählen Sojaöl, Mandelöl, Erdnussöl, Paraffinöle, Triglyceride und Fettsäureester. Zur Pflege stark juckender Altershaut stehen zudem Präparate mit Polidocanol  zur Verfügung. Für die Gesichtsreinigung eignen sich Emulsionen, hydrophile Öle oder adsorptive Reinigungssubstanzen. Wenig geeignet sind hartes Wasser und alkoholhaltiges Gesichtswasser (über 5 Prozent), da sie die trockene und empfindliche Haut irritieren können. Anschließend aufgetragene Pflegeprodukte wirken umso besser, je gründlicher die Haut von Waschrückständen befreit wurde.

 

Um den funktionsgeschwächten Hydrolipidfilm an der Epidermisoberfläche zu regenerieren, müssen neben Lipiden auch Wasser und Feuchthaltefaktoren zugeführt werden. Gut geeignet sind W/O- oder O/W-Emulsionen mit einem hohen Lipidanteil, die Feuchthaltefaktoren wie Urea pura (Harnstoff) enthalten. Dieser zeichnet sich unter den NMF durch gute Hautverträglichkeit und hohes Wasserbindevermögen aus. Zu den hydratisierenden Substanzen mit erwiesener Wirkung gehören zudem Fettsäuren, Glycerin, Propylenglycol und Squalen (1). Präparate mit 10 Prozent Urea oder mit Bisabolol lindern Juckreiz.

 

Während O/W-Emulsionen häufig als Tages- oder Feuchtigkeitscremes bezeichnet werden, werden W/O-Cremes in der Regel als Nacht-, Aufbau-, Intensivpflege- oder Vitamincremes angeboten. Ihr Lipidanteil übersteigt oft 40 Prozent. Sie enthalten typischerweise wenig okkludierende Substanzen wie Ceramide, Phospholipide und Fettsäureester. Peelingmasken und erstarrende Masken sind zur Intensivpflege empfindlicher trockener Haut kaum geeignet, hier sollte man auf eine reichhaltige Crememaske zurückgreifen.

 

Vorzeitiges Altern muss man nicht hinnehmen. Eine gute Prophylaxe besteht vor allem in einem effektiven UV-Schutz, der bereits im Kindesalter beginnen sollte. Unterstützen kann man die Prävention mit einer ausgewogenen vitaminreichen Ernährung, dem Vermeiden von schädlichen Genussmitteln wie Tabak, viel Trinken und einer gezielten Hautpflege.


Literatur

  1. Vorträge auf dem 8. Presse-Workshop des Instituts Danone für Ernährung e. V., Altern? Verschieben wir´s auf später! Nürnberg,
    6. bis 7. Juli 2006.
  2. Gerny, H., Die intelligente Kosmetik. Hautnah dermatologie Nr. 4 (2005) 201-202.
  3. Mittagsseminar Vichy, Zielstruktur kutanes Stützgewebe. MedReport Nr. 23 (2005) 4.
  4. Böni, R., Burg, G., Altershaut: physiologische Grundlagen, prophylaktische Maßnahmen und Therapieansätze. Schweiz. Med. Wschr. Nr. 130 (2000) 1272-1278.
  5. Förster, T., et al., Wirkstoffe gegen Hautalterung in kosmetischen Mitteln. Dermotopics Nr. 1 (2002) www.dermotopics.de.
  6. Goebeler, M., Bröcker, E., Altershaut und Hauterkrankungen im Alter. hautnah dermatologie 2 (2005) 66-74.
  7. Gross, G., et al., Zoster und Zosterschmerzen. Leitlinie der DDG und ADI. AWMF-online Nr. 013/023 (2005).
  8. GD, UVA-Schutzleistung von Sonnenschutzmitteln. Stellungnahme der Gesellschaft f. Dermopharmazie (2006) www.gd-online.de.
  9. Schauder, S., UV-Schutz der Haut. Hautnah dermatologie Nr. 3 (2006) 118-127.
  10. Schering Deutschland GmbH (Hrsg.), Hautpflege Basis der gesunden Haut. 2000.
  11. Lautenschläger, H., Regeneration der Hautbarriere. Kosmetik International 8 (2000) 100-103.
  12. Kerscher, M., Kosmetik und Hautpflege aus dermatologischer Sicht. Skin care forum Nr. 35 (2003) www.scf-online.com.

Die Autorin

Gudrun Heyn arbeitete nach der Promotion in verschiedenen Forschungseinrichtungen, darunter am Kernforschungszentrum Karlsruhe und beim Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung. Sie hatte Lehraufträge an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Freien Universität Berlin. In Fachpublikationen veröffentlichte sie Ergebnisse eigener Forschungen. Seit ihrer Ausbildung als Journalistin ist Dr. Heyn als freie Wissenschaftsjournalistin in Berlin tätig und behandelt vor allem Themen aus Medizin und Pharmazie.

 

 

Anschrift der Verfasserin:

Dr. Gudrun Heyn

Ferbitzer Weg 33 B

13591 Berlin

gheyn(at)gmx.de


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 01/2007

 

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