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HAUTINFEKTIONEN GEFÄHRDEN BESONDERS IMMUNSCHWACHE

 

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Hautinfektionen gefährden besonders Immunschwache

Beim gesunden Menschen mit intaktem Immunsystem sind schwere Hautinfektionen selten. Wesentlich stärker gefährdet sind geschwächte Menschen, Senioren und Kleinkinder. Mangelhafte Hygiene ist ein weiterer Risikofaktor. Eine Übersicht über die wichtigsten Haut- und Schleimhautinfektionen, die verantwortlichen Erreger und die Therapie gab Dr. Jörg Brüggmann von der Zentralapotheke des Unfallkrankenhauses Berlin.

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Die gesunde Haut schützt sich selbst vor einer Infektion. Zum einen stellt die Hornschicht eine Barriere dar, die Mikroorganismen kaum überwinden können. Hinzu kommt das trockene, saure und relativ kalte Milieu, das die Haut zu einem unwirtlichen Ort für viele Bakterien, Viren und Pilze macht. Fett, Fettsäuren und Harnstoff auf der Haut sowie der hohe Salzgehalt im Schweiß tun ein Übriges. Und zu guter Letzt ist die an diese Bedingungen gut angepasste Hautflora eine starke ökologische Konkurrenz.

Für gesunde Menschen sind die Erreger auf der Haut also kein Problem. Anders sieht es bei Kranken aus. Wie Brüggmann erläuterte, sind Durchblutungsstörungen, Diabetes und eine eingeschränkte Immunabwehr häufige Ursachen für eine Hautinfektion. Auslöser können dann fast alle Gruppen von Mikroorganismen sein.

Bei den bakteriellen Infektionen stehen die beiden grampositiven Arten Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes mit weitem Abstand im Vordergrund. Wesentlich seltener sind Infektionen mit Enterokokken, E. coli, Pseudomonas aeruginosa oder Klebsiellen.

Staphylokken-Infektionen, zum Beispiel Furunkel oder Karbunkel, sollten laut Brüggmann mit Penicillinase-stabilen Penicillinen wie Oxacillin oder mit Makrolid-Antibiotika (zum Beispiel Clarithromycin) behandelt werden. Makrolide und säureresistente Penicilline können bei Streptokokken-Infektionen eingesetzt werden.

Sind dagegen gramnegative Erreger wie Pseudomonas Verursacher einer Infektion, dann muss die Therapie mit Cephalosporinen, Gyrasehemmern oder Aminoglykosiden erfolgen.

Die Erreger von Dermatomykosen lassen sich in drei Gruppen einteilen: Fadenpilze (Dermatophyten), Spross- und Hefepilze, zu denen Candida als wichtigster Erreger zählt, und Dityrosporon-Spezies. Dermatophyten verursachen Nagelmykosen oder Fußpilz. Sie infizieren zumeist die oberen Hautschichten, in einigen Fällen kann es aber auch zu tieferen Infektionen kommen. Da sie auf Keratin angewiesen sind, kommen sie niemals auf Schleimhäuten vor. Die Therapie erfolgt mit topischen Breitspektrum-Antimykotika, etwa Azolantimykotika oder Pyridonen.

Dagegen fühlt sich Candida auf Schleimhäuten wohl. Hier erfolgt die Therapie mit topischen Antimykotika. Bei größerer Ausdehnung oder häufigen Rezidiven muss systemisch mit Azolantimykotika behandelt werden. Nebenwirkungen dieser Therapie seien unter anderem gastrointestinale Störungen, Benommenheit und in seltenen Fällen auch Leberschäden. Ebenfalls beachtet werden müssen Interaktionen mit anderen Arzneistoffen, da die Substanzen über Cytochrom P450 abgebaut werden.

In der Regel müssen auch Nagelmykosen systemisch und über lange Zeit behandelt werden. Ein mykotisch befallener Nagel werde bis zur vollständigen Neubildung mit Terbenafin therapiert. Dies dauere mindestens neun Monate, so Brüggmann.

Virale Haut- und Schleimhautinfektionen werden vor allem von Herpes simplex, Herpes zoster und dem Humanen Papilloma-Virus verursacht. Bei einer Herpes-simplex- oder Herpes-Zoster-Infekion sind Nukleosidanaloga Mittel der Wahl. Auf Grund der kurzen Halbwertszeit muss systemisch angewendetes Aciclovir fünfmal täglich eingenommen werden. Alternativen sind Valaciclovir, Famciclovir und Brivudin.

Verschiedene Optionen bieten sich bei der Behandlung von Infektionen mit dem Humanen Papilloma-Virus an. So können die entstehenden Warzen per Kältetherapie entfernt werden. Die Vereisung solle in keinem Fall länger als 25 Sekunden dauern, erläuterte Brüggmann. Dem Patient sollte in jedem Fall erklärt werden, dass die Behandlung sehr schmerzhaft ist. Eine Alternative ist die keratolytische Beseitigung der Warzen mit Salicyl- oder Milchsäure.

Eine weitere Option ist laut Brüggmann die zytostatische Therapie mit 5-FU oder Podophyllotoxin. Seit kurzem steht darüber hinaus das Immunstimulans Imiquimod zur Verfügung. Es wirkt selbst nicht virustatisch, sondern regt die körpereigene Immunabwehr an. Der Patient sollte unbedingt wissen, dass Imiquimod erst eine starke Entzündungsreaktion der Warzen bewirkt, bevor sich die Symptome bessern. Top

© 2001 GOVI-Verlag
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Beitrag erschienen in Ausgabe 41/2001

 

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