Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Nachrichten

NACHRICHTEN

 
Spiel mit falschen Zahlen
13.02. PZ. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) wehrt sich gegen falsche Behauptungen über die Apothekenspannen. "Wenn einzelne Kassenvertreter über die Gewinnspannen der Apotheken sprechen, muss man fast von vorsätzlicher Täuschung sprechen." Mit diesen harten Worten kommentierte DAV-Vorsitzender Hermann-Stefan Keller die aktuelle Diskussion über die Vertriebskosten für Arzneimittel, die vor allem von den Krankenkassen mit falschen Zahlen geführt wird. Immer wieder würden Gewinnspannen von 40 bis 50 Prozent genannt. "Dies alles soll den Eindruck erwecken, die Apotheke sei Kostentreiber Nummer 1 in der GKV", sagte Keller, der noch einmal auf die tatsächlich Handelsspanne von durchschnittlich 20,3 Prozent für GKV-Arzneimittel verwies. "Wenn es um die Arzneimittelpreise geht, wird durcheinandergeworfen, was durcheinander zu werfen ist - Hauptsache es dient dem Ziel, die Apotheken als Preistreiber darzustellen." Völlig unberücksichtigt blieben bei der Diskussion schließlich die Fremd- und Mehrkosten, die den Krankenkassen durch die diversen Verschiebebahnhöfe in der Sozialversicherung und geänderte gesetzliche Regelungen entstünden. Allein durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer im Jahre 1998 und durch die Absenkung der Zuzahlung durch die neue Bundesregierung 1999 müssten 1,8 Milliarden DM mehr aufgebracht werden. Keller begrüßte die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Ulla Schmidt, sich mit allen Beteiligten im Gesundheitswesen an einen runden Tisch zu setzen. "Wir gehen davon aus, dass auch wir Apotheker bald daran beteiligt werden", meinte Keller. "Dann wird man über die richtigen Zahlen zu diskutieren haben." (dr)

Recht auf Wissen und Nichtwissen
13.02. dpa. Alle Menschen sollten nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Professor Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, grundsätzlich ein Recht "auf Wissen und Nichtwissen" um Fehler im Erbgut haben. Zugleich müsse der Zugriff auf genetische Diagnosen durch Dritte wie etwa Kranken- und Lebensversicherungen gesetzlich geregelt werden, sagte der Genomforscher am Dienstag im DeutschlandRadio Berlin. Er forderte Regelungen, nach denen der Mensch keine rechtlichen Nachteile hat, wenn er Fehler in seinem Erbgut aufschlüsseln lässt. Winnacker begrüßte die einsetzende öffentliche Diskussion um die ethische Dimension der Genomforschung. Im konkreten Fall gehe es auch darum, wie man mit einem Menschen umgehe, der von den Eigenschaften seines Erbguts erfahre, sagte Winnacker. "Das ist nicht immer einfach. Insbesondere dann, wenn man eine Krankheit diagnostizieren kann, die man dann nicht heilen kann."

ANZEIGE

Zahnpflege für Diabetiker besonders wichtig
13.02. PZ. Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes verdoppeln das Risiko für die Ausbildung einer Parodontitis. Und auch umgekehrt scheint sich eine Parodontitis als Infektionskrankheit ungünstig auf die Blutzucker-Einstellung des Diabetikers auszuwirken. Wie sich die beiden Erkrankungen konkret beeinflussen, ist noch unbekannt. Vermutlich sorgt der hohe Blutzuckerspiegel von Diabetikern für ein günstiges Milieu, so dass die Parodontitis-Bakterien Fuß fassen können. Zum anderen bringen Lipopolysaccharide, die von den Parodontitis-Keimen produziert werden, die Stoffwechsel-Einstellung ins Wanken. Diabetiker mit gesundem Gebiss haben gegenüber Zahnfleisch-geschädigten Zuckerkranken deutlich weniger Nephropathien, Retinopathien oder Schwierigkeiten bei der Wundheilung. Studien belegen, dass durch eine erfolgreiche parodontale Behandlung die täglich benötigte Insulinmenge reduziert werden kann. Andere Untersuchungen zeigen, dass durch eine Parodontitis-Behandlung der HbA1c-Wert sinkt. Diabetiker sollten deshalb besonderes Augenmerk auf ihre Zahnpflege legen und eine Zahnfleischentzündung sofort behandeln lassen. (ew)

Kein zusätzliches Geld für Arzneimittel
12.02. dpa. Im Streit um das Arzneibudget droht ein Kompromiss zwischen der neuen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und den Ärzten am Geld zu scheitern. Das Gesundheitsministerium wies am Montag in Berlin Forderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zurück, mehr Geld für die Arzneiversorgung der Patienten bereitzustellen. Eine mögliche Aufhebung der umstrittenen Kollektivhaftung der Ärzte für das Budget dürfe nicht zu Mehrausgaben führen. Ein Sprecher betonte aber, dass Schmidt weiter den Dialog suche und den Gesprächsfaden nicht abreißen lasse wolle. Die Ministerin hatte angekündigt, die umstrittene Kollektivhaftung für die Arzneibudgets Anfang 2002 durch andere Instrumente ersetzen zu wollen. Die KBV will an diesem Mittwoch einen Alternativmodell vorlegen. Danach sollen die starren Budgets durch Richtgrößen für den einzelnen Arzt ersetzt werden. Dabei drohen nur jenen Ärzten Honorarkürzungen, die mehr verordnen und dies nicht medizinisch begründen können. Auch Schmidt hatte diese Lösung ins Gespräch gebracht. Der KBV-Vorsitzende Manfred Richter-Reichhelm betonte aber in einem dpa-Gespräch, dass der Verzicht auf die Kollektivhaftung nicht kostenneutral sei. So seien die Budgets bereits zu eng bemessen. Nach ersten KBV-Trendzahlen überzogen die Ärzte 2000 die regionalen Arzneibudgets um 1,8 Milliarden Mark.

Zahn-Bakterien schaden Herz und Hirn
12.02. PZ. Studien zeigen, dass Personen mit Parodontitis unabhängig von anderen Risikofaktoren mindestens zweimal häufiger einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleiden. Diese epidemiologischen Daten korrelieren mit den Ergebnissen von Tierexperimenten, bei denen Forscher mit Parodontitis-assoziierten Keimen dosisabhängig eine Arteriosklerose auslösten. Mehr noch: Wissenschaftler haben Mundbakterien wie Porphyromonas gingivalis genau in den atherogenen Plaques nachweisen können, die die Ischämie auslösten. Die bislang vorliegenden Daten reichen jedoch nicht aus, um zu behaupten, dass Parodontitis Herz-Kreislauf-Erkrankungen hervorruft. Sie gilt aber als unabhängiger Risikofaktor bei der Entwicklung der Atherosklerose. Offenbar sind die Siedler im Zahnbelag in der Lage, verschiedene Entzündungsmediatoren freizusetzen, wodurch an den Gefäßwänden vermehrt Cholesterol haften bleibt und die Thrombozytenaggregation angekurbelt wird. Untersuchungen einer anderen Arbeitsgruppe legen nahe, dass die Bakterien die Blutgerinnung in die Irre führen. So bringt beispielsweise Streptococcus sanguis Blut zum Verklumpen. Die Bakterien nisten bevorzugt an Prothesen wie künstlichen Herzklappen oder etwa künstlichen Hüftgelenken, weil sie hier ähnlich gute Bedingungen finden wie auf Zähnen. Deshalb sollten Patienten mit künstlichen Herzklappen vom Zahnarzt nur unter Antibiotika-Gabe behandelt werden sollten. Denn eine Bakteriämie wird durch die Zahnbehandlung oder auch schon durch das Entfernen von Zahnstein in Gang gesetzt. (ew)

Völkerwanderung zu Betriebskrankenkassen
12.02. dpa. Die preisgünstigeren Betriebskrankenkassen (BKK) sind die Gewinner im Kampf der Kassen um Mitglieder. Die 313 BKK verzeichneten zum Jahreswechsel 2001 den bisher größten Kundenansturm seit Einführung der Wahlfreiheit 1996. Dagegen verschärfte sich die Mitgliederflucht aus den teureren Großkassen. Zum Jahresanfang 2001 wechselten rund 1,2 Millionen Mitglieder zu den BKK. Das entspricht einem Plus von 17 Prozent und ist der bisher größte Zuwachs. Dies geht aus einer am Montag in Berlin vorgelegten Übersicht des BKK-Bundesverbandes hervor. Dagegen verloren die Angestellten-Ersatzkassen 670 000 und die Allgemeinen Ortskrankenkassen fast 550 000 Mitglieder. Seit Einführung der Wahlfreiheit 1996 gewannen die BKK insgesamt rund 3,2 Millionen Mitglieder dazu. Damit zählen die BKK nun 8,4 Millionen Mitglieder und zwölf Millionen Versicherte. Ihr Marktanteil stieg seit 1996 von 10,3 auf 16,5 Prozent. Der durchschnittliche Beitragssatz der BKK liegt den Angaben zufolge im Westen und Osten bei je 12,5 Prozent. Der durchschnittliche Beitragssatz aller Kassen belaufe sich im Westen auf 13,5 Prozent und im Osten auf 13,7 Prozent.

Diabetes: Zahl der Erkrankten steigt
09.02. dpa. Die Zahl der Zuckerkranken in Deutschland steigt nach Wissenschaftlermeinung rasant an. In zehn Jahren werden nach neuesten Erkenntnissen knapp zehn Prozent der Bevölkerung - also etwa 800.000 Menschen - an einer Form der Zuckerkrankheit leiden, sagte der Diabetes-Experte Hellmut Mehnert am Freitag in München. Derzeit seien 400.000 bis 500.000 Menschen erkrankt. Der Leiter eines neu eröffneten Diabeteszentrums in Rottach-Egern am oberbayerischen Tegernsee, Andreas Liebl, warnte vor einer wachsenden Zahl zuckerkranker Kinder in Deutschland. Derzeit litten 20.000 Kinder an der Krankheit. Durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel steige die Zahl jährlich. "Wir müssen schon im Kindergarten aufklären, um die Zahl der Erkrankungen zu reduzieren", sagte Liebl. Die Zuckerkrankheit verursache erhebliche Folgeschäden. Alle zwölf Minuten bekomme ein Diabetespatient in Deutschland einen Schlaganfall, alle 19 Minuten erleide jemand durch die Zuckerkrankheit einen Herzinfarkt oder bekomme ein Gliedmaß abgenommen. Alle eineinhalb Stunden erblinde ein Mensch wegen der Krankheit. Liebl sagte, viele niedergelassene Ärzte sparten in der Diabetes-Behandlung zum falschen Zeitpunkt. Der Beginn der Krankheit verlaufe relativ harmlos. Zu diesem Zeitpunkt würden aus Kostengründen nicht genug Medikamente verschrieben. Der Zustand der Patienten verschlechtere sich auch deshalb innerhalb weniger Jahre.

Anzag konnte Umsatz steigern
09.02. PZ. In den ersten vier Monaten des Geschäftsjahrs 2000/2001 kletterte der Umsatz der Andreae Noris Zahn AG (Anzag) um 8,4 Prozent. Im Januar 2001 erlöste der apothekernahe Pharmagroßhandel gar über eine halbe Million DM. Der Vorstand gab sich daher in der Bilanzpressekonferenz am 8. Februar zuversichtlich, im neuen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 5 Prozent zu erreichen. Die Steigerung sei ein Beweis, mit den neu etablierten Leistungen für die Apotheken die richtigen Weichen gestellt zu haben. Unter dem Markt wuchs die Anzag im Geschäftsjahr 1999/2000. Der Umsatz stieg um 2,4 Prozent auf 4,909 Milliarden DM. Dem steht jedoch eine Gewinnsteigerung aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 5,5 Prozent auf 86,5 Millionen DM gegenüber.  Der Rohertrag stieg um 7,6 Millionen auf 367,5 Millionen DM und das Betriebsergebnis um 10,8 Prozent auf 88,4 Millionen DM. Wegen einer Betriebsprüfung der Jahre 1992 bis 1997 durch das Finanzamt kam es allerdings zu einem um 8,1 Millionen DM erhöhten Steueraufwand, der den Überschuss nach Steuern von 43,8 Millionen auf 40,2 Millionen DM verringerte. Das DVFA-Ergebnis pro Aktie lag bei 4,14 DM nach 4,38 DM. Als Grund für das gute Abschneiden der Anzag nannte Personalchef Herbert Gissel die nachhaltige Modernisierung der Betriebsstätten und die Mitarbeiter-Motivation. Seit 1992 werde bei kaum verändertem Aufwand eine immer höhere Leistung von den 2161 Beschäftigten erbracht. Zur Wertsteigerung des Pharmagroßhandels soll die Positionierung der Marke Anzag beitragen. In diesem Zusammenhang wurde auch "Anzag online" präsentiert, das Internetangebot des Unternehmens, das sich an Apotheken- und Pharmaindustrie-Kunden wendet (www.anzag.de). Hinzu kommt ab Mitte März unter www.gesundheit.de ein Angebot für Endverbraucher. (ea)

Weltkrebsgipfel: Rauchen stärker bekämpfen
09.02. dpa. Die Regierungen Westeuropas tun zu wenig zur Bekämpfung des krebsverursachenden Tabakkonsums. Zu dieser Einschätzung kamen am Freitag in Paris die Teilnehmer des zweiten Weltkrebsgipfels. Die etwa 400 Mediziner und Experten aus Europa und den USA prangerten die Untätigkeit der Politiker an, die zu wenig gegen "Werbung, Glorifizierung und Subventionierung" von Tabakprodukten unternähmen. Trotz bedeutender Fortschritte bei der Diagnostik und Therapie sterbe in Frankreich "alle drei Minuten ein Mensch an Krebs", sagte der Ko-Organisator des Weltkrebsgipfels, David Khayat. Weltweit sind - ebenso wie in Deutschland - nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die verschiedenen Krebsarten Todesursache Nummer zwei. Im Jahr 1999 starben 212.000 Menschen in Deutschland daran - das war jeder vierte Todesfall. Bei Männern steht dabei weltweit der Lungenkrebs an erster Stelle, bei Frauen ist es Brustkrebs.

Bindeglied zwischen Abhängigen und Ärzten
08.02. PZ. Marion Caspers-Merk, seit gut einer Woche neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, will die Kompetenz der Apotheker im Bereich der Substitutionsbehandlung verstärkt nutzen. Die Pharmazeuten seien - so erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete gegenüber PZ-Online - ein wichtiges Bindeglied zwischen Drogenabhängigen und Ärzten. Caspers-Merk: "Die Apotheker registrieren sehr genau, welche Problemgruppen abhängig sind und ich weiß, dass viele Apotheker durch den Spritzenverkauf sehr genau über die Strukturen in den Städten und Gemeinden Bescheid wissen". Sie wolle deshalb auch mit den Pharmazeuten Gespräche führen. Eine wichtige Rolle würden die Apotheker auch bei der Problematik der Herstellung von Cannabis-Arzneimitteln für schwerkranke Krebs- und Aids-Patienten spielen. Weil das jetzt möglich sei, hoffe sie auf die Unterstützung durch die Apotheker. (rv/udo)

Früh Fluorid zuführen
08.02. PZ. Die Menge an Fluorid, die in den ersten Lebensjahren zugeführt wird, bestimmt die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes gegenüber den Säureattacken der Mikroorganismen. Deshalb ist die Fluoridierung gerade im Kindesalter besonders wichtig. Die Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) teilt mit, dass viele Untersuchungen ergeben haben, dass Fluoride in erster Linie durch direkten Kontakt mit Dentin karieshemmend wirken. Diese Erkenntnisse, der deutliche Kariesrückgang bei Kindern und Jugendlichen sowie die insgesamt höhere Verfügbarkeit von Fluoriden erforderten eine Anpassung der Empfehlungen zur Fluorid-Kariesprophylaxe. Vor dem sechsten Lebensmonat müssten keine Fluoride supplementiert werden. Ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne sollten Kinderzahnpasten mit maximal 0,05 Prozent Fluorid zum Einsatz kommen. Kinder ab sechs Jahren können Erwachsenen-Zahncremes verwenden. Die DGZMK rät nur zu Fluorid-Supplementen in Form von Tabletten, wenn keine fluoridhaltige Zahnpasta und kein fluoridhaltiges Speisesalz verwendet werden. Auch höher dosierte Fluoridlacke, -lösungen oder -gele sollten im Kindesalter nur zum Einsatz kommen, wenn es der Zahnarzt ausdrücklich empfohlen hat. Im Erwachsenenalter können fluoridhaltige Gele einmal wöchentlich aufgetragen werden, um Karies zu verhindern und die Remineralisation von entkalktem Zahnschmelz anzukurbeln. (ew)

Kassen verschieben Festbetragsanpassung
08.02. dpa. Im Streit um die von ihnen bezahlten Höchstpreise für Arzneien haben die Krankenkassen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eine einmonatige Frist für eine Lösung eingeräumt. Die Kassen verschoben am Mittwoch ihren Beschluss zur Senkung der Festbeträge auf den 12. März und vermieden so ein angedrohtes Einschreiten des Bundeskartellamtes. Die Kassen verlangen aber von Schmidt, in dieser Zeit Lösungen vorzulegen. Andernfalls wollen sie am 12. März die Senkung doch beschließen. Das Gesundheitsministerium wies einen Bericht der "Bild"-Zeitung zurück, wonach Patienten wegen der Festbeträge höhere Arzneikosten drohten. Die Kassen wollen durch die neuen Festbeträge rund eine Milliarde Mark im Jahr sparen. Nach ihrer Ansicht sind die Preise für viele Arzneien überhöht. Die Senkung der Festbeträge stößt bei Pharmaindustrie und beim Kartellamt auf Kritik. Das Kartellamt hatte gedroht, die neuen Festbeträge zu kippen. Das Gesundheitsministerium will möglichst schnell eine rechtssichere Lösung finden, versicherte Sprecherin Annelies Ilona Klug. Pharmaverbände und das Bundeskartellamt begrüßten die Entscheidung der Kassen, den Beschluss über die Festbeträge zu vertagen.

Dänische Studie: Kein höheres Krebsrisiko durch Handys
07.02. dpa. Eine Untersuchung mit 420.000 dänischen Handy-Benutzern hat kein erhöhtes Krebsrisiko für Erwachsene durch Mobiltelefone ergeben. Wie die Gesellschaft zur Krebsbekämpfung in Kopenhagen mitteilte, sei bei der bisher weltweit umfassendsten Untersuchung dieser Art für den Zeitraum der letzten drei bis maximal sechs Jahre keinerlei messbar höhere Rate von Gehirntumoren, Leukämie oder Speicheldrüsenkrebs festgestellt worden. Projektchef Christoffer Johansen erklärte einschränkend, dass bis zu einem "endgültigen Freispruch" des Handys als mutmaßlichem Krebserreger eine deutlich längere Untersuchungsphase nötig sei. "Unsere Untersuchung hat sehr viel Gewicht. Sie ist aber dennoch nur Teil einer umfassenden EU-Untersuchung, deren Schlussresultat in fünf Jahren vorliegen wird", sagte Johansen. Die Ergebnisse des dänischen Projektes wurden von der Fachwelt dennoch mit großer Spannung erwartet, weil hier zum ersten Mal in großem Umfang die Daten von Mobiltelefon-Unternehmen mit denen eines landesweiten Krebsregisters abgeglichen werden konnten. Johansen betonte aber auch, dass die Untersuchung sich nicht auf andere mögliche Gesundheitsrisiken von Mobiltelefonen wie Parkinson, Tinnitus, Demenz oder Gedächtnisstörungen beziehe. Die an der Untersuchung beteiligten Experten wiesen außerdem darauf hin, dass nur Personen über 18 Jahren untersucht worden seien. Sie sprachen sich für eine systematische Untersuchung von Krebserkrankungen bei Kindern in ganz Nordeuropa aus. Wegen der dünneren Hirnschale und anderer Besonderheiten sei hier besondere Vorsicht und Zurückhaltung bei der Verwendung von Handys geboten.

Scheringmit Rekordergebnis
07.02. dpa. DerBerliner Pharmakonzern Schering hat trotz Belastungen aus der Beteiligung ander Aventis-Agrarsparte einen Rekordgewinn erzielt. Der Ertrag stieg im Jahr2000 um 20 Prozent auf 327 Millionen Euro (640 Mio DM). Der Umsatz legte nachvorläufigen Zahlen um 22 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro zu, teilte Schering amMittwoch mit. Wachstumsträger war vor allem das Multiple Sklerose-Medikament Betaferon. Dessen Umsatz erhöhte sich um 31 Prozent auf 593 Millionen Euro, davon247 Millionen Euro auf dem wichtigen US-Markt. Aus der 24-Prozent-Beteiligungam Pflanzenschutzunternehmen Aventis Crop Science (Lyon) fiel für Schering imvierten Quartal ein Verlustanteil von 59 Millionen Euro an. Ansonsten hätte derGewinn in dem Quartal bei 116 Millionen Euro gelegen. Für das gentechnisch veränderteMaisprodukt StarLink mussten Kosten und Risiken durch einen Sonderaufwandabgedeckt werden, was auch auf Schering durchschlug. Aventis CropScience hattein den USA herkömmlichen Mais mit StarLink vermischt. Der Schering-Konzern, derden Verlustanteil weitgehend durch Gewinne aus anderen Finanzanlagen ausglich,lag mit seinen Gewinn- und Umsatzprognosen marginal unter den Prognosen vomHerbst. Analysten hatten jedoch mit einem schwächeren Gewinnanstieg gerechnet.Die Schering-Aktie legte am Vormittag um 1,32 Prozent auf 59,15 Euro zu. Wegendes Akteinrückkaufs im vergangenen Jahr sinkt das Ergebnis je Aktie um 22Prozent auf 1,65 Euro.

Kartellamt: Festbeträge unzulässig
07.02. dpa. Die Krankenkassen dürfen nach Ansicht des Kartellamtes bei den Arzneimittelpreisen keine Kartell-Festlegungen zu Lasten der Patienten und Pharmaunternehmen bilden. Dies machte der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, in Bonn deutlich. Die Entscheidung der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), den geplanten Beschluss zur Senkung der Kassenpreise für Arzneien vorerst auszusetzen, sei daher zu begrüßen. "Damit erübrigt sich unser Einschreiten." Das Vorgehen wäre sonst vom Kartellamt untersagt worden, sagte Böge. "Eine gemeinsame Festlegung der Höchsterstattungspreise wäre ein Kartell gewesen." Die Kassen wollten ursprünglich die Höchstpreise, die sie Patienten für bestimmte Arzneien erstatten, zum 1. April senken. Dadurch wollten sie rund eine Milliarde Mark im Jahr einsparen. Auch für Patienten habe eine Erstattungspreis-Festlegung klare Nachteile, betonte Böge. Es klinge zwar gut, wenn die Kassen über diesen Weg selbst hohe Beträge einsparen wollten. Wenn die Erstattungspreise aber stark nach unten gingen, die Verbraucher die Medikamente jedoch haben wollten, dann müssten sie eine hohe Zuzahlung leisten. "Letztlich würden die Patienten also die Zeche zahlen. Und das Kartellamt ist nicht dazu da, dafür die Hand zu reichen."

© 2001 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2001

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU