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Benzodiazepine richtig auswählen

PHARMAZIE

 

Benzodiazepine richtig auswählen

von Elke Wolf, Frankfurt am Main

"Die Probleme, die bei der Behandlung von Insomnien zu verzeichnen sind, liegen nicht an einem Mangel von Arzneimitteln, sondern am nicht sachgerechten Umgangs damit", sagte Professor Dr. Walter E. Müller, Direktor des Pharmakologischen Instituts der Universität Frankfurt auf einer Pressekonferenz in Frankfurt.

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Innerhalb der Substanzklasse der Benzodiazepine stünden eine Reihe von Präparaten mit unterschiedlichem Wirkprofil zur Verfügung. Es hapere jedoch an ihrem gezielten Einsatz. Zudem machte Müller auf der von ICN Pharmaceuticals Germany GmbH ausgerichteten Veranstaltung auf folgenden Trend aufmerksam: Was früher zu großzügig an Benzodiazepinen verordnet worden sei, werde heute zu wenig verschrieben.

Bei der Auswahl des geeigneten Benzodiazepins sind laut Müller zwei Kriterien zu beachten: die Dosis und die pharmakokinetischen Eigenschaften. Bei letzteren sind die Anflutung im Gehirn und die Eliminationsgeschwindigkeit von Bedeutung. Sind die Schlafstörungen nur schwach ausgeprägt und ist eine Tageswirkung nicht erwünscht, empfiehlt Müller kurz wirksame Benzodiazepine wie Temazepam (zum Beispiel Remestan®) oder Lormetazepam (zum Beispiel Loretam®), die niedrig dosiert werden sollten. Temazepam und Lormetazepam bewirkten keinen "hang over". Diese Substanzen sind beispielsweise auch indiziert bei älteren Patienten, die nachts häufiger auf Toilette müssen. Bekämen diese Benzodiazepine, die länger wirken, bestünde die Gefahr, dass sie auf Grund der Sedation stürzen.

Präparate mit langer Halbwertszeit, die leicht im Gewebe kummulieren, sollte man nur verabreichen, wenn ein gewisser Überhang der Benzodiazepinwirkung in den nächsten Tag erwünscht ist. Dies kann beispielsweise bei psychiatrischen Patienten sinnvoll sein, um eine angstlösende Wirkung und möglicherweise auch eine gewisse Sedation zu erreichen. Damit verbundene Nachteile: Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit lassen nach. Nitrazepam (zum Beispiel Mogadan®) ist ein Benzodiazepin, das "zu mittlerer Kumulation neigt", informierte Müller. Dagegen ist Flurazepam (zum Beispiel Dalmadorm®) auf Grund seiner wirksamen Metabolite eine Substanz, die viel stärker kumuliert.

Und noch ein Punkt ist laut Müller zu beachten: Bei lange wirksamen Benzodiazepinen ist die Elimination bei älteren Patienten zusätzlich verlangsamt. Dagegen bleibe bei Substanzen wie Temazepam oder Lormetazepam die Elimination im Alter eher unbeeinflusst. Top

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Beitrag erschienen in Ausgabe 41/2000

 

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