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Große Resonanz auf Ergänzung des NRF












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Große Resonanz auf Ergänzung des NRF

von Holger Reimann, Eschborn

Mit großer Resonanz reagierten die Apotheken auf die 16. Ergänzung zum NRF. Zumeist per Telefax trafen 3608 Einsendungen ein. Die wichtigsten Ergebnisse sollen bei der weiteren Gestaltung des Formulariums berücksichtigt werden.

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Erwartungsgemäß lag bei den fünf für eine Streichung diskutierten NRF-Rezepturen die Angabe zur Herstellungshäufigkeit überwiegend bei Null. Die Auswertung ist aber schwierig, da sich der Bedarf nicht allein quantitativ am Umfang messen lässt. Ebenso wurden Lieferschwierigkeit bei Phenylquecksilberverbindungen als ein insgesamt marginales, aber die Konservierung von Augentropfen zentral betreffendes Problem deutlich – bislang jedoch noch ohne konkreten Lösungsvorschlag.

Bei dem zur freien Formulierung vorgesehenen Teil des Antwortbogens dominieren Forderungen nach Berücksichtigung der seit 1990 nicht mehr als eigenständiges Werk aktualisierten Standardrezepturen der DDR (1, 2), häufig allerdings leider nur in sehr pauschaler Form. Die konkreten Vorschläge sind in der Tabelle kommentiert. Die zuvor schlechte Übersichtlichkeit der NRF-Bände ist im Prinzip bereits mit der Ergänzung 1999 durch ein Griffregister verbessert worden. Weitergehende Vorschläge nach einer stärker inhaltlich beziehungsweise innerhalb der Indikationsgruppen alphabetisch geprägten Ordnung lassen sich allerdings bei der vorhandenen Struktur nicht ohne größeren Aufwand realisieren. Der Schlüssel zur gedruckten Fassung wird deshalb bis auf Weiteres das Stichwortregister bleiben, das über ein von den SR her gewohntes „alphabetisches Inhaltsverzeichnis" hinausgeht.

Möchten Sie uns weitere SR-Vorschriften vorschlagen, die noch im NRF berücksichtigt werden sollten, dann benutzen Sie bitte den Vordruck im perforierten Teil dieser Ausgabe.

Literatur:

Institut für Arzneimittelwesen der DDR (Hrsg.), Standardrezepturen 1990 (SR 90). Für das Apothekenwesen bestimmte Ausgabe, 15. Auflage. VEB Verlag Volk und Gesundheit, Berlin, 1990. Unveränderter Nachdruck als 16. Auflage, Ullstein Mosby, Berlin 1993.

Apothekerkammer Sachsen-Anhalt (Hrsg.), NRF/SR. Standardisierte Rezepturen 1997, Govi-Verlag Pharmazeutischer Verlag GmbH, Eschborn 1998.

Uferer, C., Hückel, T., Ausgewählte Standardrezepturen im NRF, Pharm. Ztg. 145 (2000) 857–858 sowie PZ-Service Heft 11/2000, S. 115 – 117.

Fickweiler, E., Biopharmazie der Oto-Rhino-Laryngologica, Pharmazie 38 (1983) 274 – 278.

Kommission B 7 beim Bundesgesundheitsamt / Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Aufbereitungsmonographie: Schwefel, Bekanntmachung vom 17.12.1992, Pharm. Ztg. 138 (1993) 735 – 736.

Reimann, H., NRF: Basislotio?, Pharm. Ztg. 138 (1993) 3224 - 3226.

Lang, S., Borax-haltige Rhinologika sind verboten, Pharm. Ztg. 145 (2000) 26 - 28.

Kommission B 6 beim Bundesgesundheitsamt / Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Aufbereitungsmonographie: Ephedrin, Bekanntmachung vom 20.4.1994, Pharm. Ztg. 139/Nr. 33 (1994) 109.

Biella, U., Dumann, B., Haustein, U. F., Kitze, C., Mayr., E., für den Rat des Bezirkes Leipzig, Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen, im Bereich Medizin der Karl-Marx-Universität Leipzig, Standardsortiment Dermatika des Bezirkes Leipzig, Fassung 1998.

Hünerbein, B., und die Fachgruppe Magistralrezepturen der GD Gesellschaft für Dermopharmazie e. V. für die Teilnehmer der Konsensuskonferenz am 18. November 1998, Leitlinien zur dermatologischen Rezeptur, Pharm. Ztg. 144 (1999) 796 – 799;

Anschrift des Verfassers:
Dr. Holger Reimann
Neues Rezeptur-Formularium (NRF)
Pharmazeutisches Laboratorium
Carl-Mannich-Straße 20
65760 Eschborn

Tabelle: Zur Aufnahme in das NRF genannte SR-Rezepturen

Bezeichnung Kommentar Gargarisma Chamomillae compositum SR Bisher nicht vorgeschlagene Rezeptur. Der Bedarf ist vor dem Hintergrund vergleichbarer Fertigarzneimittel zu prüfen. Hautpflegesalbe W/L SR Mit Vorschrift 11.104. ist eine oxidationsstabile, von Wollwachsprodukten freie hydrophobe Creme im NRF monographiert. Auf deren Basis werden Ammoniumcitrat-gepufferte Ersatzrezepturen galenisch untersucht. Vergleiche auch NRF 11.32. Linimentum aquosum N mit Dexamethason 0,03 % Bedarf zu prüfen. Linimentum aquosum SR mit Dexamethason 0,025 % Bedarf zu prüfen. Oleum Zinci oxidati cum Nystatino SR Durch die modifizierte NRF-Vorschrift 11.114. abgedeckt. Oleum Zinci oxidati SR Durch die ähnlichen NRF-Vorschriften 11.20. und 11.113. abgedeckt. Otoguttae Natrii carbonici SR Durch die ähnliche NRF-Vorschrift 16.1. abgedeckt. Otoguttae Oxytetracyclini SR Vorbehalte gegen die lokale Anwendung des Antibiotikums Oxytetracyclinhydrochlorid im äußeren Gehörgang (4). Pasta Argenti nitrici 1 % SR Bisher nicht vorgeschlagene Rezeptur. Bedarf ist weiter zu prüfen – auch vor dem Hintergrund, dass gelegentlich nach älteren Unguentum-nigrum-Vorschriften (zum Beispiel nach DRF) rezeptiert wird. Pasta Zinci oxidati mollis rubra SR Auf die Möglichkeit zur hautfarbenen Tönung mit Eisenoxidpigmenten ist in NRF 11.21. hingewiesen. Schwefel – zumal in Form des kaum noch erhältlichen Sulfur colloidale – soll als negativ monographierter Wirkstoff nicht empfohlen werden (5). Pasta Zinci oxidati mollis SR Durch die ähnliche, aber von Wollwachsprodukten freie NRF-Vorschrift 11.21. abgedeckt (entspricht DAB-Rezeptur). Pasta Zinci oxidati SR Vorteile sind vor dem Hintergrund der anderweitig monographierten Zinkoxid-Salben und –Pasten nicht zu erkennen. Mit der vergleichbaren, aber durch ihre hohe Konsistenz besonders fest haftenden NRF-Rezeptur 11.111. wird die protektive Wirkung der SR-Rezeptur spezifisch berücksichtigt. Prednisolon 0,1 % in Linimentum aquosum N Neuer Rezeptur-Vorschlag auf der Basis einer relativ wasserreichen nichtionischen Creme beziehungsweise Hautemulsion; vgl. NRF-Vorschrift 11.35. Unbedingt zu prüfen, ob und wie schnell eine Umkristallisation zum schwer löslichen Prednisolon-Hydrat eintritt (6); gegebenenfalls Ersatz durch Prednisolonacetat. Rhinoguttae Argenti diacetylotannici proteinici 3 % SR Die Rezeptur muss in jedem Falle unter Verwendung von Boraxfreiem Silberacetyltannat hergestellt werden (7). Die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Thiomersal und Chlorhexidingluconat als Konservierungsstoffe ist fragwürdig. Der Bedarf ist – auch vor dem Hintergrund der ähnlich schlechten Datenlage bei NRF-Rezeptur 8.5. – weitgehend unklar. Rhinoguttae pro infantibus SR Ephedrin ist mit negativem Aufbereitungsergebnis beurteilt worden (8); siehe auch Vorschlag „Rhinoguttae Argenti diacetylotannici proteinici 3 % SR". Solutio Acriflavinii SR Berücksichtigt durch NRF 7.7. Solutio Chlorhexidini SR Berücksichtigung bei Aktualisierung von NRF 7.2. vorgesehen. Solutio Epinephrini 0,1 % SR Bedarf für rezepturmäßige Herstellung vor dem Hintergrund vergleichbarer Fertigarzneimittel fraglich. Solutio Hydroxychinolini 0,1 % SR Bedarf zu prüfen. Spiritus Oxytetracyclini 1 % SR Vorbehalte gegen die kutane Anwendung des Antibiotikums Oxytetracyclinhydrochlorid. Der dermatologische Bedarf wird weiter geprüft. Unguentum Alcoholum Lanae SR Bedarf vor dem Hintergrund der ähnlichen DAB-Grundlage „Wollwachsalkoholsalbe" fraglich. Die Beschaffenheit, die Verstreichbarkeit auf der Haut und das Emulgiervermögen sollen aber anders sein als bei dieser. Unguentum Alcoholum Lanae aquosum SR Bedarf vor dem Hintergrund der ähnlichen DAB-Grundlage „Wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe" und der NRF-Vorschrift 11.104. fraglich. Für Problemrezepturen werden zunehmend von Wollwachsprodukten freie hydrophobe Cremes bevorzugt. Unguentum Dexamethasoni 0,05 % cum Hydroxychinolino 0,25 % / cum Hydroxychinolino 0,1 %; Grundlage: Unguentum emulsificans aquosum N SR (9) Arzneimittelkombinationen sind im Einzelfall rational zu begründen (10). Der Zusatz eines Antiseptikums ist grundsätzlich eher sinnvoll als derjenige eines Antibiotikums. Bei stark oder sehr stark wirkenden Externsteroiden ist die Sinnhaftigkeit antiseptischer Zusätze mehr umstritten als bei schwach oder mittelstark wirkenden. Unguentum Metronidazoli 1 % SR Durch NRF-Vorschrift 11.91. abgedeckt. Unguentum nasale SR Bedarf, Bedeutung und Beitrag einzelner Komponenten sind für hydrophobe Nasencreme schwierig zu ermitteln. Unguentum Oxytetracyclini 2,5 % cum Prednisolono oticum SR Vorbehalte gegen die lokale Anwendung des Antibiotikums Oxytetracyclinhydrochlorid im äußeren Gehörgang (4). Arzneimittelkombinationen sind im Einzelfall rational zu begründen (10). Unguentum Oxytetracyclini SR Vorbehalte gegen die kutane Anwendung des Antibiotikums Oxytetracyclinhydrochlorid. Der dermatologische Bedarf ist vor dem Hintergrund vergleichbarer Fertigarzneimittel zu prüfen. Dieser ist eventuell eher für den Fall von „Unguentum Oxytetracyclini 1 % L/W SR" zu sehen. Unguentum Zinci oxidati SR Bedarf neben der von Wollwachsprodukten freien DAB-Grundlage „Zinksalbe" fraglich.

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Beitrag erschienen in Ausgabe 39/2000

 

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