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Schwangerschaft: salzarme Kost ist tabu

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Schwangerschaft: salzarme Kost ist tabu

Schwangere sollten unbedingt darauf achten, genügend Salz zu sich zunehmen und ausreichend zu trinken. Entgegen früheren Ansichten ist nämlicheine ausreichende Salzversorgung wichtig, um Komplikationen wie einerGestose, Fehlgeburten oder Wachstumsretardierungen beim Kindvorzubeugen. Konkret heißt das, daß eher nachgesalzen werden muß, als amSalz zu sparen.

Veraltet sind nach Professor Dr. Ulrich Retzke aus Suhl Empfehlungen anSchwangere, sich salzarm zu ernähren, um einer Gestose mit Ödembildung,Proteinausscheidung und Bluthochdruck vorzubeugen. Schwangere mit Gestosewerden oft fälschlicherweise mit salzarmer Kost traktiert, zu Obst- und Reistagenangehalten. Diese Ratschläge werden seit rund 100 Jahren ausgesprochen. Siebasieren auf Befürchtungen, eine hohe Salzzufuhr könne eine Präeklampsie(EPH-Gestose) begünstigen, was aber nie wissenschaftlich belegt wurde.

Inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, daß genau das Gegenteil der Fall ist, wieRetzke bei einer Pressekonferenz des Vereins Deutsche Salzindustrie in Düsseldorfbetonte. In einer gesunden Schwangerschaft steigt nach seinen Worten dasPlasmavolumen erheblich an, der Hämatokrit fällt ab, was andeutet, daß sich dieFließfähigkeit des Blutes verbessert, mit absinkendem Hämatokrit nimmt dieSauerstofftransportkapazität zu. Konkret bedeutet das: Es kann mehr Sauerstoffgebunden werden, was einer besseren Versorgung von Mutter und Kind gleichkommt.

Ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen


Damit das Plasmavolumen wie erforderlich steigen kann, muß Flüssigkeit gebundenwerden, was nach Retzke nur möglich ist, wenn eine ausreichende Versorgung mitMineralstoffen und insbesondere mit Natrium gewährleistet ist. Wie bedeutsam das fürdie Gesundheit der Schwangeren und ihres Kindes ist, zeigt die Tatsache, daß dieGefahr von Komplikationen wie Gestosen, Fehlgeburten oderWachstumsietardierungen beim Feten steigt, wenn der Hämatokrit nicht abfällt.

Die Erfahrungen der Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen untermauern dieseBeobachtungen, wie Geschäftsführerin Sabine Kuse in Düsseldorf darlegte. Seit Jahrenbeschäftigt sich die Organisation, ein Zusammenschluß betroffener Frauen, mit derTherapie und Prävention einer Gestose. Die Erfahrungen bei der umfangreichenBeratungstätigkeit deuten laut Kuse ebenfalls auf eine wichtige Rolle einerausreichenden Salzzufuhr in der Schwangerschaft hin.

Der Salzbedarf scheint dabei vom Körpergewicht der Frau abhängig zu sein. Kuse rätSchwangeren mit einem Gewicht von 70 bis 75 Kilogramm dazu, täglich etwa einenTeelöffel Salz zusätzlich zu sich zu nehmen. Die notwendige Salzmenge steigert sich beihöherem Körpergewicht, und Schwangere über 100 Kilogramm brauchen bereitstäglich vier Teelöffel Salz. Kuses Rat: "Wenn nicht anders möglich, soll das Salz vomApotheker in leicht schluckbare Kapseln verpackt werden."

Unklar ist bislang, inwieweit möglicherweise eine bereits manifeste Gestose durchzusätzliche Salzgaben auch therapeutisch angegangen werden kann. ErsteUntersuchungen aus dem Klinikum Suhl deuten tatsächlich an, daß eine salzreiche Kostdie Symptomatik zu lindern vermag. Eine kontrollierte Studie zu dieser Fragestellung istderzeit in Planung.

PZ-Artikel von Christine Vetter, Düsseldorf

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Beitrag erschienen in Ausgabe 51/1997

 

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