51 Immunmodulatoren

 Pegyliertes Interferon alfa-2a Pegasys® Fertigspritze (Roche)

Knapp ein Jahr nach der Einführung des ersten pegylierten Interferons bietet das Pharmaunternehmen Roche seit Juli 2002 das pegylierte Interferon-alfa-2α an. Das Präparat ist zugelassen zur Therapie einer histologisch nachgewiesenen Hepatitis C und sollte möglichst in Kombination mit Ribavirin verabreicht werden.
Nach Meinung von Experten leiden in Deutschland zurzeit rund 0,4 Prozent der Bevölkerung an einer Hepatitis C. Die Zahl der Infizierten unter Drogenabhängigen, die sich intravenös ihr Rauschmittel verabreichen, wird auf 80 Prozent geschätzt. Bislang kann man sich vor den Hepatitis-C-Viren nicht mit einer Impfung schützen. Die Therapie der Lebererkrankung konnte in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert werden. Derzeit gilt die Kombination aus pegyliertem Interferon und Ribavirin als Therapie der Wahl. Primäres Ziel ist es, den chronischen Verlauf der Lebererkrankung zu verhindern. Die Viruslast und der Genotyp des Erregers gelten als entscheidende Parameter für den Behandlungserfolg.
Eine Fertigspritze Pegasys® enthält 135 beziehungsweise 180 mg rekombinant hergestelltes Interferon alfa-2a, das an ein Polyethylenglykol-Molekül mit der Molekularmasse von 40 000 gebunden ist. Dank des Konjugats wird das Cytokin im Körper langsamer abgebaut, und muss nur noch einmal wöchentlich in die Haut injiziert werden.
Entsprechend einer neuen Studie (Manns, Medizinischen Hochschule Hannover), liegt die Ansprechrate der Kombination aus pegyliertem Interferon und Ribavirin bei Viren vom Genotyp 1 bei 46 Prozent. Die Rate bei Infektionen mit Erregern eines anderen Genotyps bezifferte der Experte auf 71 Prozent.
Das pegylierte Interferon alfa-2a wurde sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Ribavirin klinisch geprüft. In einer Untersuchung erhielten 1121 Patienten über ein Jahr einmal wöchentlich entweder 180 mg Pegasys und Placebo, 180 mg Pegsys und täglich 1 bis 1,2 g Ribavirin oder dreimal wöchentlich 3 Millionen I.E. Interferon alfa-2b plus täglich 1 bis 1,2 g Ribavirin. Die Kombination aus pegyliertem Interferon und Ribavirin war signifikant wirksamer als die anderen Regime. Die virologische Ansprechrate der Kombination aus Pegasys und Ribavirin lag bei den Patienten mit und ohne Zirrhose nach Therapieende bei 69 Prozent, die der von herkömmlichem Interferon plus Ribavirin bei 52 Prozent. 71 Prozent der Träger des Genotyps 2 und 3 profitierten von einer anhaltenden Ansprechrate auf die Kombination aus Pegasys und Ribavirin im Vergleich zu 61 Prozent in der anderen Kombinationsgruppe. Bei Patienten, die sich mit einem HC-Virus vom Genotyp 1 infiziert hatten, lagen die Raten bei 45 beziehungsweise 36 Prozent.
In anderen klinischen Studien zeigte sich zudem, dass die Ansprechrate bei HCV-1-infizierten Patienten je nach Therapiedauer und Viruslast variiert. So lag die Ansprechrate bei Patienten mit niedriger Viruslast nach 24 Wochen Behandlung mit Pegasys und Ribavirin bei 50 und nach 48 Wochen bei über 60 Prozent. Bei hoher Viruslast fiel der Unterschied noch deutlicher aus. Hier lagen die Raten nach 24 Wochen bei 25 und nach 48 Wochen bei 45 Prozent. Bei den Nicht-1-Trägern bringt die längere Behandlung jedoch keinen zusätzlichen Benefit. Experten empfehlen daher das in der Abbildung dargestellte individualisierte Behandlungsschema.
Das potenzielle Nebenwirkungsprofil der Interferone ist vielschichtig. Bei der Therapie sollte zum Beispiel regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Zudem können die Patienten unter psychiatrischen Nebenwirkungen wie Depressionen leiden. Bei Vorbelasteten ist daher besondere Vorsicht geboten. Kommt es während der Behandlung zu Leberkompensationen, sollte das Medikament abgesetzt werden. Pegasys muss zudem bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen sehr vorsichtig eingesetzt werden.
Bislang fehlt eine Studie, die direkt den therapeutischen Nutzen der beiden in Deutschland verfügbaren pegylierten Interferone alfa-2a und alfa-2b jeweils in Kombination mit Ribavirin untereinander vergleicht. 
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