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Famciclovir und Valaciclovir, zwei neue Virustatika

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Famciclovir und Valaciclovir, zwei
neue Virustatika

 

Mit der Entwicklung von Aciclovir in den siebziger Jahren wurde der Grundstein für die moderne antivirale Therapie der Herpeserkrankungen (Herpes simplex, Herpes zoster) gelegt. Aciclovir, ein Guanin-Derivat, zeichnet sich pharmakologisch durch einen selektiven Wirkmechanismus aus. Virale Enzyme in den infizierten Zellen, spezielle Thymidinkinasen, werden dabei zur Umwandlung der Substanz in das Aciclovir-Monophospliat genutzt.

 

Famciclovir ist arzneilich wirksamer Bestandteil der Fertigarzneimittel Famvir® Zoster 250 mg, Famvir® 125 mg und Famvir® 250 mg der Firma SmithKline Beecham. Zusätzlicher Vertriebsunternehmer ist Lederle Arzneimittel.
Valaciclovir ist arzneilich wirksamer Bestandteil der Fertigarzneimittel Valtrex® und Valtrex® S der Firma Glaxo Wellcome. Den Mitvertrieb hat Hoechst übernommen. Eine Filmtablette enthält je 556 mg Valaciclovirhydrochlorid, entsprechend 500 mg Valaciclovir
.

Das Monophosphat wird anschließend mittels zellulärer Enzyme in die eigentliche aktive Form, das Aciclovir-Triphosphat, überführt, das dann aufgrund seiner Strukturverwandtschaft anstelle von Guanin-Triphosphat bei der DNA-Synthese eingebaut wird. Es kommt letztendlich zur Hemmung der Virusreplikation. Mit Famciclovir und Valaciclovir wurden 1994 beziehungsweise 1995 zwei neue Virustatika in die Therapie eingeführt, die verschiedene Vorteile gegenüber Aciclovir besitzen sollen: ein einfacheres, complianceförderndes Dosierungsschema, eine bessere Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe, eine schneller einsetzende Schmerzfreiheit und eine Verringerung der posttherapeutischen Neuralgie.

Chemische Klassifikation

Famciclovir, das Diacetyl-6-Deoxy-Analogon von Penciclovir, ist ein Prodrug, das nach Resorption im Organismus zu Penciclovir und anschließend in den virusinfizierten Zellen zum eigentlich virustatisch aktiven Metaboliten, Penciclovir-Triphosphat, umgewandelt wird.

Valaciclovir ist der L-Valin-Ester von Aciclovir. Die Veresterung erfolgt an der 5'-Hydroxylgruppe des Nucleosids. Im Fertigarzneimittel liegt der Wirkstoff als Hydrochlorid vor. Das nach Resorption entstehende Aciclovir wird in den virusinfizierten Zellen ebenfalls zum eigentlich wirksamen Metaboliten, dem Aciclovir-Triphosphat, metabolisiert.

Indikationen und Anwendung

Famvir Zoster 250 mg und Valtrex, sind zugelassen für die Frühbehandlung des akuten Herpes zoster (Gürtelrose) bei immunkompetenten Patienten. Valtrex S wurde am 1. Februar 1997 zur Therapie des rezidivierenden und primären Herpes genitalis in den Handel eingeführt. Am 1. März 1997 wurden Famvir 250 mg für die Primärinfektion mit Herpes genitalis (in einer Packung mit 15 Tabletten) und Famvir 125 mg für akut rezidivierenden Herpes genitalis (in einer Packung von 10 Tabletten) auf den Markt gebracht.

Hervorzuheben ist bei beiden Substanzen die deutlich höhere Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe (77 Prozent für das aus Famciclovir entstehende Penciclovir und mehr als 50 Prozent für das aus Valaciclovir entstehende Aciclovir) im Vergleich zu Aciclovir (10 bis 20 Prozent). Ein weiterer Vorteil von Famciclovir ist die deutlich längere intrazelluläre Verweildauer des eigentlich antiviral wirksamen Penciclovir-Triphosphats (Halbwertszeit 9 versus 0,8 Stunden für Aciclovir-Triphosphat).

Hauptvorteil der neuen Wirkstoffe aber ist das compliancefördernde Dosierungsschema. Während Aciclovir zur Therapie des Herpes zoster fünfmal täglich verabreicht werden muß, werden bei Famciclovir und Valaciclovir bereits bei einer dreimal täglichen Gabe ausreichende Wirkspiegel und klinische Erfolge erreicht. Wenn beide Substanzen innerhalb der ersten 72 Stunden nach Auftreten der Hauterscheinungen eingesetzt werden, wird signifikant schneller Schmerzfreiheit erreicht als unter Placebo oder Aciclovir. Dies wird besonders deutlich bei Patienten über 50 Jahren, bei denen wesentlich häufiger als bei jüngeren eine Zosterneuralgie auftritt.

Die Substanzen scheinen aber ebensowenig wie Aciclovir in der Lage zu sein, eine posttherapeutische Neuralgie, Hauptkomplikation eines Zoster, zu verhindern. Sie können sie bei rascher Gabe aber abschwächen. Um so wichtiger ist es, daß Apotheken und pharmazeutischer Großhandel ständig lieferbereit sind. Bei Lieferschwierigkeiten sollte die Apotheke auf jeden Fall Rücksprache mit dem Arzt halten.

PZ-Lexikon
Windpocken und Herpes zoster

Der Herpes zoster (Gürtelrose) wird durch das Varicella-Zoster-Virus verursacht, das sich während einer Primärinfektion im Kindes- oder Jugendalter in Form von Windpocken manifestiert, sich anschließend in den Satellitenzellen der Basalganglien einnistet und dort in latenter Form persistiert. Man nimmt an, daß es bei Patienten, deren spezifische zelluläre Immunität unter ein kritisches Niveau abgesunken ist, zu einer Reaktivierung der Varicella-Zoster-Viren kommen kann. Diese Annahme wird dadurch gestützt, daß insbesondere ältere Menschen (ab circa 50 Jahren) und Menschen mit geschwächter Immunantwort ein deutlich höheres Risiko haben, an Herpes zoster zu erkranken, als junge Menschen.

Durch die Reaktivierung gelangt ein Teil der Viren vermutlich durch retrograden, axonalen Fluß in das zugehörige Dermatom, wo eine explosionsartige Virusvermehrung in den Keratinozyten der Epidermis stattfindet. Es kommt zum Herpes zoster, der klinisch insbesondere durch heftige Schmerzen (Zoster-assoziierte Neuralgie) gekennzeichnet ist. Diese treten in der Regel zwei Tage vor den charakteristischen, segmentalen Hauteffloreszenzen auf. Bei den meisten Patienten verschwinden die zum Teil sehr heftigen Schmerzen (Dys- oder Hyperästhesien) mit dem Abheilen der Hautveränderungen.

Bei einigen Patienten persistieren sie jedoch über Monate oder sogar Jahre. Die Zoster-Neuralgie ist nicht nur die häufigste Komplikation einer Zosterinfektion, sondern auch eine sehr schwer zu behandelnde, chronische Schmerzform. Die Zoster-Neuralgie nimmt mit dem Alter sowohl an Häufigkeit als auch an Intensität und Dauer deutlich. zu. So entwickeln fast 50 Prozent der über 60jährigen eine Zoster-assoziierte Neuralgie.

PZ-Artikel von Rolf Thesen, Eschborn

   

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Beitrag erschienen in Ausgabe 16/1997

 

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