Govi-Verlag
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NEUE ARZNEISTOFFE

86 Zytostatika


Arsentrioxid Trisenox® Injektion (Cell Therapeutics)

 

Seit Anfang Juni 2002 vertreibt das aus Seattle stammende Pharmaunternehmen Cell Therapeutics auch in Deutschland Arsentrioxid zur Behandlung von Patienten mit rezidivierender beziehungsweise refraktärer Akuter Promyelozyten Leukämie (APL).

 

APL ist eine von acht Unterarten der akuten myeloischen Leukämie (AML). Die bösartige Krankheit ist durch eine abnormale Translokation von genetischem Material von Chromosom 17 auf 15 charakterisiert. In der Folge unterdrückt ein entartetes Protein die Ausreifung der Leukozyten im Knochenmark.

 

Der genaue Wirkmechanismus von Arsentrioxid ist noch nicht geklärt. Dazu existieren zwei Hypothesen: Einerseits soll die Substanz das abnormale Protein zerstören, das die Ausreifung der Leukozyten behindert. Andererseits soll Arsentrioxid den programmierten Zelltod ankurbeln, indem die Freisetzung von Caspase-Enzymen gefördert wird.

 

Die Behandlung mit Arsentrioxid ist erfahrenen Ärzten in der Klinik vorbehalten. Dementsprechend wird das Präparat nur an Krankenhaus versorgende Apotheken geliefert.

 

Als Standardtherapie erhalten APL-Patienten Zytostatika und all-trans-Retinoide. Auf dieses Regime sprechen jedoch 20 bis 30 Prozent der Betroffenen nicht an. Für sie steht nun das Arsentrioxid zur Verfügung.

 

Arsentrioxid wurde in zwei offenen Studien ohne Vergleichsgruppe an 52 APL-Patienten geprüft, die zuvor Anthrazyklin und ein Retinoid erhalten hatten. Die Studienteilnehmer bekamen intravenös eine mittlere Tagesdosis von 0,15 bis 0,16 mg pro kg Körpergewicht. Je nach Ansprechrate schloss sich nach erfolgreicher Vollremission und einer Konsolidierungstherapie eine Erhaltungstherapie an. Bei 85 beziehungsweise 92 Prozent der Patienten konnten zunächst keine sichtbaren Leukämiezellen mehr im Knochenmark nachgewiesen werden (Vollremission). Bis zur Vollremission vergingen im Schnitt 35 Tage. Diese Remission hielt rund 55 Tage an. Die Überlebensrate nach 18 Monaten lag bei 67 Prozent.

 

Das Nebenwirkungsspektrum von Arsentrioxid ist vielschichtig. Die Symptome reichen von Fieber, Dyspnöe und Leukozytose bis hin zu Herzrhythmusstörungen und einem gestörten Elektrolythaushalt. Da der Wirkstoff die QT-Zeit verlängert, ist bei ähnlich wirkenden Arzneistoffen wie Makroliden oder dem Neuroleptikum Thioridazin extreme Vorsicht geboten.

 

Arsen wird überwiegend in der Leber, Niere, dem Herzen, der Lunge sowie Haaren und Nägeln gespeichert. Dreiwertige Verbindungen scheidet der Körper hauptsächlich methyliert über die Niere aus.

 

Eine Ampulle Trisenox enthält 1 mg des Wirkstoffs. Das Arzneimittel ist nicht konserviert und muss daher streng aseptisch appliziert werden. Die Lösung wird mit 5-prozentiger Glucoselösung oder physiologischer Kochsalzlösung verdünnt und über ein bis zwei Stunden infundiert. Die Infusion darf nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt oder gleichzeitig verabreicht werden.


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