51 Immunmodulatoren

 Pegfilgrastim (Neulasta® Injektion Amgen)

Filgrastim ist ein rekombinanter humaner Granulozyten-Kolonie stimulierender Faktor (G-CSF), der in Escherichia-coli-Kulturen hergestellt wird (Neupogen®,). Das Glykoprotein stimuliert die Aktivierung, Proliferation und Differenzierung neutrophiler Vorläuferzellen und verstärkt die Funktion reifer Granulozyten. Im Pegfilgrastim ist ein einzelnes 20 kDa Monomethoxy-PolyethylenglykoI-(PEG)-Molekül an die N-terminale Methionylgruppe des Wachstumsfaktors gebunden.
Pegfilgrastim wird bei Patienten eingesetzt, die wegen einer malignen Erkrankung mit myelosuppressiven Zytostatika behandelt werden (nicht bei chronisch-myeloischer Leukämie und myelodysplastischem Syndrom). Es reduziert die Neutropenie-Dauer und die Häufigkeit eines neutropenischen Fiebers Innerhalb von 24 Stunden steigt die Anzahl neutrophiler Granulozyten im peripheren Blut an;, Monozyten und Lymphozyten reagieren kaum. Filgrastim und Pegfilgrastim haben identische Wirkmechanismen.
Die Moleküle unterscheiden sich vor allem in ihrer Kinetik, da die Pegylierung das Molekül erheblich vergrößert. Die Eliminiationshalbwertszeit des PEG-Proteins ist nahezu verzehnfacht (im Mittel 33,2 versus 3,37 Stunden). Die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Plasmakonzentration ist rund neunmal länger (median 72 gegenüber 8 Stunden). Vermutlich wird das Molekül über eine „Neutrophilen-vermittelten Clearance“ eliminiert. Das heißt, es wird nicht renal ausgeschieden, sondern kann nur nach Bindung an den G-CSF-Rezeptor auf den Granulozyten abgebaut werden. Man hat beobachtet, dass die Serumkonzentration erst sinkt, wenn die Neutrophilenzahl wieder steigt.
Vorteil des PEG-Moleküls: Es wird nur einmal pro Chemotherapiezyklus – circa 24 Stunden nach der Zytostatikagabe – in fester Dosis von 6 mg subcutan injiziert. Filgrastim muss täglich in körpergewichtsbezogener Menge gespritzt werden.
In zwei randomisierten Doppelblindstudien mit Patienten, die zusätzlich Doxorubicin und Docetaxel entweder Filgrastim oder Pegfilgrastim erhielten, waren beide G-CSF-Präparate vergleichbar gut wirksam und verträglich. Sie reduzierten die Dauer einer schweren Neutropenie auf 1,6 bis 1,8 Tage; ohne die Gabe ist bei diesem Therapieschema mit 5- bis 7-tägiger Neutropenie zu rechnen. Über die gesamte Studiendauer (je vier Zyklen) betrachtet, lag die Rate der Patienten, die an neutropenischem Fieber litten, unter Pegfilgrastim tendenziell niedriger als unter Filgrastim (13 versus 20 Prozent sowie 9 versus 18 Prozent). Wie dieser Effekt zustande kommt, ist unklar. 
|