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Masern-Mumps-Röteln-Vakzine: Impfangst ist unbegründet

MEDIZIN

 
Masern-Mumps-Röteln-Vakzine

Impfangst ist unbegründet

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Eine Impfung mit der kombinierten Masern-Mumps-Röteln-Vakzine (MMR) oder mit quecksilberhaltigen Impfstoffen führt nicht zu Autismus. Dies ergab nun eine kanadische Studie mit 28.000 Kindern.

 

Die Zahl der tief greifenden Entwicklungsstörungen wie Autismus und Asperger-Syndrom steigt seit Jahren an. Als Ursache wurde lange Zeit die Impfung mit dem kombinierten MMR-Impfstoff vermutet. Hintergrund war eine 1998 im Fachmagazin »The Lancet« veröffentlichte Studie des britischen Arztes Andrew Wakefield, die einen Zusammenhang zwischen den Entwicklungsstörungen und der Vakzine herstellte. Nach der Publikation sanken die Impfraten drastisch: Zehntausende von besorgten Eltern ließen ihre Kinder aus Angst vor Autismus nicht impfen. Zu Unrecht, wie sich heute zeigt.

 

Bereits im Februar 2004 zog das Fachmagazin die Studie wegen grober Fehler zurück. Kurz darauf nahmen auch zehn der zwölf Mitautoren Abstand von der Publikation, da die Daten unzureichend waren. Sie basierten auf den medizinischen Berichten von nur zwölf Kindern.

 

Jetzt soll Wakefield sich für die Studie vor dem General Medical Court, der britischen Ärztekammer, verantworten. Denn der Mediziner hat sich anscheinend für das Erstellen des Zusammenhangs zwischen Autismus und dem Impfstoff bezahlen lassen. 55.000 Pfund soll Wakefield von einer Gruppe von Eltern autistischer Kinder erhalten haben, die wissenschaftliche Belege für eine Schadensersatzklage benötigten. Dies berichtete die Londoner Zeitschrift »The Independent« Ende Juni. Der »Lancet«-Herausgeber Richard Horton erklärte, dass er die Studie nie veröffentlicht hätte, wenn ihm dieser »fatale Interessenskonflikt« bekannt gewesen wäre. Sollte die britische Ärztekammer Wakefield ein Fehlverhalten nachweisen, könnte er aus dem Ärzteregister gestrichen werden. Seit dieser Veröffentlichung von 1998 konnte keine weitere Untersuchung einen Zusammenhang zwischen Autismus und der MMR-Vakzine finden.

 

Auch Impfstoffe, die den Zusatz Thiomersal (auch Thimerosal) enthalten, stehen seit Jahren unter dem Verdacht, Autismus auszulösen. Die organische Substanz, die einen großen Quecksilber-Anteil hat, dient der Konservierung von medizinischen Produkten. Sie sollte der These zufolge auf Grund der Neurotoxizität des Quecksilbers die Entwicklungsstörungen verursachen.

 

Der Impfstoff-Zusatz ist aber kein Risikofaktor für Autismus, wie eine aktuelle kanadische Studie mit 28.000 Kindern aus Quebeck eindeutig belegt. In dieser Provinz wurde der Gebrauch von Thiomersal in der Impfstoffherstellung 1996 verboten. »Die Inzidenz von Autismus war unseren Daten zufolge bei Kindern höher, die nach dem Verbot von Thiomersal geimpft wurden«, sagte Studienleiter Dr. Eric Fombonne, Direktor der Pädiatrischen Psychiatrie am Montreal Children's Hospital. Und auch für die MMR-Vakzine ließ sich kein Zusammenhang erkennen: Obwohl die MMR-Impfrate insgesamt sank, stieg die Zahl der Autismus-Erkrankungen weiter an.

 

Denselben Schluss lässt auch eine japanische Studie von 2005 zu. Wissenschaftler um Hideo Honda vom Yokohama-Rehabilitations-Zentrum untersuchten die medizinischen Daten von mehr als 31.000 Kindern, die zwischen 1988 und 1996 in einem bestimmten Bezirk der Stadt Yokohama zur Welt kamen. Sie zählten die Zahl der Autismus-Diagnosen und stellten fest, dass die Erkrankungszahl nach dem Verbot der MMR-Vakzine im Jahr 1993 anstieg. Während die Inzidenz vorher zwischen 48 und 86 Fälle pro 10.000 Kinder betrug, lag sie nach dem Verbot bei 97 bis 161 Fälle pro 10.000 Kinder, berichteten die Forscher im Fachmagazin »Journal of Child Psychology and Psychiatry«.

 

Der MMR-Impfstoff sowie Thiomersal-haltige Vakzine sind somit nicht verantwortlich für den zu beobachtenden Anstieg an Autismus-Diagnosen in Industrienationen. Was aber der Grund ist, bleibt unklar. Einigen Experten zufolge seien Umweltgifte die Ursache. Andere Experten meinen, der Anstieg sei rein statistisch bedingt: Zum einen seien die Diagnosekriterien verändert worden, zum anderen beobachteten Eltern heute die Entwicklung ihres Kindes genauer als früher.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 29/2006

 

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