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NEUE ARZNEISTOFFE

15 Antiepileptika


Pregabalin (Lyrica® Hartkapseln, Pfizer)

 

 

Anfang September 2004 hat das GABA-Analogon Gabapentin mit Pregabalin einen Nachfolger bekommen. Wie sein Vorgänger, jedoch stärker, bindet das S-Enantiomer der 3-Isobutyl-γ-Aminobuttersäure an die α2δ-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle und wirkt hemmend auf Neurone im ZNS. Zugelassen ist es als Add-on-Therapeutikum bei partiellen epileptischen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung im Erwachsenenalter und zur Therapie periphärer neuropathischer Schmerzen. Im Gegensatz zu Gabapentin muss Pregabalin nicht auftitriert werden. Die empfohlene, bereits wirksame Tagesdosis liegt zu Beginn der Behandlung bei 150 mg und kann auf insgesamt 600 mg gesteigert werden. Beim Absetzen wird empfohlen, die Dosis ausschleichend über mindestens eine Woche zu verringern.

 

Pregabalin unterliegt einer linearen Pharmakokinetik. Nach der peroralen Einnahme wird die Substanz rasch resorbiert und erreicht maximale Plasmakonzentrationen innerhalb von einer Stunde. Mit einem geschätzten Wert von über 90 Prozent ist die Bioverfügbarkeit hoch. Die Halbwertszeit beträgt 6,3 Stunden. Bei wiederholter Anwendung bildet sich nach ein bis zwei Tagen ein Steady State aus.

 

Patienten können das Medikament während oder zwischen den Mahlzeiten einnehmen, da sich die verringerte Resorptionsrate klinisch nicht signifikant auswirkt. Da Pregabalin nicht an Plasmaproteine bindet und in der Leber kaum metabolisiert wird, sind bisher keine relevanten pharmakokinetischen Interaktionen mit anderen Arzneimitteln, wie weiteren Antiepileptika oder Kontrazeptiva, aufgetreten. Allerdings kann die Substanz die Wirkung von Ethanol, Lorazepam und Oxycodon verstärken. Sie wird nahezu vollständig (zu 98 Prozent) unverändert renal ausgeschieden, eine Dosisanpassung ist nur bei eingeschränkter Nierenfunktion notwendig.

 

Zum Einsatz von Pregabalin bei peripheren neuropathischen Schmerzen liegen mehrere randomisierte kontrollierte Studien vor. Demnach reduzierten tägliche Dosen von 150, 300 oder 600 mg bei Patienten mit diabetischer Polyneuropathie beziehungsweise Postzoster-Neuralgie die Schmerzen signifikant gegenüber Placebo. Zudem besserte die achtwöchige Therapie die Lebensqualität der Patienten sowie die häufigen Schlafstörungen. Die Effekte zeigten sich in der Regel innerhalb der ersten Woche, zum Teil bereits nach dem ersten vollen Behandlungstag.

 

In der zwölfwöchigen Behandlung von Erwachsenen mit partiellen oder fokalen epileptischen Anfällen zeigten sich die Dosierungen von 150, 300 und 600 mg zusätzlich zur bisherigen Therapie der Placebogabe ebenfalls signifikant überlegen. Dabei nahm die Anfallsfrequenz dosisabhängig ab, die 600-mg-Dosis konnte sie im Mittel halbieren.

 

Als Nebenwirkungen wurden in den klinischen Studien in erster Linie Benommenheit sowie Somnolenz, häufig (> 1 Prozent) auch Ataxie, Schwindel oder verschwommenes Sehen, Mundtrockenheit und gastrointestinale Nebenwirkungen, erektile Dysfunktion sowie periphere Ödeme genannt. Zudem nahmen vor allem Patienten mit Epilepsie abhängig von der Dosis an Gewicht zu. Im Allgemeinen waren die Nebenwirkungen jedoch leicht bis mittelschwer ausgeprägt und führten selten zum Therapieabbruch.


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