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HAB 2005 als Vorbild in Europa

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Pharmacon Meran 2006

HAB 2005 als Vorbild in Europa

Das Homoöpathische Arzneibuch HAB 2005 ist das weltweit bedeutendste Arzneibuch für diese Heilmethode. Die Monographien sind aktuell und die Herstellmethoden exakt beschrieben. Damit kann es Vorbild für ein Europäisches Homöopathisches Arzneibuch sein, das seit einigen Jahren vorbereitet wird.

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»Pharmazeutisch gesehen ist die Homöopathie State-of-the-Art«, sagte Professor Dr. Peter Christian Schmidt, Nürnberg, bei der Vorstellung des HAB 2005 nicht ohne Stolz. Auch wenn viele Apotheker das HAB kaum kennen: Nach dem Arzneimittelgesetz ist es gemeinsam mit dem Deutschen und dem Europäischen Arzneibuch (DAB und Ph. Eur.) Teil des offiziellen Arzneibuchs.

 

Das HAB 2005 steht in der Tradition des Organons von Samuel Hahnemann, das 1810 erstmals erschienen ist und sechs Auflagen erfahren hat. Große Bedeutung errang in der Folgezeit die 1872 von Dr. Willmar Schwabe erstmals herausgegebene »Pharmacopoea homoeopathica polyglottica«. Die 1924 erschienene Schrift »Dr. Willmar Schwabe´s Homöopathisches Arzneibuch« wurde 1934 in ein offizielles Arzneibuch umgewandelt. Die Nationalsozialisten wollten die billige Medizin mit heimischen Pflanzen fördern. Erst 1978 erschien das erste amtliche, von einer Kommission erarbeitete HAB 1, das durch vier Nachträge ergänzt wurde. 2000 wurde es durch eine Loseblattsammlung, das HAB 2000, abgelöst. Die jährlichen Ergänzungen werden stets mit Jahreszahl geführt, sodass derzeit das HAB 2005 gültig ist.

 

Seit einigen Jahren arbeitet die Kommission für das Europäische Arzneibuch an einem europäischen HAB. Einige allgemeine und etwa 15 substanzspezifische Monographien sind bereits erschienen, informierte Schmidt. Dabei wird bereits das Problem der Konsensbildung offenbar: Gemäß der Monographie »Pillule« dürfen Globuli aus Saccharose, Lactose und anderen Substanzen bestehen. Für den Technologen ist das ein Rückschritt gegenüber den deutschen Vorschriften, die nur Saccharose für die Kügelchen erlauben. 

 

Das aktuelle HAB beschreibt eine Vielzahl von Ausgangs- und Hilfsstoffen und enthält zudem 58 exakte Herstellvorschriften. Die Monographien zu Ausgangsstoffen umfassen 273 Frischpflanzen, 129 Drogen, 18 Tiere oder deren Produkte sowie 165 Mineralien, anorganische und organische Verbindungen. Wenn Ausgangsstoffe in der Ph. Eur. beschrieben sind, wird darauf verwiesen und nur die Herstellvorschrift für die Arzneiformen ergänzt, zeigte Schmidt am Beispiel von Foeniculum vulgare. Nicht im Ph. Eur. aufgeführte Ausgangsstoffe werden im HAB umfassend beschrieben, wobei bei toxischen Inhaltsstoffen eine Gehaltseinstellung erfolgt (Beispiel Amanita phalloides).

 

Als indifferente Stoffe, das heißt Hilfsstoffe, kannte das HAB 1934 nur Ethanol (in mehreren Stärken), Glycerol, Lactose-Monohydrat, Saccharose und (gereinigtes) Wasser. Heute sind insgesamt 53 Arzneiträger und Hilfsstoffe aufgelistet, darunter viele, die für die Herstellung der Arzneiformen unabdingbar sind. 

 

Auch die Zahl der Herstellvorschriften ist seit Hahnemann erheblich gestiegen. Auf den Gründer gehen nur die Vorschriften für Urtinkturen, Lösungen und flüssige Zubereitungen, Verreibungen, Globuli und LM-Potenzen zurück. Heute gibt es 58 Herstellvorschriften, da als Folge des AMG von 1976 auch spagyrische und anthroposophische Mittel in das HAB aufgenommen wurden. Ob solche Methoden auch Eingang in das europäische HAB finden werden, wird in der zuständigen Kommission noch diskutiert.

 

»Die Methoden des HAB sind Konventionsmethoden, an die wir uns halten sollten, denn sie dienen der Produktion qualitätsgesicherter Arzneimittel«, betonte der Technologe. Doch die alten Techniken bieten auch Überraschungen: So entdeckte man erst 1962, dass durch Verreiben eines Stoffes, in homöopathischen Verreibungen immer α-Lactose-Monohydrat, die Bioverfügbarkeit des Arzneistoffs drastisch ansteigt. Technologisch denkbar wäre die weitere Partikelzerkleinerung, zum Beispiel zu Nanopartikeln, oder die Sprühtrocknung einer Lösung, die zu amorpher Lactose führt. Vielleicht erhielte man damit »Turbo-Homöopathika«, mutmaßte der Technologe.

 

Er brach eine Lanze für das HAB 2005. Es sei weltweit das führende homöopathische Arzneibuch mit aktuellen Monographien, vielen Ausgangsstoffen und geprüften Herstellmethoden. »Ein Vorbild für das europäische HAB«.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2006

 

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