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NEUE ARZNEISTOFFE

32 Dermatika


Eflornithin, Vaniqa® Creme (Shire Deutschland GmbH)

 

 

Das Topikum Eflornithin-Creme ist zugelassen für Frauen mit unerwünschtem Haarwuchs (Hirsutismus) im Gesicht. Eflornithin ist ein irreversibler Hemmstoff des Enzyms Ornithin-Decarboxylase, das die Umwandlung von Ornithin in Putrescin und andere Polyamine katalysiert, die ihrerseits an der Regulation von Zellwachstum und -differenzierung, auch im Haarfollikel, beteiligt sind. Dadurch wird die Bildung des Haares verlangsamt. Die Creme, die 115 mg Eflornithin pro Gramm Grundlage enthält, wird zweimal täglich auf die gereinigte, trockene Haut aufgetragen, einmassiert und dort mindestens vier Stunden belassen. Die Anwendung soll auf Gesicht und Kinn beschränkt werden. Weniger als 1 Prozent des Wirkstoffs penetrieren durch die Haut.

 

Wirksamkeit und Sicherheit der topischen Therapie wurden in zwei Studien mit knapp 600 Frauen mit exzessivem Haarwuchs im Gesicht über 24 Wochen geprüft. Als „Placebo“ diente die Cremegrundlage. Gemäß Arzturteil sprach etwa ein Drittel der Frauen sehr gut auf das Verum an („rein, fast rein“ oder „deutliche Besserung“), ein Drittel erlebte eine Besserung und ebenfalls ein Drittel sprach nicht an oder verschlechterte sich sogar. Im Vergleich dazu erzielte keine Frau mit der Cremegrundlage eine reine Haut und nur neun Prozent eine deutliche Besserung, aber bei ebenfalls einem Drittel besserte sich der Haarwuchs. Die Frauen fühlten sich deutlich weniger psychisch belastet; das Verum verminderte signifikant die subjektive Beeinträchtigung durch den Haarwuchs. Erfolge waren nach acht Wochen feststellbar.

 

Häufigste Nebenwirkungen waren Brennen, Stechen und Kribbeln der Haut. Bei 14 Prozent der Frauen, die vorher keine Akne hatten, trat diese während der Therapie mit Verum oder Grundlage auf. Für einen dauerhaften Erfolg ist eine Dauerbehandlung nötig, da sich etwa acht Wochen nach Therapie-Eende der Ausgangszustand wieder einstellt. Lebensrettend kann der Arzneistoff Eflornithin, allerdings intravenös appliziert, bei Patienten mit Schlafkrankheit wirken. So wurden Heilungsraten von mehr als 95 Prozent bei Infektionen mit Trypanosoma brucei gambiense erzielt. Diese Erreger, die durch Tsetse-Fliegen übertragen werden, lösen im westlichen und zentralen Afrika die Schlafkrankheit aus. Im fortgeschrittenen Stadium befallen die Parasiten das zentrale Nervensystem und führen zu Symptomen wie Verwirrung, Kopfschmerzen, Krämpfen, Somnolenz und Apathie bis hin zum Koma. Ohne Behandlung sterben die Patienten. Bei der Eflornithin-Therapie werden zwei Wochen lang 100 mg/kg Körpergewicht alle sechs Stunden intravenös infundiert. Bis zu einer halben Million Menschen sind nach WHO-Angaben von der Krankheit betroffen, etwa 60 Millionen Afrikaner sind gefährdet. (Wagner, U., Hohmann, C., Reise- und Infektionskrankheiten. PZ-Schriftenreihe, Bd. 14, S. 184 - 187, Govi 2004)


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