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68 Osteoporosemittel


Paricalcitol (Zemplar®, Injektionslösung, Abbott)

 

 

Das synthetische Vitamin-D-Analogon Paricalcitol ist zugelassen zur Prävention und Therapie eines sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT) bei chronischem Nierenversagen. Das Präparat wird als 1ml beziehungsweise 2ml Ampulle zur Infusion angeboten.

 

Das Krankheitsbild sHPT, die Überfunktion der Nebenschilddrüse, ist gekennzeichnet durch Störungen des Parathormon-Serumspiegels und Mineralstoffwechsels. Kranke Nieren scheiden weniger Phosphat aus; als Folge nimmt der Serum-Calciumspiegel zunächst ab. Daraufhin schüttet die Nebenschilddrüse vermehrt Parathormon aus. Die Überproduktion bewirkt wiederum, dass Calciumionen aus den Knochen ins Blut wandern. Als Resultat entsteht ein sHPT mit all seinen Folgen – Knochenerkrankungen mit pathologischen Frakturen, Kalkablagerungen in Gefäßen und Bindegewebe sowie kardiovaskuläre Erkrankungen bis zum Myokardinfarkt. Als Standardtherapie werden Phosphatbinder oder Vitamin-D-Verbindungen eingesetzt. Seit Anfang des Jahres ist zusätzlich das Calcimimetikum Cinacalcet (Mimpara®) auf dem deutschen Markt.

 

Paricalcitol senkt wie Vitamin D den Parathormon-Spiegel ohne die Calcium- und Phosphatspiegel wesentlich zu beeinflussen. Als Wirkmechanismus wird vermutet, dass auf Grund des strukturellen Unterschieds von Paricalcitol zu Vitamin D die Interaktion mit dem Vitamin-D-Rezeptor modifiziert ist.

 

Das Vitamin-D-Analogon wird als intravenöse Bolusinjektion gegeben. Innerhalb von zwei Stunden sinkt die Paricalcitol-Konzentration rasch ab, nach Mehrfachgabe konnte keine Akkumulation festgestellt werden. Die Substanz wird vor allem hepatobiliär eliminiert. Sowohl im Urin als auch in den Fäces waren mehrere Metabolite nachweisbar, die jedoch nicht charakterisiert oder identifiziert wurden.

 

Sicherheit und Wirksamkeit wurde bei etwa 600 Patienten untersucht. In einer doppelblinden randomisierten Studie mit 263 Dialysepatienten senkte Paricalcitol im Vergleich zu Calcitriol den Parathormon-Spiegel signifikant schneller (87 versus 104 Tage). Nach 18 Wochen erreichten alle mit Paricalcitol-behandelten Probanden den therapeutischen Zielbereich (100 bis 300 pg/ml), dagegen keiner der Calcitriol-Gruppe. Als häufigste Nebenwirkungen traten Hypercalcämie (4,7 Prozent), Hypophosphatämie (1,7 Prozent), Funktionsstörungen der Ne-benschilddrüse (1,7 Prozent), Juckreiz und Geschmacksveränderungen (1,1 Prozent) auf.

 

Eine Kohortenstudie liefert erste Hinweise darauf, dass die Art des zugeführten Vitamin D das Überleben der Patienten beeinflusst. Beobachtet wurden knapp 68.000 Dialysepatienten über einen Zeitraum von drei Jahren. Patienten, die Paricalcitol erhielten, hatten gegenüber Calcitriol-Behandelten eine um 16 Prozent verbesserte Überlebensrate. Um dieses Ergebnis zu manifestieren, sind jedoch noch weitere randomisierte Studien nötig.


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