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Aripiprazol|Abilify®|71|2004

NEUE ARZNEISTOFFE

 
71 Psychopharmaka


Aripiprazol (Abilify® Tabletten, Bristol Myers Squibb)

 

 

Seit Juni 2004 ist mit Aripiprazol (10, 15 und 30 mg Tabletten) ein neues atypisches Antipsychotikum zur Therapie der Schizophrenie bei Erwachsenen auf dem deutschen Markt erhältlich. Während die bisher verfügbaren Atypika wie Clozapin, Risperidon, Olanzapin, Quetiapin und Ziprasidon als volle Antagonisten am Dopamin-D2-Rezeptor wirken, handelt es sich bei dem Neuling um einen partiellen Agonisten am D2- und Serotonin-5HT1A-Rezeptor. Das bedeutet, dass der Arzneistoff Dopamin-agonistisch wirkt, wenn der natürliche Botenstoff fehlt, bei einer erhöhten Neurotransmission jedoch antagonistisch. Im Tiermodell zeigten sich antagonistische Effekte bei dopaminerger Hyperaktivität und agonistische Eigenschaften bei Hypoaktivität. Wie die anderen Atypika blockiert auch Aripiprazol den Serotonin-5HT2A-Rezeptor.

 

Atypische Antipsychotika beeinflussen die Positiv- (zum Beispiel Halluzinationen) und Negativsymptome (zum Beispiel Apathie, sozialer Rückzug) einer Schizophrenie und haben im Vergleich zu Neuroleptika ein geringeres Risiko, extrapyramidal-motorische Störungen (EPS) und Spätdyskinesien auszulösen. Dass dies auch für Aripiprazol gilt, zeigte eine randomisierte, doppelblinde 52-Wochen-Studie mit 1294 Patienten. 433 erhielten täglich 10 mg Haloperidol, 861 nahmen 30 mg Aripiprazol ein. Die Symptome besserten sich in beiden Gruppen vergleichbar gut. Deutlich überlegen war Aripiprazol jedoch bei negativer und depressiver Symptomatik. Die Responderraten waren vergleichbar (72 versus 69 Prozent), die Zeit bis zum Therapieversagen war unter Aripiprazol länger.

 

Insgesamt beendeten nur 495 Patienten (38 Prozent) die gesamte Studie, doch auch hier schnitt Aripiprazol signifikant besser ab: 43 Prozent der Patienten gegenüber 30 Prozent unter Haloperidol befolgten die Medikation 52 Wochen lang. Rund ein Drittel aller Patienten berichtete über EPS; erwartungsgemäß traten diese Nebeneffekte unter Haloperidol signifikant häufiger auf (58 versus 27 Prozent der Patienten).

 

In einer 26-Wochen-Studie mit 310 stabilisierten, schizophrenen Patienten wirkte Aripiprazol (15 mg) signifikant besser als Placebo und reduzierte Rückfälle signifikant besser (34 Prozent Rückfallrate versus 57 Prozent).

 

Häufigste Nebenwirkungen in Studien waren Benommenheit, Schläfrigkeit, Akathisie, Tremor, verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen und gastrointestinale Symptome. Eine klinisch relevante Gewichtszunahme – ein häufiger Begleiteffekt einer antipsychotischen Therapie – trat unter Aripiprazol nicht oder deutlich seltener als unter Olanzapin auf.

 

Als Anfangs- und Erhaltungsdosis werden 15 mg Aripiprazol einmal täglich empfohlen. Der Wirkstoff wird nach peroraler Gabe gut resorbiert und intensiv in der Leber über die Cytochrom-P 450-Enzyme 3A4 und 2D6 verstoffwechselt. Daraus ergibt sich ein erhebliches Wechselwirkungspotenzial. Wird Aripiprazol gemeinsam mit potenten CYP2D6-Hemmstoffen, zum Beispiel Chinidin, Fluoxetin oder Paroxetin gegeben, muss die Dosis etwa halbiert werden. Gleiches gilt bei paralleler Gabe von Ketoconazol oder HIV-Protease-Inhibitoren, die CYP3A4 blockieren. Bei Gabe von 3A4-Induktoren wie Carbamazepin, Rifampicin, Phenytoin oder Johanniskraut muss die Dosis erhöht bis verdoppelt werden.













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