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Lipide: Gute Fette, schlechte Fette

MEDIZIN

 
Lipide

Gute Fette, schlechte Fette

Von Christina Hohmann

 

Fettstoffwechselstörungen sind ausgesprochen häufig, fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat erhöhte Blutfettwerte. Entsprechend wichtig ist das Thema Blutfette daher auch für die Beratung in den Apotheken.

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Fette gehören zusammen mit den Eiweißen und Kohlenhydraten zu den Grundbestandteilen der Nahrung. Rund 40 Prozent ihres Energiebedarfs nehmen Deutsche in Form von Fett zu sich – dies entspricht täglich etwa 80 g bei Frauen und 100 g bei Männern. Der Großteil des Nahrungsfetts besteht aus Triglyceriden. Diese enthalten den dreiwertigen Alkohol Glycerin, der mit drei Fettsäuremolekülen verestert ist. Die Triglyceride (auch Neutralfette genannt) sind der wichtigste Energieträger im Blut, der vor allem die Muskeln versorgt. Überschüssige Energie speichern die Fettzellen (Adipozyten) in Form von Triglyceriden als Fettdepot. Bei Bedarf wird der Vorrat durch Lipolyse wieder abgeschmolzen. Triglyceride gelangen aber nicht nur mit der Nahrung in den Körper, sondern werden auch in der Leber aus Glucose neu synthetisiert.

 

Mit der Nahrung nimmt der Mensch noch ein weiteres medizinisch relevantes Lipid auf: das Cholesterol. Dabei handelt es sich um einen polyzyklischen Alkohol und nicht wie häufig angenommen um ein Fett. Es wird jedoch wegen seiner Lipophilie als Lipid eingeordnet. Cholesterol übernimmt lebenswichtige Aufgaben im Köper: So ist es ein Hauptbestandteil der Zellmembranen sowie Ausgangsstoff für die Synthese von Steroidhormonen, Gallensäure und Vitamin D. Etwa zwei Drittel des Alkohols stellt der Körper selbst her, nur ein Drittel wird mit der Nahrung aufgenommen. Da sich Cholesterol als Lipid nicht mit Wasser mischt, liegt es im Blut als Lipoprotein vor – es ist von einer Proteinhülle umgeben. Je nach Dichte sind die Lipoproteine unterteilt in Chylomikronen, VLDL (Very Low Density Lipoproteins), IDL (Intermediate Density Lipoproteins), LDL (Low Density Lipoproteins) und HDL (High Density Lipoproteins). Das über die Nahrung zugeführte Cholesterol wird nach der Resorption im Darm von den Chylomikronen aufgenommen und von dort in die Gewebe transportiert.

 

Von medizinischer Bedeutung sind vor allem das LDL, das umgangssprachlich auch als »schlechtes« Cholesterol bezeichnet wird, und das »gute« HDL-Cholesterol. Als schlecht gilt LDL-Cholesterol, weil in Studien ein hoher Wert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem für die koronare Herzkrankheit erhöhte. Die Partikel besitzen einen besonders hohen Cholesterolgehalt. Ihre Aufgabe ist es, Körperzellen mit Cholesterol zu versorgen. Hierfür binden die Partikel an spezifische LDL-Rezeptoren und gelangen in das Zellinnere, wo sie das Cholesterol freisetzen. Die Partikel spielen aber auch eine besondere Rolle bei der Entstehung von Arteriosklerose. LDL kann in die Wand der Gefäße eindringen, wo es in Teilen oxidiert wird. Fresszellen (Makrophagen) nehmen das oxidierte LDL auf und wandeln sich dann in sogenannte Schaumzellen um, die den Kern eines arteriosklerotischen Plaques in den Gefäßen bilden.

 

Anders als dem LDL wird dem HDL-Cholesterol eine schützende Wirkung auf die Gefäße zugesprochen. Die Partikel haben einen relativ geringen Cholesterol- und einen hohen Proteinanteil. Sie können Cholesterol aus den Gefäßwänden aufnehmen und zur Leber transportieren. Hier wird es in Gallensäure umgewandelt und ausgeschieden. Ein niedriger HDL-Spiegel gilt nach heutigem Kenntnisstand als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Blutfette analysieren

 

Bei einer Blutfettuntersuchung sind die Messung des Triglyceridwerts und des Gesamtcholesterols ausreichend. Sind die Werte auffällig, sollten die LDL- und HDL-Spiegel bestimmt werden. Mithilfe einer Blutfettanalyse lässt sich das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten abschätzen und der Erfolg einer fettsenkenden Therapie bestimmen.


Risikofaktoren: Adipositas, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzkreislauferkrakungen
Vorerkrankungen: Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris, periphere Gefäßerkrakungen

Vor der Blutabnahme sollte der Patient eine Nahrungs- und Alkoholkarenz von mindestens 12 bis 14 Stunden einhalten. Denn ein Teil der Lipide wird aus der Nahrung aufgenommen, was das Ergebnis verfälschen kann. Dies gilt vor allem bei der Bestimmung der Triglyceridwerte. Hier ist die Compliance des Patienten zu beachten, da sonst keine verwertbaren Ergebnisse ermittelt werden können. Alkoholkonsum am Vorabend kann den Wert verdoppeln.

 

Der Triglyceridspiegel sollte bei Erwachsenen unter 200 mg/dl Blut liegen (siehe Tabelle). Bei Kindern sollte er zwischen 30 und 160 mg/dl betragen. Stark erhöhte Werte können auf angeborene Stoffwechselerkrankungen (primäre Hypertriglyceridämie) zurückgehen, die aber recht selten sind. Häufigere Gründe sind Übergewicht und Alkoholabusus. Auch eine Schwangerschaft, ein Diabetes mellitus, eine Unterfunktion der Schilddrüse, Lebererkrankungen oder die Einnahme von verschiedenen Medikamenten wie Corticosteroide, β-Blocker, Diuretika, orale Kontrazeptiva oder Spironolacton können den Triglyceridspiegel anheben. Stark erhöhte Triglyceridwerte (über 1000 mg/dl) können zu einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse führen und erhöhen auch das Risiko für eine Fettleber und Angina pectoris.


Referenzwerte für die Blutfette

Wert   ohne Risikofaktoren   mit Risikofaktoren   mit Vorerkrankungen 
Triglyceride   < 200 mg/dl   < 200 mg/dl   < 200 mg/dl 
Gesamtcholesterol   < 240 mg/dl   < 200 mg/dl   < 180 mg/dl 
LDL-Cholesterol   < 160 mg/dl   < 130 mg/dl   < 100 mg/dl 
HDL-Cholesterol   > 40 mg/dl   > 40 mg/dl   > 40 mg/dl 

Niedrige Konzentrationen kommen eher selten vor. Sie können unterschiedliche Ursachen haben, wie schwere Anämien, Mangelernährung, Überfunktion der Schilddrüse, die Einnahme von Medikamenten (Fibrate) oder von Vitamin C.

 

Zusätzlich zur Triglyceridmessung wird meist auch der Gesamtcholesterolwert ermittelt. Zur Betrachtung dieses Wertes sollte das Alter, Geschlecht, Gewicht, Größe und weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit berücksichtigt werden. Die Konzentration steigt mit dem Alter an und liegt bei Männern in der Regel höher als bei Frauen. Bei Menschen ohne weitere Risikofaktoren sollte der Gesamtcholesterolwert unter 240 mg/dl (6,2 mmol/l) liegen. Bei Menschen, die Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder eine familiäre Vorbelastung aufweisen, sollte der Wert 200 mg/dl (5,2 mmol/l) nicht überschreiten. 180 mg/dl (4,7 mmol/l) gilt als kritischer Wert für Patienten, die bereits unter einer Vorerkrankung wie Angina pectoris leiden oder einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben.

 

Erhöhte Werte gehen in seltenen Fällen auf eine angeborene Stoffwechselstörung zurück (primäre Hypercholesterinämie). Weitere Ursachen von erhöhten Werten sind chronische Niereninsuffizienz, nephrotisches Syndrom, Leber- und Gallenwegserkrankungen sowie eine Unterfunktion der Schilddrüse. Auch Diabetes mellitus, Morbus Cushing, eine fettreiche Ernährung sowie die Einnahme von Gestagenen und Diuretika können die Spiegel anheben. Niedrige Werte sind entweder genetisch bedingt oder gehen auf Tumorerkrankungen, Anämien, chronische Infektionen, Hyperthyreose oder Mangelernährung zurück.

 

Die Bestimmung des Gesamtcholesterolwertes dient in erster Linie dazu, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen abzuschätzen. Bei Werten über 240 mg/dl sollte der Apotheker den Patient in jedem Fall an einen Arzt verweisen, um das Ergebnis zu besprechen. Bei Konzentrationen zwischen 200 und 240 mg/dl sollte der Patient aufgeklärt werden, dass sich der Wert in einem Grenzbereich befindet, in dem es sinnvoll ist, zusätzlich HDL- und LDL-Cholesterol zu bestimmen.

 

HDL gegen LDL

 

Da LDL das »böse« Cholesterol darstellt, sollte sein Gehalt im Blut möglichst gering sein. Ein Wert unterhalb von 160 mg/dl (4,1 mmol/l) gilt als Norm. Personen mit zusätzlichen Risikofaktoren sollten eine Konzentration von weniger als 130 mg/dl (3,4 mmol/l) und Personen mit Vorerkrankungen weniger als 100 mg/dl (2,6 mmol/l) aufweisen. Im Gegensatz hierzu scheinen hohe Werte des HDL-Cholesterols einen gewissen Schutz vor Gefäßveränderungen zu bieten. Der HDL-Wert sollte daher möglichst über 40 mg/dl (1 mmol/l) liegen. Das Arterioskleroserisiko gilt als erhöht, wenn der HDL-Wert unter 35 mg/dl und der LDL-Wert über 190 mg/dl liegt.

 

Es ist sinnvoll, wenn alle über 35-Jährigen die eigenen Cholesterolwerte kennen, um eventuell gegensteuern zu können. Daher gehört die Blutfettanalyse zum Gesundheits-Check, auf den gesetzlich Versicherte nach Vollendung des 35. Lebensjahres alle zwei Jahre Anspruch haben. Wenn erhöhte Blutfettwerte nicht genetisch bedingt sind, sondern auf eine ungesunde Lebensführung zurückgehen, lassen sie sich durch einfache Maßnahmen senken. Hierzu zählen eine gesunde, fettarme Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung und eine Gewichtsreduktion.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 34/2008

 

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