Sprechzeiten: AOK nimmt Ärzte ins Visier |

An unnötig langen Wartezeiten von Kassenpatienten sind nach Darstellung des AOK-Bundesverbandes häufig die Ärzte schuld: Sie arbeiteten zu wenig für das erhaltene Geld, sagte der designierte Verbandsvorsitzende Jürgen Graalmann bei einem Presseseminar in Joachimsthal bei Berlin. «Aktuell bringen die Versicherten rund vier Milliarden Euro mehr für die ärztliche Versorgung auf, als sie real dafür bekommen». Vor allem Fachärzte hielten die zugesagte Arbeitszeit für die Behandlung von Kassenpatienten nicht ein.
Graalmann, der sein neues Amt am 1. Oktober als Nachfolger von Herbert Reichelt antritt, forderte die Kassenärztlichen Vereinigungen auf, den Missstand zu beenden. Sie hätten dafür zu sorgen, dass die Mediziner ihre für die Behandlung von Kassenpatienten zugesagten 51 Wochenstunden auch tatsächlich leisten. Eine von der AOK in Auftrag gegebene Umfrage ergab, dass Hausärzte rund 47 Stunden in der Woche für ihre Patienten da sind, Fachärzte dagegen nur 39 Stunden. Dennoch bekämen die Mediziner ein Honorar, «das dem mit 51 Stunden kalkulierten Lohn entspricht», sagte Graalmann. Er bezifferte die Minderleistung «auf glatte 23 Prozent». Honorarkürzungen solle es aber nicht geben.
02.09.2011 l dpa
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